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Professur für Sächsische Landesgeschichte

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Willkommen am Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte

Historisches Erinnern ist ein menschliches Grundbedürfnis. Die „Geschichte in kleinen Räumen“, also die Landes- und die Regionalgeschichte, kann dieses Bedürfnis befriedigen, gerade in Zeiten der Globalisierung mit der von den Kulturwissenschaften diagnostizierten fundamentalen Spannung zwischen Homogenisierung einerseits und der verstärkten Betonung von kulturellen Besonderheiten und Identitäten andererseits. Denn der Entwicklung supranationaler Strukturen auf der politischen und globaler Strukturen auf der wirtschaftlichen Ebene ist gerade auch die Revitalisierung regionaler Kulturen komplementär zugeordnet. In diesem Spannungsfeld erforscht und deutet die Landesgeschichte an lokalen und regionalen Beispielen kulturelle Besonderheiten und Identitäten. In methodischer Hinsicht wird das Fach dabei gerne mit Schlagworten wie „In Grenzen unbegrenzt“ als eine Disziplin charakterisiert, die „zwischen Epochen und Methoden vagabundiert“. Anspruch und zugleich Attraktivität der Landesgeschichte liegen in der Tat darin, innerhalb eines definierten Raumes – einem Land bzw. Bundesland oder einer durch naturräumliche, wirtschaftliche oder kulturelle Faktoren geprägten Region – epochenübergreifend möglichst viele Themenfelder zu bearbeiten und methodische Ansätze zu erproben. Landesgeschichte arbeitet also diachron, indem sie – unbekümmert um gängige Epochengrenzen wie Mittelalter, Frühe Neuzeit, Neuere/Neueste Geschichte oder Zeitgeschichte – ihren jeweiligen Untersuchungsraum quer durch die Zeiten in Vormoderne und Moderne gleichermaßen erschließt. Und Landesgeschichte arbeitet multidisziplinär. Zum einen, indem sie die innerhalb der Geschichtswissenschaften gängigen Methoden auf möglichst viele Forschungssegmente anwendet; der Bogen reicht hier von Politik und Verfassung, Kultur- und Bildungsgeschichte, Kirchen und Konfessionsgeschichte über Alltags- und Konsumgeschichte bis hin zur Erinnerungskultur und der Konstruktion regionaler Mentalitäten und Identitäten. Zum anderen sucht die Landesgeschichte den Kontakt und das Gespräch mit anderen Fachkulturen wie der Volkskunde/Europäischen Ethnologie, der historischen Geografie, aber auch der historischen Sprachwissenschaft.

Der offene Zugriff auf Epochen und Methoden konzentriert sich im Falle der Sächsischen Landesgeschichte auf Sachsen in seinen jeweiligen historischen Dimensionen unter Einbeziehung der Nachbarländer. Heute und für zeithistorische Arbeiten ist das der Freistaat Sachsen. Für die Zeit vor dem Wiener Kongress (1815) und den Gebietsabtretungen an Preußen konturieren die frühneuzeitlichen historischen Grenzen des Kurfürstentums Sachsens den Untersuchungszeitraum; im Mittelalter ist es, ausgehend von der Mark Meißen, der sich sukzessive erweiternde, Gebiete des heutigen Thüringen einschließende Herrschaftsraum der Wettiner. Hierbei wird auch die Geschichte vormals eigenständiger, im sächsischen Territorium aufgegangener politischer Einheiten verfolgt, wie wir sie etwa mit den im Gefolge der Reformation erloschenen geistlichen Staaten Mitteldeutschlands (Meißen, Merseburg etc.) vor uns haben. Unabhängig von historischen oder aktuellen politischen Grenzen werden zugleich auch Natur-, Kultur- und Wirtschaftsräume wie das Vogtland oder das Erzgebirge in ihrer historischen Eigenart und ihrer kulturellen Besonderheit erfasst. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der 1635 Sachsen übertragenen Oberlausitz als einer Brückenlandschaft zwischen Ost und West. Damit ist indirekt bereits gesagt, dass die Sächsische Landesgeschichte in vergleichender Perspektive den Blick auch auf Nachbarregionen in Polen und Tschechien richtet, da die sächsische Geschichte vielfältig mit jener Schlesiens und Böhmens verflochten war und insbesondere in der Epoche Augusts des Starken durch die sächsisch-polnische Personalunion „unter einer Krone“ in europäische Mächtekonstellationen integriert war.

Thematisch liegen die Schwerpunkte am Dresdner Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte im Augenblick zum einen auf der Erforschung der sog. Sattelzeit zwischen ca. 1770 und 1830 mit ihren politischen, wirtschaftlichen und mentalen Umbrüchen. Ein zentrales Forschungsfeld war und ist die historische Jubiläumskultur von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Weitere wichtige Themenfelder sind die Geschichte der Aufklärung im mitteldeutschen Raum sowie die Bildungsgeschichte (Prof. Dr. Winfried Müller), Ständeforschung und Landtagsgeschichte, Adelsforschung und Konsumgeschichte (Prof. Dr. Josef Matzerath), Unternehmensgeschichte sowie Wissensgeschichte und Wissenstransfer im transnationalen Vergleich (Dr. Swen Steinberg).

Dresden ist ein attraktiver Standort für die Landesgeschichte, was sich auch in zahlreichen Kooperationen des 1992 gegründeten und von 1992 bis 1998 mit Karlheinz Blaschke besetzten Lehrstuhls für Sächsische Landesgeschichte an der Technischen Universität Dresden niederschlägt. Für die Studierenden, die sich im Rahmen einer Bachelor- oder Masterarbeit auf das Wagnis der Erschließung noch unausgewerteter Quellen in Archiven und Bibliotheken einlassen wollen, ist es ausgesprochen günstig, dass sich mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und dem Hauptstaatsarchiv Dresden Einrichtungen am Ort befinden, die zentrale Sammlungen zur Geschichte Sachsens und des mitteldeutschen Raumes aufbewahren und betreuen. Wer sächsische Landesgeschichte studiert, für den liegen hervorragende Bestände an Büchern und Archivalien sozusagen vor der Haustür. Das Sächsische Staatsarchiv führt deshalb regelmäßig eine Lehrveranstaltung zur Einführung in die Archivkunde und die historischen Hilfswissenschaften durch.

Gleichfalls in Dresden befindet sich mit dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) seit 1997 eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung vor Ort, die landesgeschichtliche und volkskundliche Langzeitprojekte wie die „Sächsische Biografie“ oder das „Lebensgeschichtliche Archiv für Sachsen“ realisiert und attraktive Tagungen anbietet, die auch den Studierenden offenstehen. Nachdrücklich sei auf die Homepage des ISGV hingewiesen, auf der die Studierenden der Landesgeschichte wichtige online-Publikationen finden. Die Leiterin des Bereichs Geschichte im ISGV, Prof. Dr. Martina Schattkowsky, ist Mitglied der Philosophischen Fakultät der TU Dresden und führt regelmäßig Lehrveranstaltungen durch. Am ISGV besteht zugleich die Möglichkeit, studienbegleitende Praktika zu absolvieren. Neben den genannten Einrichtungen bestehen intensive Kontakte u.a. zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, zum Dresdner Geschichtsverein, zur Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften und zum Sorbischen Institut in Bautzen.