07.04.2027
Filmschau "Das Fahrrad" - aus der Reihe "SIE. Frauen im DDR-Film"
Die gemeinsam von ISGV und SLUB veranstaltete Filmreihe SIE. Frauen im DDR-Film zeigt von Oktober 2026 bis April 2027 an sieben Abenden Spiel- und Dokumentarfilme aus den 1970er- und 80er-Jahren. Der Eintritt ist frei. Es ist keine Anmeldung erforderlich.
Im Filmschaffen der DDR waren es interessanterweise zunächst eher Männer, etwa Konrad Wolf oder Heiner Carow, die den Blick auf den Alltag von Frauen warfen. In den 1980er-Jahren traten dann auch verschiedene Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen auf, etwa Evelyn Schmidt oder Christa Nickel, die mit ihren Filmen und Reportagen die Situation von Frauen kritisch reflektierten. Seit den 1970er-Jahren wurden in Kinofilmen der DDR alternative Lebensmodelle diskutiert. Sie zeigten gerade für Frauen andere, emanzipiertere Perspektiven auf. Ein Grund für diese auffällige Konzentration waren die Restriktionen der staatlichen Zensur- und Kulturpolitik der DDR. Zugleich spiegelt die Aufmerksamkeit für weibliche Lebensgeschichten eine größere Sensibilisierung für Fragen der Gleichberechtigung und Emanzipation, wie sie auch in der Bundesrepublik und anderen Ländern zu konstatieren ist.
Das Fahrrad - Spielfilm, 1982, Regie: Evelyn Schmidt, 89 min
Mit „Das Fahrrad“ schuf die Regisseurin Evelyn Schmidt ein eindringliches Frauenporträt, in dem das Auseinanderklaffen von sozialistischem Anspruch und gesellschaftlicher Realität verhandelt wird. Im Mittelpunkt steht die alleinerziehende Susanne, die zwischen monotoner Fabrikarbeit, finanziellen Sorgen und familiärer Verantwortung um Selbstbestimmung ringt. Eine neue Bekanntschaft und ein folgenschwerer Betrug bringen ihre ohnehin prekäre Lebenssituation zusätzlich ins Wanken. Mit großer Präzision beobachtet Schmidt die sozialen und emotionalen Belastungen, denen Frauen im DDR-Alltag ausgesetzt waren. Während Gleichberechtigung und Frauenrechte zur offiziellen Programmatik gehörten, stieß deren Umsetzung in der Lebenswirklichkeit oft an Grenzen.