20.05.2026
Dr. Kapteina beim 2. HSBA–Ingeborg-Gross Research Retreat
Teilnehmer der Sylter 'Akademie am Meer'
Das 2. HSBA–Ingeborg-Gross Research Retreat fand auf Sylt (Akademie am Meer, Deutschland) statt und brachte Nachwuchswissenschaftler:innen und internationale Forschende zu einem intensiven Austausch über Forschung an der Schnittstelle von Wirtschaft, Gesellschaft und normativer Verantwortung zusammen. Das Retreat war durch herausfordernde Wetterbedingungen geprägt, die in ihrer Intensität symbolisch zu den behandelten Forschungsthemen passten und die Auseinandersetzung mit „extremen Kontexten“ zusätzlich rahmten.
Organisiert und kuratiert wurde das Retreat von Prof. Dr. Sarah Jastram, deren konzeptionelle und wissenschaftliche Leitung den Rahmen für den interdisziplinären Austausch wesentlich prägte.
Für das IHI Zittau der TU Dresden ist dieses Format von besonderer Bedeutung, da es empirisch und theoretisch ausgerichtete Forschung zu gesellschaftlicher Verantwortung, organisationalem Wandel und Nachhaltigkeit mit internationalen Perspektiven verbindet und damit zentrale Ziele der TU Dresden im Bereich Responsible Management stärkt.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Beitrags aus dem IHI Zittau stand Dr. Benedikt Kapteina, Postdoktorand an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Responsible Management, am IHI Zittau. In seinem Vortrag „When Silence Becomes Costly“ präsentierte er aktuelle Befunde aus seiner Forschung zu Corporate Democratic Action (CDA).
Kapteina betonte: „Organisationales Schweigen ist keine Abwesenheit von Handeln, sondern eine Form politischer Positionierung, die unter Bedingungen demokratischer Instabilität sichtbar wird.“
Ausgehend hiervon argumentierte der Vortrag, dass organisationales Schweigen in politisch instabilen Kontexten nicht neutral ist, sondern unter Bedingungen erhöhter Unsicherheit von unterschiedlichen Stakeholdern interpretiert wird. Dadurch entstehen reputationsbezogene, arbeitsmarktbezogene und erwartungsbasierte Effekte, die Schweigen in eine ökonomisch und normativ relevante Form organisationaler Positionierung transformieren. Corporate Democratic Action (CDA) wird dabei als analytischer Zugang entwickelt, der eine zentrale Lücke der Forschung zu Corporate Political Activity adressiert: die systematische Nichtbeachtung von Schweigen als strategisch wirksamer Kategorie.
Darüber hinaus stellte Dr. Kapteina ein gemeinsames Forschungsprojekt mit Prof. Dr. Georg Wernicke (HEC Paris) und Prof. Dr. Markus Scholz (TU Dresden) vor, das sich mit Formen organisationaler politischer Positionierung unter Bedingungen demokratischer Instabilität befasst und die theoretischen Grundlagen von Corporate Political Activity und Corporate Responsibility weiterentwickelt.
Das Retreat wurde durch Keynotes international ausgewiesener Wissenschaftler:innen geprägt, darunter Madeleine Rauch (University of Cambridge), die Forschung in Kriegskontexten vorstellte, Samuel Barton (Universität Hamburg) mit Arbeiten zu arktischer Klimaforschung und Planktonökologie sowie Laura Marie Edinger-Schons (Universität Hamburg) mit Impulsen zu nachhaltiger Transformation und systemischem Wandel. Diese Beiträge rahmten die Diskussionen um Fragen extremer Kontexte, Unsicherheit und gesellschaftlicher Transformation.
Ergänzt wurde das Programm durch weitere Beiträge von Doktorand:innen und Postdocs, die vielfältige Perspektiven auf aktuelle Forschungsfragen einbrachten und den interdisziplinären Austausch wesentlich prägten.
Ein besonderer Dank gilt Prof. Dr. Sarah Jastram, die das Retreat konzipierte, organisierte und kuratierte sowie die eingeladenen Beiträge koordinierte, sowie Sabine Lebedinski, die das Retreat inhaltlich und atmosphärisch prägte und wichtige Impulse zum Umgang mit Stress und Belastung setzte. Ebenso danken wir Johanna Ronning für die organisatorische Unterstützung. Der Dank gilt zudem der Ingeborg-Gross-Stiftung für die kontinuierliche Förderung dieses wissenschaftlichen Austauschs.