Jan 13, 2027
Filmschau "Bis dass der Tod euch scheidet" - aus der Reihe "SIE. Frauen im DDR-Film"
Die gemeinsam von ISGV und SLUB veranstaltete Filmreihe SIE. Frauen im DDR-Film zeigt von Oktober 2026 bis April 2027 an sieben Abenden Spiel- und Dokumentarfilme aus den 1970er- und 80er-Jahren. Der Eintritt ist frei. Es ist keine Anmeldung erforderlich.
Im Filmschaffen der DDR waren es interessanterweise zunächst eher Männer, etwa Konrad Wolf oder Heiner Carow, die den Blick auf den Alltag von Frauen warfen. In den 1980er-Jahren traten dann auch verschiedene Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen auf, etwa Evelyn Schmidt oder Christa Nickel, die mit ihren Filmen und Reportagen die Situation von Frauen kritisch reflektierten. Seit den 1970er-Jahren wurden in Kinofilmen der DDR alternative Lebensmodelle diskutiert. Sie zeigten gerade für Frauen andere, emanzipiertere Perspektiven auf. Ein Grund für diese auffällige Konzentration waren die Restriktionen der staatlichen Zensur- und Kulturpolitik der DDR. Zugleich spiegelt die Aufmerksamkeit für weibliche Lebensgeschichten eine größere Sensibilisierung für Fragen der Gleichberechtigung und Emanzipation, wie sie auch in der Bundesrepublik und anderen Ländern zu konstatieren ist.
Bis dass der Tod euch scheidet - DEFA-Spielfilm, 1979, Regie: Heiner Carow, 96 min
Nach dem großen Erfolg seines Spielfilms „Die Legende von Paul und Paula“ wandte sich Regisseur Heiner Carow wenige Jahre später einem deutlich ernsteren Beziehungsdrama zu. Frisch verliebt heiraten Jens und Sonja – doch schon bald gerät die Ehe in gefährliche Fahrwasser: Sonja sieht sich im Rollengefängnis von Hausfrau und Mutter, Jens verwehrt ihr jede Selbständigkeit, die Kommunikation scheitert. Als Sonja zunehmend eigene Entscheidungen trifft, verzweifelt Jens an seinen beruflichen Anforderungen, flüchtet sich in den Alkohol und wird gewalttätig.
Ausgehend von genauen Beobachtungen des Alltags dokumentiert der Spielfilm weibliche Emanzipationsbestrebungen und Geschlechterkonflikte im Realsozialismus.