27.03.2026
Fliegendes Testlabor für klimafreundliche Luftfahrt: TU Dresden weiht Forschungsflugzeug ein
Das Forschungsflugzeug der TUD.
Das Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) und das Institut für Luft- und Raumfahrttechnik (ILR) der Technischen Universität Dresden (TUD) haben heute, 26. März 2026, ihr neues Forschungsflugzeug am Flugplatz Kamenz in Dienst gestellt und erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das Flugzeug dient als fliegendes Testlabor zur Erforschung fossilfreier Luftfahrtantriebe.
Klimafreundliche Antriebssysteme – anwendungsnahe Leistungsdaten
Im Fokus der Forschung stehen neue klimafreundliche Antriebssysteme, etwa elektrische, wasserstoffbasierte oder hybride Konzepte. Diese können künftig unter realen Flugbedingungen getestet und miteinander verglichen werden. Gleichzeitig lassen sich Energiesysteme, Sensorik und Strukturkomponenten im Zusammenspiel analysieren. Die gewonnenen Betriebs- und Leistungsdaten werden helfen, Technologien aus dem Labor für die praktische Anwendung weiterzuentwickeln.
Prof. Maik Gude (links) und Prof. Johannes Markmiller vor dem Forschungsflugzeug.
„Mit dem Forschungsflugzeug schließen wir die entscheidende Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung. Denn bei der nachhaltigen Luftfahrt geht es nicht nur um das Triebwerk, sondern um die ganzheitliche Integration von Antriebssystemen in das Flugzeug. Wir erhalten nun die einmalige Gelegenheit zu zeigen, wie sich etwa leichte Tanksysteme und komplexe Strukturkomponenten unter den dynamischen Belastungen des realen Flugbetriebs bewähren“, sagt Prof. Maik Gude, ILK-Institutsdirektor und Inhaber der Professur für Systemleichtbau und Mischbauweisen an der TUD.
Prof. Johannes Markmiller, Inhaber der Professur für Luftfahrzeugtechnik an der TUD, unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Die Faszination des Fliegens hat mich als Pilot und Ingenieur mein gesamtes Berufsleben lang begleitet. Mit dem Projekt ‚FoFlu‘ führen wir diese Erfahrung nun in eine neue Ära. Es erfüllt mich mit großer Freude, dass wir hier in Sachsen unter realen Flugbedingungen nun die technologischen Grenzen verschieben können. Das neue Forschungsflugzeug ist für uns weit mehr als eine Testplattform. Es ist der entscheidende Schlüssel, um das enorme Potenzial fossilfreier Antriebe zu erschließen und die Vision einer klimaneutralen Luftfahrt Realität werden zu lassen.“
Der sächsische Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow sagte anlässlich der Vorstellung des Forschungsflugzeugs: „Die Maschine ist für den Forschungsstandort Lausitz ein weiterer wichtiger Baustein für einen gelingenden Strukturwandel. Das Projekt wird überwiegend aus europäischen Mitteln aus dem sogenannten Just Transition Fonds finanziert, mit dem gezielt zukunftsweisende Konzepte gefördert werden. Hier geht es um nicht weniger als die Zukunft der Luftfahrt. Die Forschung an neuen Antriebs- und Leichtbautechnologien ist für die Luftfahrtindustrie enorm wichtig.“
Praxistest für neuartige Messsysteme und Antriebskomponenten
Die Testplattform basiert auf einer Diamond Aircraft DA62 MPP, einem zweimotorigen Spezialflugzeug für Forschungs- und Vermessungsmissionen. Dieses Flugzeug zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Effizienz und Modularität aus. Dank seiner sparsamen Jet-A1-Kolbentriebwerke erreicht es eine Flugdauer von bis zu zehn Stunden bei gleichzeitig minimalen Betriebs- und Wartungskosten. Seine besondere Stärke liegt in der flexiblen Konfiguration. In modular austauschbaren Gehäusen (Pods) an der Flugzeugnase, im Rumpf und unter den Flügeln lassen sich unterschiedlichste Hightech-Sensoren und Kamerasysteme integrieren.
Luftfahrt-Forschungsregion Ostdeutschland vorantreiben
Der Standort Kamenz in der Lausitz entwickelt sich dabei zu einem Knotenpunkt einer wachsenden Luftfahrtregion in Ostdeutschland. Das Forschungsflugzeug ist fester Bestandteil der neu gegründeten Wissenschafts- und Wirtschaftsplattform OST4Aviation, die den Aufbau einer leistungsfähigen Luftfahrtforschungsregion in Ostdeutschland vorantreibt, um Kompetenzen aus Wissenschaft und Industrie enger zu verzahnen. Künftig wird am Standort Kamenz eine eigene Tankstelle für nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) und Wasserstoff zur Verfügung stehen. Damit wird die notwendige logistische Basis geschaffen, um fossilfreie Antriebstechnologien direkt vor Ort unter Realbedingungen zu erproben und wegweisende Innovationsimpulse für eine klimaneutrale Luftfahrt zu setzen.
Über das Projekt FoFlu
Das Forschungsflugzeug, Typ: Diamond Aircraft DA62 MPP.
Das Forschungsflugzeug wird im Rahmen des EU-geförderten Projekts FoFlu (Modulares Forschungsflugzeug als Experimentalplattform zur Erforschung zukünftiger fossilfreier Antriebssysteme im realen Flugbetrieb) betrieben. Die Kosten des Flugzeuges belaufen sich auf rund 3 Mio. EUR. Weitere Investitionen in Wasserstoff-Flugmotoren, Infrastruktur und Sensorik erfolgen bis zum Ende des Projektzeitraumes. Das Vorhaben wird aus Mitteln der Europäischen Union und des Freistaates Sachsen im Programm JTF InfraProNet mit einem Gesamtfördervolumen in Höhe von 4,6 Mio. EUR im Förderzeitraum 08/24 bis 06/27 gefördert.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Sebastian Spitzer
Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik
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Kontakt für Medien:
TU Dresden
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Tel.: +49 351 463-32398
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