Feb 09, 2026
„Ein unglaublich sensibles Thema“ – Erinnern zum 13. Februar in Dresden
Die AG Altmarkt (auf dem Foto, v.l.: Justus Ulbricht, Holger Hase, Mathias Herrmann und Viktor Vincze) bemüht sich um einen neuen und würdigen Erinnerungsort in der Dresdner Innenstadt.
Am 13. Februar 1945 kam der Krieg, den das nationalsozialistische Deutschland in die Welt getragen hatte, nach Dresden. Die vielen Opfer der Bombardierung wurden auf dem Altmarkt verbrannt. Bis 2023 erinnerte hier am Mahnmal die Inschrift „Dies ist ein Ort der Mahnung, des Erinnerns und Gedenkens. Hier wurden Leichname Tausender Opfer der Luftangriffe des 13. Und 14. Februar 1945 verbrannt. Damals kehrte der Schrecken des Krieges, von Deutschland in alle Welt getragen, auch in unsere Stadt zurück.“ Im Zuge von Bauarbeiten wurde diese Inschrift entfernt und seither gilt es, für das Gedenken dieses hochpolitisierten Ereignisses neue Formen des Gedenkens und Erinnerns zu finden.
Die Geschichtsdidaktik der TU engagiert sich aktiv in diesem erinnerungskulturellen Diskurs und entwickelt im Rahmen des Beirats der Erinnerungskulturen der Stadt (AG Altmarkt) konkrete Konzepte für wissenschaftlich triftige und fachdidaktisch fundierte Erinnerungspraktiken.
Ein solches Engagement ist aus zwei Gründen wichtig: erstens, weil der Vereinnahmung von Geschichte für politisierte Zwecke und der emotionalisierenden Nutzung von Geschichtskultur wissenschaftlich begegnet werden muss; zweitens, weil die aktuelle erinnerungskulturelle Praxis am 13. Februar jährlich sehr deutlich vor Augen führt, wie polarisiert die Stadtgesellschaft ist. Individuelles Gedenken ist kaum möglich, denn jegliche erinnerungskulturelle Praxis vor Ort läuft Gefahr, durch intentionale Vergemeinschaftung vereinnahmt zu werden. Diesem Problem begegnet die AG Altmarkt in ihrer Arbeit ganz konkret, mit der doppelten Strategie aus Dezentralisierung und der Defokussierung. Als Erinnerungsorte sollen künftig verschiedene Plätze – und nicht nur der Altmarkt – dienen. Und: Erinnert werden soll künftig nicht allein an die Bombennacht, sondern gerade am Altmarkt sollen auch andere, positive Erinnerungsmomente gesetzt werden.
Nach 81 Jahren ist die Debatte darum, wie ein angemessenes Gedenken und Erinnern am 13. Februar gestaltet sein könnte, hochaktuell (DNN, MDR tag24). Die Form, die dieses Gedenken annimmt, und die Frage danach, wer diese Form bestimmt, sagt viel über unsere Gegenwart aus. Vor diesem Hintergrund sind wir dankbar und stolz, dass der Dresdner Geschichtsdidaktik hier ein so aktiver Part zukommt.