21.08.2025
Kapteina: Gastvortrag an der University of Notre Dame
Dr. Benedikt Kapteina, Postdoctoral Fellow an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Responsible Management, an der Technischen Universität Dresden, hielt im August 2025 auf Einladung von Dr. Daniel Schwake einen Gastvortrag an der University of Notre Dame (USA). Im Rahmen des Intensivprogramms „Reimagining Business Excellence: Purpose Driven Leadership“ präsentierte er sein Forschungsthema „Corporate Political Activism in Germany“.
Der Vortrag steht in direktem Zusammenhang mit einem deutsch‑israelischen Forschungsprojekt zu Corporate Democratic Action (CDA), das Dr. Kapteina gemeinsam mit dem Inhaber der Professur, Prof. Dr. Markus Scholz, sowie Dr. Schwake als Ko‑Leiter durchführt. Das Projekt untersucht, wie Unternehmen in politisch polarisierten und demokratiegefährdeten Kontexten – etwa in Israel – als Akteure Demokratie stärken oder untergraben und welche Verantwortung sie gegenüber Gesellschaft und Institutionen übernehmen. Aufbauend auf Forschung zu Corporate Political Activism und CEO Activism fragt das Projekt, unter welchen Bedingungen politisches Engagement von Unternehmen demokratische Legitimität stärkt – und wann es eher Polarisierung oder Verantwortungsausweichung begünstigt.
Die University of Notre Dame gilt international als führend in der Integration von Ethik, Demokratie und werteorientierter Führung in Forschung, Lehre und Campus‑Kultur. Das de Nicola Center for Ethics and Culture sowie das Institute for Ethics and the Common Good verknüpfen moralische Philosophie, Theologie, Politikwissenschaft und Managementforschung zu Fragen von Gerechtigkeit, gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischem Pluralismus. Das Programm „Reimagining Business Excellence: Purpose Driven Leadership“ bringt Führungskräfte, Studierende und Forschende aus verschiedenen Disziplinen zusammen, um strategische, ethische und praxisorientierte Herausforderungen verantwortungsbewusster Unternehmensführung zu diskutieren.
Dr. Daniel Schwake, Executive Director des University of Notre Dame Zentrums in Jerusalem (Notre Dame at Tantur), ist langjähriger Experte für strategisches Management und Ethik im Nahen Osten. Seine Forschung an der Schnittstelle von Unternehmen, Regierung und Zivilgesellschaft in Israel und der Region ergänzt das CDA‑Projekt und beleuchtet die Rolle von Unternehmen in polarisierten Gesellschaften.
In seinem Vortrag erläuterte Dr. Kapteina, wie und warum Unternehmen zunehmend als politische Akteure auftreten – insbesondere angesichts von Populismus, Desinformation und demokratischem Rückbau. Während klassische Unternehmensstrategien lange eine Trennung von Wirtschaft und Politik nahelegten, zeigt sich in Deutschland ein Wandel: Unternehmen veröffentlichen öffentliche Statements, initiieren Kampagnen oder kooperieren mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, um demokratische Werte, Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.
Anhand prominenter Beispiele aus Deutschland – etwa zu Europawahlen, extremistischen Bewegungen oder Desinformationskampagnen – demonstrierte Kapteina, wie Unternehmen politische Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig thematisierte er die Grenzen solcher Aktivitäten: Risiken bestehen in parteiischer Wahrnehmung, der Verstrickung in polare Debatten oder der Überforderung von Unternehmen bei Aufgaben, die eigentlich staatliche Institutionen erfüllen sollten.
Die Woche des „Reimagining Business Excellence“‑Programms umfasste neben akademischen Modulen auch praxisnahe Site Visits, z. B. zu universitären Innovationszentren wie dem IDEA Center, sowie interaktive Workshops und Diskussionen. Zum Abschluss erkundeten die Teilnehmenden zentrale Einrichtungen und ikonische Orte des Notre‑Dame‑Campus – etwa den Golden Dome, die Sacred Heart Basilica und die Grotto of Our Lady of Lourdes –, um Impulse für die Verbindung von theoretischer Reflexion und realer Campus‑Kultur zu gewinnen.
Die Diskussion mit internationalen Teilnehmenden unterstrich die Relevanz des Themas für werteorientierte Führung und verantwortungsvolles Management in unterschiedlichen politischen und kulturellen Kontexten. Studierende, Manager:innen und Fakultätsmitglieder reflektierten gemeinsam, unter welchen Bedingungen Unternehmensengagement sinnvoll ist, wie es in globalen Konzernen institutionalisierbar ist und welche Rolle Hochschulen bei der Sensibilisierung von Führungskräften spielen können.
Für die TU Dresden und das IHI Zittau markiert dieser Auftritt einen weiteren Schritt, die Forschung zu Corporate Political Activism und demokratischer Unternehmensverantwortung – insbesondere das deutsch‑israelische CDA‑Projekt mit Daniel Schwake – international sichtbar zu machen und die deutsche Praxis als Fallstudienfeld für globale Debatten zu Purpose Driven Leadership und demokratischer Governance zu positionieren.