13.10.2026
Nachruf auf Professor Werner A. Hufenbach
Professor Dr.-Ing. habil. Prof. E.h. Dr. h.c. Werner A. Hufenbach.
Am 04.10.2026 verstarb der Gründer und langjährige Direktor des Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der Technischen Universität Dresden, Herr Prof. Dr.-Ing. habil. Prof. E.h. Dr. h.c. Werner A. Hufenbach.
Professor Hufenbach wurde 1942 in Essen geboren, wuchs in Northeim auf und studierte anschließend Verformungskunde an der TU Clausthal. Er promovierte 1973 am Institut für Technische Mechanik der TU Clausthal, wurde dort Oberingenieur, Leiter der Abteilung für Angewandte Mechanik und Werkstoffmechanik und schließlich nach der Habilitation apl. Professor. Im Jahre 1993 wurde er an die TU Dresden auf die Professur für Leichtbau und Kunststofftechnik berufen und gründete dort 1994 das gleichnamige Institut. Innerhalb kurzer Zeit baute er das Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) zu einer wissenschaftlichen Institution höchster Reputation auf, die bis heute national wie international ausstrahlt.
Zu den wissenschaftlichen Meriten von Prof. Hufenbach gehören unter anderem die Einwerbung und Leitung der DFG-Forschergruppe FOR 278 „Textile Verstärkungen für Hochleistungsrotoren in komplexen Anwendungen“, des DFG-Schwerpunktprogramms SPP 1123 „Textile Verbundbauweisen und Fertigungstechnologien für Leichtbaustrukturen des Maschinen- und Fahrzeugbaus“ und des DFG-Sonderforschungsbereiches SFB 639 „Textilverstärkte Verbundkomponenten für funktionsintegrierende Mischbauweisen bei komplexen Leichtbauanwendungen“, mit denen er systematisch das Forschungsgebiet der textilverstärkten Leichtbaustrukturen an der TU Dresden auf- und ausgebaut hat. Auch der DFG-Sonderforschungsbereich/Transregio TR 39 „Großserienfähige Produktionstechnologien für leichtmetall- und faserverbundbasierte Komponenten mit integrierten Piezosensoren und -aktoren (PT-PIESA)“, das sächsische Exzellenzcluster „European Centre for Emerging Materials and Processes Dresden” (ECEMP) sowie der Bau des Leichtbau-Innovationszentrums (LIZ) und des Press- und Extrusionszentrums (PEZ) gehen auf seine Initiative und seinen Einsatz zurück.
Er entwickelte das Dresdner Modell „Funktionsintegrativer Systemleichtbau in Multi-Material-Design“ und begründete die Studienrichtung Leichtbau im Rahmen des Studiengangs Maschinenbau. Ein besonderes Anliegen war ihm die Kooperation mit in- und ausländischen Partnern sowie der Technologietransfer. So etablierte er unter anderem das Dresdner Leichtbausymposium als jährliche internationale Fachtagung und branchenübergreifende Austauschplattform, übernahm eine Professur E.h. und Lehrtätigkeit am Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg (CDHK) der Tongji-Universität, Shanghai, und initiierte das Rolls-Royce University Technology Centre (UTC) „Lightweight Structures and Materials“ sowie zahlreiche Ausgründungen. Die bekanntesten darunter sind die Leichtbau-Zentrum Sachsen GmbH und die CG Rail – Chinesisch-Deutsches Forschungs- und Entwicklungszentrum für Bahn- und Verkehrstechnik Dresden GmbH.
Unter der Leitung von Prof. Hufenbach schlossen 43 Doktoranden und Doktorandinnen ihre Promotion und 2 PostDocs ihre Habilitation erfolgreich ab. Insgesamt veröffentlichte er 712 Publikationen und 180 Patente. Auch nach Erreichen des Pensionsalters engagierte er sich noch als Seniorprofessor am Institut, war weiterhin Mitglied im Institutsvorstand und geschätzter Diskussionspartner.
Für seine Verdienste wurde er in die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) aufgenommen und erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen wie den Sächsischen Verdienstorden oder den „International Scientific and Technological Cooperation Award“ der Volksrepublik China.
Mit Professor Werner Hufenbach verlieren wir eine Persönlichkeit, die visionär neue Forschungsgebiete erschloss und mit Ausdauer vorantrieb. Dabei kam ihm seine Fähigkeit zugute, Partner aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen und für die gemeinsame Sache zu begeistern. Seinen Mitarbeitenden war er nicht nur Vorgesetzter, sondern in seiner engagierten und inspirierenden Art auch wichtiger Vordenker, Mentor und Wegbegleiter. In seiner fördernden und stets positiv fordernden Art hat er das ILK über viele Jahre geprägt. Dabei hatte er stets ein offenes Ohr für die Belange aller Mitarbeitenden und Studierenden. Der von ihm grundgelegte besondere Geist wirkt noch heute in unser tägliches Tun und Miteinander hinein. So ist und bleibt er uns Vorbild und zugleich Ansporn, das ILK in seinem Sinne weiterzuführen.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.
Für die Institutsleitung
und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik
Prof.-Dr.-Ing. habil. Dipl.-Math. Maik Gude
Prof. Dr.-Ing. Niels Modler