07.10.2026
"August der Starke und seine Exotismen" – Neuer Open Access-Sammelbandaufsatz von Prof. Dr. Andreas Rutz erschienen
Cover des Sammelbands "Galanterie, Kolonialismus und Orientalismus" (De Gruyter 2026)
Rutz, Andreas: August der Starke und seine Exotismen, in: Kraft, Stephan / Stauffer, Isabel (Hrsg.): Galanterie, Kolonialismus und Orientalismus. Zum Umgang mit dem kulturell Anderen um 1700, Berlin/Boston 2026, 2026, S. 257–286. Open Access: https://doi.org/10.1515/9783111591018-012.
Im neu erschienenen, von Stephan Kraft und Isabel Stauffer herausgegebenen Sammelband "Galanterie, Kolonialismus und Orientalismus. Zum Umgang mit dem kulturell Anderen um 1700" widmet sich Andreas Rutz, Lehrstuhlinhaber der Professur für Sächsische Landesgeschichte an der TUD, den Exotismen Augusts des Starken und nimmt dabei insbeondere deren politische Funktion in den Blick:
Der Aufsatz fragt nach der politischen Rationalität exotistischer Inszenierungen im Herrschaftssystem Augusts des Starken vor dem Hintergrund der höfischen Kultur im Europa des frühen 18. Jahrhunderts. August der Starke war nicht nur Kurfürst von Sachsen, sondern auch König von Polen. Um seine Herrschaft in diesem heterogenen Länderkomplex durchzusetzen, aber auch um seinen Rang auf der europäischen Bühne und der des Reiches zu repräsentieren, nutzte er entsprechende Selbstdarstellungen. Der Aufsatz zeigt, dass diese Exotismen es ihm einerseits ermöglichten, von den konkreten Verhältnissen in seinen Ländern zu abstrahieren und die Idee einer übergreifenden Herrschaft für alle zu betonen. Andererseits konnte er durch die Transponierung der eigenen Größe in einen exotischen Kosmos seine Überlegenheit gegenüber den übrigen Fürsten des Reiches und den europäischen Monarchen demonstrieren, ohne zugleich Präzedenzstreitigkeiten zu provozieren, wofür das galante Spiel mit exotischen Rollen und Maskierungen besonders geeignet war. (Abstract)
This essay examines the political rationality of exoticist stagings in the ruling system of Augustus the Strong against the backdrop of court culture in early 18th-century Europe. Augustus the Strong was not only Elector of Saxony, but also King of Poland. In order to assert his rule in this heterogeneous complex of countries, but also to represent his rank on the European stage and that of the empire, he used exoticist productions to portray himself accordingly. The essay shows that, on the one hand, these exoticisms enabled him to abstract from the concrete conditions in his coun-tries and to emphasise the idea of an overarching rule for all. On the other hand, by transposing his own greatness into an exotic cosmos, he was able to demonstrate his superiority over the other princes of the empire and the European monarchs without provoking disputes over precedence, for which the gallant play with exotic roles and disguises was particularly well suited. (Abstract)
Aufsatz und Sammelband sind als Open Access-Publikationen erschienen und können über den oben angegebenen Link kostenfrei bezogen werden.