02.10.2026
KERAFIB: Vom Reststoff zur nachhaltigen Textilfaser- Verbundpartner diskutieren erste Ergebnisse zur Entwicklung neuartiger Keratinfasern aus Wolle und Hühnerfedern
Treffen der Projektpartner am ITM
Am 1. Oktober 2026 trafen sich die Partner des industriellen Verbundprojekts KERAFIB am Institut für Hochleistungsfasersystemtechnik: Medizin, Energie, Mobilität, Infrastruktur (ITM, ehemals Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerksofftechnik) der TU Dresden, um erste Ergebnisse vorzustellen, aktuelle Forschungsarbeiten zu diskutieren und die nächsten gemeinsamen Schritte abzustimmen.
Im Mittelpunkt des Projekts steht eine besonders vielversprechende Rohstoffquelle: Mischwolle und Hühnerfedern. Beide enthalten große Mengen des natürlichen Strukturproteins Keratin, werden jedoch bislang nur eingeschränkt für hochwertige textile Anwendungen genutzt. KERAFIB verfolgt daher das Ziel, Keratin aus diesen Rest- und Nebenströmen zu gewinnen und daraus neuartige, textilverarbeitbare Fasern herzustellen.
Von Wolle und Federn zum funktionalen Textil
Hierfür entwickeln die Projektpartner des industriellen Verbundforschungsvorhabens eine durchgängige und industriell skalierbare Technologiekette. Sie reicht von der elektronenstrahlgestützten Aufbereitung der Rohstoffe über die enzymatische und hydrolytische Keratingewinnung und die Herstellung spinnfähiger Keratinlösungen bis zum Nassspinnen von Endlosfasern.
Darüber hinaus sollen gezielt funktionale Fasereigenschaften erzeugt werden. Kräuselung, Hohlraumstrukturen und elektronenstrahlgestützte Oberflächenmodifizierung ermöglichen gezielt einstellbare Oberflächenbenetzbarkeit und Feuchtigkeitsregulierung. Die Keratinfasern werden anschließend zu Stapelfasern und Garnen weiterverarbeitet und bilden die Grundlage für die Herstellung textiler Demonstratoren.
Damit verfolgt KERAFIB die gesamte Wertschöpfungskette – vom bislang wenig genutzten Reststoff bis zum funktionalen Faserwerkstoff – und schafft neue Perspektiven für eine biobasierte Kreislaufwirtschaft sowie zukünftige Anwendungen in der Textilindustrie, im Gesundheitsbereich und in der Medizintechnik.
Gemeinsam entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Im Projekt arbeiten SELCO Wirkstoffe Vertriebs GmbH (SELCO), das Institut für Hochleistungsfasersystemtechnik: Medizin, Energie, Mobilität, Infrastruktur (ITM) der TU Dresden, Fourné Maschinenbau GmbH, Wagenfelder Spinnereien GmbH (WFS), das Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP sowie CREAVAC GmbH zusammen. Die Partner bringen ihre Kompetenzen von der Rohstoffaufbereitung und Keratingewinnung über die Faser- und Verfahrensentwicklung bis zur Funktionalisierung und textilen Verarbeitung ein.
Das Treffen am ITM bot erstmals die Gelegenheit, die bisherigen Ergebnisse der einzelnen Partner gemeinsam zu betrachten und die weiteren Arbeiten entlang der gesamten Prozesskette aufeinander abzustimmen.
Das Verbundprojekt KERAFIB startete am 1. Januar 2026 und läuft über drei Jahre. Es wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Bekanntmachung „Zukunftstechnologien für die industrielle Bioökonomie“ gefördert und adressiert die Themenbereiche „Nachhaltige Bioprozesse für die Industrie“ und „Neuartige bioökonomische Produkte“.
Projektträger ist der Projektträger Jülich (PtJ), Geschäftsbereich Bioökonomie, Forschungszentrum Jülich GmbH.