Mar 24, 2026
Vortrag zum Thema "Politische Bildung und politische Positionalität im Religionsunterricht. Ein Diskussionsimpuls"
Vom 19.-20. März 2026 fand die Fachtagung "Positionalität in Religion, Politik und Gesellschaft: Orientierungen im Kontext religiöser Bildung" in der Universität Bonn statt: https://www.theologie.uni-wuerzburg.de/fileadmin/01040400/2026/Flyer_Tagung_03_2026_Aktualisiert.pdf
Auf dieser Tagung hielt Jan-Hendrik Herbst einen Vortrag zum Thema "Politische Bildung und politische Positionalität im Religionsunterricht. Ein Diskussionsimpuls". Insgesamt wurden auf der Tagung folgende Themen behandelt:
Vortrag in Bonn
Welche Rolle spielen Positionierungsprozesse angesichts gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen der Gegenwart?
Inwiefern bilden Positionierungsmöglichkeiten ein Privileg, das hegemoniale Ordnungen und gesellschaftliche Konventionen rekonstruiert?
Welche impliziten Erwartungen und normative Strukturen gehen mit dem Anspruch auf Positionalität einher?
Welchen Beitrag kann, soll und will der Religionsunterricht in diesem Spannungsfeld leisten?
Der Ruf, Position zu beziehen, erreicht uns im gesellschaftlichen Diskurs gegenwärtig auf allen Ebenen. Sich zu strittigen Themen zu positionieren, die nach Orientierung verlangen, gilt als bürgerliche, wenn nicht sogar als menschliche Verantwortung – sei es in Politik, Kirche, Verein oder Familie. Dass vermeintlich klare ethische Überzeugungen zunehmend unter Druck geraten und Positionierung fordern, hängt nicht zuletzt mit den aktuell drängenden multiplen Krisen sowie den durch sie verursachten wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen zusammen. Angesichts der Vielzahl und Vielfalt von Herausforderungen drängen insbesondere die Fragen nach Recht und Gerechtigkeit zur Positionierung.
Zugleich ist die skizzierte Kultur der Positionierung ein ambivalentes Phänomen: Einerseits eröffnet sie Räume für Orientierung und Engagement, andererseits wird sie v. a. von radikalen Akteur*innen in Politik und Gesellschaft instrumentalisiert, um Polarisierungen zu verstärken und Handlungsdruck zu erzeugen – etwa in der Flüchtlingspolitik, dem Klimaschutz oder der Verteidigungspolitik.