29.10.2026; Lesung
Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Müller im Rahmen der Henry Arnhold Dresden Summer School 2026 – Die Kriege von Gestern sind die Kriege von morgen - Fritz Langs Nibelungen-Filme aus dem Jahre 1924
Wie reagieren Kunst und Massenkultur auf Krieg und Gewalt? Gerade im Angesicht der aktuellen militärischen Konflikte ist die Frage von großer Bedeutung. Im Rahmen der Henry Arnhold Dresden Summer School 2026 hält Prof. Dr. Jürgen Müller den Vortrag Die Kriege von Gestern sind die Kriege von morgen - Fritz Langs Nibelungen-Filme aus dem Jahre 1924.
Es ist kein Zufall, dass Thea von Harbous und Fritz Langs Nibelungen-Filme 1924, zehn Jahre nach Beginn des 1. Weltkriegs in die Kinos kamen. Mit dem Zweiteiler „Siegfried“ und „Kriemhilds Rache“ ging der anspruchsvolle Versuch einher, eine wesenhafte Definition des deutschen Wesens zu geben. Der Film enthält aber zugleich politische Botschaften, die den verlorenen Krieg und die Frage beantworten will, wie die Zukunft Deutschlands aussehen könnte. Das gemeinsame Werk ist in ästhetischer Hinsicht anspruchsvoll und vielleicht der einzige Film, der die Ästhetik des Wiener Jugendstils ins Kino übertragen möchte. So ist immer wieder festgestellt worden, wie sehr sich die ornamentale Ästhetik auf die kraftvollen Jugendstil-Illustrationen zu den Nibelungen des Wiener-Werkstätte-Künstlers Carl Otto Czeschka von 1908 beziehen. Sie gelten als wichtiges Werk der Buchillustration und gehören zu den bekanntesten Jugendstilkunstwerken.