20.01.2026
Chaire Roger Odin: Vorträge von Jürgen Müller zu Fritz Lang am 20.01., 27.01. und 03.02.
Nietzsche und Fritz Lang – die Moderne der Rechten
Die Reihe soll zeigen, inwiefern die deutschen Filmklassiker „Die Nibelungen“, „Metropolis“ und „M – Der Meistermörder“ von Fritz Lang mit den Ideen der rechten Kulturphilosophie verbunden sind. Lang hat in Interviews mehrfach seine Lektüre von Nietzsche erwähnt. Seine Schriften beeinflussten Denker wie Oswald Spengler und sein Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ sowie Moeller van den Bruck, der 1923 seinen einflussreichen Essay „Das Dritte Reich“ veröffentlichte. Zwei Debatten sind im Gange: eine über die Rolle Deutschlands in der Moderne und eine über die Moderne selbst. Diese Themen sind integraler Bestandteil von Langs Filmen und werden weiterentwickelt und zur Diskussion gestellt.
Dienstag, 20. Januar 2026, 15 Uhr: Die Nibelungen oder vom Mittelalter zum Jugendstil
Fritz Langs Werk über die Nibelungen aus dem Jahr 1924 besteht aus zwei Filmen. Auf den ersten Teil, „Siegfried”, folgt „Die Rache der Kriemhild”. Diese Zweiteilung macht bereits deutlich, dass es dem Regisseur und seiner Drehbuchautorin Thea von Harbou weniger darum ging, dem literarischen Vorbild treu zu bleiben, als vielmehr darum, die männlichen und weiblichen Hauptfiguren im Sinne nationaler Helden zu charakterisieren. Auch wenn uns der konzentrierte Nationalismus heute fremd erscheint, lohnt es sich, den kulturhistorischen Spuren des Werks nachzugehen. Lang ist nämlich auf der Suche nach einem nationalen Filmstil. Ziel des Kurses ist es, diesen impliziten Diskurs zu rekonstruieren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.
Dienstag, 27. Januar 2026, 15 Uhr: Die Apokalypse als Vorbild – Fritz Langs Metropolis von 1927 und die Idee des Dritten Reiches
In Fritz Langs Film Metropolis (1927) wird das narrative Schema der Apokalypse konsequent verwendet. Dies ist bereits in Thea von Harbous Roman der Fall, der zahlreiche Episoden aus der Apokalypse aufgreift, vor allem aber die „falsche Maria” im Sinne der biblischen Figur der Hure Babylon, um eine Geschichte von Unterdrückung und Befreiung zu erzählen. Daraus entsteht ein Konflikt, der in einem endgültigen Kampf zwischen Gut und Böse gipfelt. Die Drehbuchautorin lässt sich dabei von Möller van den Brucks Essay „Das dritte Reich” inspirieren, der unter Bezugnahme auf die mystische Geschichtstheorie von Joachim von Fiore eine Theorie eines besonderen Weges Deutschlands in die Moderne entwickelt. Lange vor den Nazis gab es bereits die Idee eines Dritten Reiches, das das Ende der Geschichte bedeuten würde. Ziel dieses Kurses ist es, die Spuren dieser Vorstellung in der Ikonografie des Films aufzuzeigen.
Dienstag, 3. Februar 2026, 15 Uhr: Dinge wie Menschen. Reflexionen über Fritz Langs Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder” von 1931
Serienmorde stellen einen Grenzfall in der Rechtsprechung dar. „M – Eine Stadt sucht einen Mörder” erzählt die Geschichte eines Kindermörders, der Berlin in Angst und Schrecken versetzt. Lang und sein Drehbuchautor erzählen eine spannende Geschichte. Jonathan Demme verwendet in seinem Finale von „Das Schweigen der Lämmer“ sogar die Parallelmontage des deutschen Films. Der Film wirft aber auch die Frage nach der Gerechtigkeit und ihren Grundlagen auf. Wem gehört die Gerechtigkeit, wem steht sie zu? Den Müttern der getöteten Kinder oder dem Volk? Das sind schwierige Fragen, die noch nicht gestellt wurden, aber damals heiß diskutiert wurden. Gleichzeitig ist der Film auch eine Reflexion über das neue Medium des Tonfilms. Lang zitiert den ersten Film der Brüder Lumière und spielt mit der Technik der asynchronen Montage. Ziel der letzten Vorlesung ist es, diese Dimensionen des Films zu erforschen und zu diskutieren.
Die Vorträge (in französischer Sprache) werden online unter dem folgenden Link übertragen.