13.07.2026
Piraten und Prisen! Ein Veranstaltungsbericht
Piraten und Prisen!
Ein Bericht von Michelle Sickert
Kaum ein historisches Thema ist bis heute so stark von popkulturellen Bildern geprägt wie die Piraterie. Figuren wie Jack Sparrow, Klaus Störtebeker oder Blackbeard bestimmen maßgeblich unsere Vorstellungen von Piraten. Doch wie sind diese Bilder entstanden, wie verhalten sie sich zur historischen Wirklichkeit und welches Potenzial bieten sie für den Geschichtsunterricht? Diesen Fragen widmete sich der Fachtag „Piraten und Prisen. Historische Spiele als Grenzüberschreitung zwischen Fach, Unterricht und Alltag“, den die Juniorprofessur für Didaktik der Geschichte gemeinsam mit der Professur für die Geschichte der Frühen Neuzeit am 06.07.2026 veranstaltete. Nach drei Impulsvorträgen bot die Veranstaltung den Teilnehmenden die Gelegenheit, historische Brett- und Computerspiele sowie ausgewählte Comics selbst zu erproben und ihre Eindrücke gemeinsam zu diskutieren. Eine abschließende Podiumsdiskussion rundete den Fachtag ab.
Nach der Begrüßung durch Dr. Mathias Herrmann eröffnete Professor Dr. Hannes Ziegler den Fachtag mit seinem Vortrag „[S]He is a pirate! (Or is [s]he?)“, in welchem er auf die Aspekte der Piraterie in der Historischen Forschung einging. Er zeigte darin, dass Piraterie weniger als historisch eindeutig definierbarer Sachverhalt verstanden werden kann, sondern vielmehr eine soziale, politische und juristische Zuschreibung darstellt. Anschließend widmete sich Juniorprofessorin Dr. Corinna Link der Bedeutung des Piratenmotivs für historisches Lernen. In ihrem Vortrag „Das Meer als Heterotopie in der kindlichen Abenteuererzählung. Von Piraten, Freiheit und Erfolg“ machte sie deutlich, dass Piratenerzählungen trotz ihrer bislang geringen Berücksichtigung in unterrichtspraktischen Materialien vielfältige Möglichkeiten eröffnen. Statt akkuratem Fachwissen gehe es hierbei aber vielmehr darum, geschichtskulturelle Vorstellungen, Perspektivwechsel und Kontingenz zu thematisieren und an die Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern anzuknüpfen. Einen Einblick in aktuelle Forschungsprojekte gab Dr. Lucas Haasis vom Deutschen Schifffahrtsmuseum, Leibniz-Institut für maritime Geschichte. Er stellte das Projekt „Prize Papers“ vor, in dessen Rahmen er zusammen mit Studierenden auf Grundlage von historischen Quellen zu gekaperten Schiffen ein Brettspiel entwickelte. Dieses verdeutlicht, dass Kaperfahrten nicht ausschließlich als gesetzlose Piraterie verstanden werden können, sondern häufig auf einer rechtlichen Grundlage beruhten. Ergänzend präsentierte Haasis ein digitales Spielprojekt, das diese historischen Zusammenhänge ebenfalls spielerisch vermittelt.
Im anschließenden Workshop hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, verschiedene analoge und digitale Spiele auszutesten. Exemplarisch ausgewählte Comics boten außerdem die Gelegenheit, über die Darstellung von Piraterie in anderen Medienformaten zu diskutieren.
Die abschließende Plenumsdiskussion griff die zentralen Themen des Tages noch einmal auf. Im Mittelpunkt standen die Entstehung und Wirkung populärer Piratenbilder sowie deren Bedeutung für den Geschichtsunterricht. In ihren Schlussworten verdeutlichten die Referierenden noch einmal das vielfältige Potenzial des Themas für Forschung und historische Bildung. Während Lucas Haasis und Hannes Ziegler insbesondere die Möglichkeit hervorhoben, verbreitete Stereotype über Piraterie zu hinterfragen und deren Aussagekraft über gesellschaftliche Selbst- und Fremdbilder zu reflektieren, betonte Corinna Link den lebensweltlichen Zugang des Themas. Gerade die vielfältigen Begegnungen mit Piraterie in der Geschichtskultur eröffneten zahlreiche Anknüpfungspunkte für historisches Lernen weit über den Unterricht hinaus.