15.12.2025
Die Fachdidaktik auf Spurensuche in der Bautzner Straße
In den Räumen der ehemaligen Bezirksverwaltung der Staatssicherheit erinnert heute die Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden an die Opfer der politischen Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR, dokumentiert deren Schicksale und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. Jüngst entwickelte Heiko Neumann das von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten finanzierte Dauerangebot zur "Kriminalität in den Augen der politischen Polizei". Das Team der Fachdidaktik Geschichte begleitete dieses historisch-politische Bildungsangebot im finalen Umsetzungsschritt wissenschaftlich:
Akteneinsicht in der Gedenkstätte
Wir untersuchten bisher unveröffentlichte Aktenbestände des Stasi-Unterlagen-Archives und entnahmen den Vernehmungs-, Untersuchungs- und Kaderakten detaillierte Hinweise auf ein komplexes Geflecht und konkrete Zusammenarbeit von MfS und Volkspolizei bei der Aufklärung diverser Straftaten wie »Republikflucht« und »staatsfeindlicher Hetze«, aber auch bei Mord, Brandstiftungen, Vergewaltigungen, rassistischen Übergriffen und Diebstahlhandlungen.
Die inhaltliche Zusammenarbeit der Institutionen unterstreicht das didaktische Potential des außerschulischen Angebots vor Ort. Wir freuen uns daher ganz besonders, das Projekt im kommenden Jahr im erprobten Einsatz zu erleben.
Das Projekt soll für alle Interessenten im Folgenden vorgestellt werden:
Kriminalität in den Augen der politischen Polizei. Die Spezialkommission der BV Dresden (1969-1989).
Einer der Ausstellungsräume in der Gedenkstätte
Politische Delikte in der DDR waren Sache der Stasi! Was auf den ersten Blick und in der Tendenz stimmen mag, ist bei näherer Betrachtung gar nicht mehr so eindeutig. Am Beispiel der Spezialkommission (SK) wird erkennbar, wie engmaschig die Ermittlungsarbeit und Arbeitsteilung zwischen Kriminalpolizei und Staatssicherheit in der Praxis ablief. Die Auseinandersetzung mit diesem Referat der Abteilung IX der Bezirksverwaltung Dresden, welches vorrangig bei schweren Straftaten - wie Mord, Terror und Brandstiftungen - eingesetzt wurde, weitet den Blick auf das komplexe Geflecht zwischen MfS, Volkspolizei, Staatsanwaltschaft und Justiz vor dem Hintergrund des DDR-Alltages.
Im neuen pädagogischen Dauerangebot der Gedenkstätte Bautzner Straße für inhaltlich fortgeschrittene Lerngruppen werden bisher unbekannte Aktenbestände zu konkreten Fällen, den Ermittlungsmethoden, der Zusammenarbeit der Untersuchungsorgane sowie den Biographien der SK-Mitarbeiter angeboten. Im Anschluss daran wird eine auf das Thema abgestimmte Führung zu den Ermittlungsverfahren der SK durch die historischen Räume der heutigen Gedenkstätte durchgeführt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der objektgebundenen Selbsterkundung und des diskursiven Austausches zum Thema: Wie weit ging das Interesse der Staatssicherheit auch bei scheinbar unpolitischen Delikten?
Und im Gegenzug: Ist die Volkspolizei bzw. Kriminalpolizei in der bisherigen Aufarbeitung und Erinnerungskultur ausreichend als politische Polizei innerhalb der SED-Diktatur verstanden und entsprechend bewertet worden?