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Außenansicht des Merkel-Baus der TU Dresden © Nils Eisfeld

Kirchengeschichte

Wenn der Mensch sich selbst und sein Dasein transzendiert, wenn er nach der Sinnhaftigkeit seines Seins und Tuns fragt, sucht er jene Orte auf, in denen sich seine Sinnerlebnisse zu einem Ganzen zusammenfügen und so Antworten auf die Sinnfrage erwarten lassen. Ein solcher Ort ist seine eigene Lebensgeschichte, aber auch jene Geschichte, in die er seine eigene hineingestellt findet. Die dem Menschen eigene Sinnorientierung ist also ein Grund für ihn, sich mit Geschichte zu befassen, und ein Kriterium für das, was er als geschichtlich bedeutsam annimmt. Ein weiterer Ort der Sinnorientierung kann Religion sein, an der jede und jeder mit seiner eigenen religiösen Kompetenz partizipiert, in welchem Maß und in welcher Gestalt diese auch immer präsent ist. Wo solche religiöse Kompetenz von sich reden macht und nach Sinn fragt und Antworten auslotet, wird sie Theologie: Theologie, verstanden als stetiger und vielgestaltiger Versuch, Rechenschaft zu geben über den Grund der Hoffnung in uns, wie das der Verfasser des 1. Petrusbriefes (3,15) ausgedrückt hat. Theologie bringt also das, was im Menscheninnersten ahnend geglaubt und erhofft und auch befürchtet wird, zur Sprache und macht es kommunizierbar – im eigentlichen Sinn dieses Wortes. Theologie lässt sich demnach verstehen als ein Unternehmen, den Diskurs über die Sinnfrage offen zu halten. Wenn ich mich nun mit der Geschichte dieses Unternehmens in seinen vielfältigen Ausdrucksformen befasse, dann trete ich mit meinen eigenen Versuchen der Sinnorientierung, mit meiner eigenen Sinnfrage, in diesen Diskurs ein, finde in ihm Sprache, lasse mich von ihm weiterführen zu den vielfältigen Antworten, die im Laufe der Geschichte gefunden und verworfen wurden, und komme so meiner eigenen Antwort näher.
So gesehen ist Kirchengeschichte Geschichte und Theologie. Sie bedient sich der historischen Methoden, wie jedes andere wissenschaftliche Forschen an historischen Zeugnissen. Insofern sie aber in ihren historischen Gegenständen auch den Diskurs über die Sinnfrage wahrnimmt, ist sie Teil der Theologie.