03.07.2026
Filmreihe "Sie. Frauen im DDR-Film" in der SLUB (Oktober 2026 – April 2027) – Eine Veranstaltung des ISGV und der SLUB
Sie. Frauen im DDR-Film (Poster)
Seit den 1970er-Jahren wurden in Kinofilmen der DDR alternative Lebensmodelle diskutiert. Sie zeigten gerade für Frauen andere, emanzipiertere Perspektiven auf. Ein Grund für diese auffällige Konzentration waren die Restriktionen der staatlichen Zensur- und Kulturpolitik der DDR: „Frauen durften immer ein bißchen verrückter, ein bißchen phantasievoller, ein bißchen ausgeflippter, ein bißchen ärmer, ein bißchen magerer, ein bißchen alles-ein-bißchen-mehr sein als Männer. Männern hat man es übler genommen, wenn sie nicht Helden waren, Frauen durften das eher“, so die Drehbuchautorin Regine Kühn im Rückblick. Zugleich spiegelt die Aufmerksamkeit für weibliche Lebensgeschichten eine größere Sensibilisierung für Fragen der Gleichberechtigung und Emanzipation, wie sie etwa zeitgleich auch in der Bundesrepublik und anderen Ländern zu konstatieren ist. Im Filmschaffen der DDR waren es interessanterweise zunächst eher Männer, etwa Konrad Wolf oder Heiner Carow, die den Blick auf den Alltag von Frauen warfen. In den 1980er-Jahren traten dann auch verschiedene Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen auf, etwa Evelyn Schmidt oder Christa Nickel, die mit ihren Filmen und Reportagen die Situation von Frauen kritisch reflektierten.
Die gemeinsam von ISGV und SLUB veranstaltete Filmreihe zeigt von Oktober 2026 bis April 2027 an sieben Abenden Spiel- und Dokumentarfilme aus den 1970er- und 80er-Jahren. Sie schildern keine strahlenden Heldinnen und Gewinnerinnen, sondern Frauen im Alltag der DDR-Gesellschaft. Damit geben sie Einblick in grundsätzliche Konflikte zwischen den Geschlechtern sowie die spezifischen Bedingungen des Lebens in der späten DDR. Jeder Filmabend beginnt mit einer Einführung zum jeweiligen zeitgeschichtlichen und filmhistorischen Kontext. Im Anschluss an die Filmvorführung besteht die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Neben der ISGV-Projektgruppe „Das Medium Film als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit“ konnten für die Einführungen Kolleg:innen des Digitalen Deutschen Frauenarchivs Berlin, des SAVE-Programms der SLUB und des Filmverbands Sachsen, des Kunsthistorischen Instituts der TU Dresden sowie der Schriftsteller Renatus Deckert gewonnen werden. Veranstaltungsort ist der Klemperer-Saal der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden.
Hier finden Sie das vollständige Programm der Filmreihe.