09.05.2026
Nachruf für Prof. Dr.-Ing. habil. Achim Dittmann
Prof. Dr.-Ing. habil. Achim Dittmann
Nachruf für Prof. Dr.-Ing. habil. Achim Dittmann
07. April 1941 – 01. Mai 2026
In der frühen Nacht des 01. Mai, der ersten wirklich milden Frühlingsnacht des Jahres 2026, ist Prof. Achim Dittmann - ein glühender Thermodynamiker, Schöngeist und Weltreisender, ja Kosmopolit - für immer eingeschlafen.
Aufgewachsen in Leipzig, zog ihn die Leidenschaft zur Luft- und Raumfahrttechnik nach Dresden. Weil aber 1961 die Ausbildung auf diesem Gebiet eingestellt wurde, führte ihn der Weg – welch ein Glück aus heutiger Sicht – zum Studium der Wärmetechnik. Bei seinem ausgeprägten Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen, war es folgerichtig, dass sich ab 1967 eine intensive Forschungsphase am Institut für Thermodynamik und Energiewirtschaft der Technischen Universität Dresden unmittelbar anschloss. Nach erfolgreicher Promotion im Jahr 1973 und wichtigen Lehrerfahrungen führte der berufliche Weg Achim Dittmann 1976 eigentlich nur wenige 100 Meter weiter auf die Zeunerstraße. Die neuen Aufgaben als Gruppen- und Abteilungsleiter des Instituts für Energieversorgung erwiesen sich als anspruchsvoll, galt es doch in kürzester Zeit effiziente, ressourcenschonende Hochtemperatur-Wärmepumpen mit Lösungsmittel-Zwischenkreis auf Basis von Ammoniak-Wasser-Gemisch zu entwickeln und im Praxistest zu erproben. Dies gelang, ebenso wie die Habilitation im Jahr 1982, überaus erfolgreich. In der Phase bis zu seiner Berufung als ordentlicher Professor für Technische Thermodynamik im Jahr 1983 traf ich Achim Dittmann zum Thermodynamikkolloquium in Altenberg erstmals persönlich. Welch ein thematischer Spannungsbogen! Prof. Elsners Vortrag über negative absolute Temperaturen einerseits und Prof. Dittmanns Ausführungen zur neuesten Wärmepumpengeneration andererseits.
Ein ebensolcher Spannungsbogen zwischen tiefgründiger Erforschung von thermischen und energetischen Zustandsgrößen wichtiger Fluide im Ein- und Zweiphasengebiet sowie deren Anwendung zur Steigerung des Gütegrades energiewirtschaftlicher Prozesse einerseits und andererseits einer für Studierende und Promovierende anschaulichen, aber fordernden und fördernden Lehre hat seine intensive Zeit als ordentlicher Professor für Technische Thermodynamik bis 2006 begleitet. Dabei war er stets den Menschen und der Sache verbunden und hat sich nicht verbiegen lassen. In all den Jahren hat sich Prof. Dittmann stets mit großem persönlichem Engagement für die Belange von Studierenden, Promovierenden oder Kolleginnen und Kollegen eingesetzt. Durch das Einwerben interessanter Projekte und das Verfassen unzähliger Promotions- und Berufungsgutachten hat er die wissenschaftliche Karriere seiner Schützlinge in die richtigen Bahnen gelenkt, auch den Berufseinstieg durch sein weit verzweigtes Netzwerk an Kontakten befördert und dabei dem menschlichen Aspekt immer ein besonderes Gewicht beigemessen. Sie werden Achim Dittmann als exzellenten fachlichen Mentor und guten Freund schmerzlich vermissen.
Da es auch schon in den frühen 2000er Jahren kaum gelang, wichtige Kernprofessuren an der TU Dresden nahtlos neu zu besetzen, hat Prof. Dittmann auch die Professur für Energiesystemtechnik und Wärmewirtschaft seines Weggefährten Joachim Zschernig bis Anfang 2009 kommissarisch geleitet. Achim Dittmann und Joachim Zschernig verfolgten seit 1993 kontinuierlich die Idee des Zentrums für Energietechnik – eines für die ingenieurtechnische Ausbildung und Forschung so wichtigen Verbindungselementes zwischen Theorie und Praxis sowie traditionellen fossilen und regenerativen Energien, das 2011 seinen Betrieb aufnehmen konnte.
Tradition neu definieren bedeutete für ihn auch im Unruhestand nicht nur das Voranbringen der Kraft-Wärme-Kopplung als „Zugpferd“ der Energieversorgung – wie er sie immer nannte. Auch vielen anderen energietechnischen Fragestellungen blieb er weiter verbunden. Die Fernwärmebranche schätzte seinen Rat im Detail und seinen kritischen Blick auf so manche neue Entwicklung. Seine kurzen, aber inhaltlich fokussierten Auftritte zu den Dresdner Fernwärmekolloquien werden wir vermissen. Gemeinsam mit seinem Freund und Forschungspartner Dr. Claudius Nestke lotete er beispielsweise temporäre Betriebszustände von Fernwärmenetzen im Zweiphasengebiet auf deren Zulässigkeit aus. Wer das letzte Lebensjahr von Prof. Achim Dittmann begleiten durfte, hat mit Staunen und Respekt beobachten können, wie er gerade aus dem Verfassen der Veröffentlichung zur kritischen Massestromdichte in Gedenken an Claudius Nestke Kraft schöpfte und ihm die gemeinsamen Diskussionen zur Thematik sichtlich Stärke gaben.
Am 07. April 2026 konnte ich zu seinem 85. Geburtstag neben einem lebensbejahenden Achim Dittmann sitzen und mit ihm auf das neue Lebensjahr anstoßen. Mit diesen oder ähnlichen Bildern schließt sich für uns Wegbegleiter aus Nah und Fern gedanklich der Bogen des gemeinsamen Gehens spannender Lebensabschnitte, verbunden mit Dankbarkeit für das Erlernte, die herausfordernden Diskussionen und in freudiger Erinnerung an schöne Stunden. Als herausragender Wissenschaftler und Lehrer folgt er im Urnenhain Tolkewitz solch bedeutenden Thermodynamikern wie Richard Mollier, Leopold Carl Friedrich Merkel und Hans Faltin.
In tiefer Verbundenheit und mit großem Dank Karin Rühling auch im Namen von Jens Meinert, Clemens Felsmann, Christiane Thomas, Thomas Sander und vielen Angehörigen des Instituts für Energietechnik
Die Trauerfeier wird am Mittwoch, den 03.06.2026 um 12 Uhr in der Feierhalle des Urnenhains Tolkewitz stattfinden.