11.05.2026
Schülerinnen-Team GRACE erreicht dritten Platz beim Deutschen CanSat‑Wettbewerb
Team GRACE glücklich nach der Preisverleihung: Friederike, Wiebke, Anna und Marie (v.l.n.r.)
Das Dresdner Schülerinnen‑Team GRACE vom DLR_School_Lab TU Dresden hat beim Deutschen CanSat‑Wettbewerb den 3. Platz erreicht. Ausgezeichnet wurde damit die starke Gesamtleistung des Teams seit Herbst 2025 – von Konstruktion und nachhaltigem Design des CanSat über Finanzierung und Kommunikation des Projektes bis hin zur wissenschaftlichen Auswertung und Präsentation der erfolgreich absolvierten Mission in Bremen. Friederike, Wiebke, Marie und Anna waren sichtlich überrascht und freuten sich riesig über die Auszeichnung.
Der CanSat‑Wettbewerb fordert die zehn teilnehmenden Teams heraus, einen Dosensatelliten zu entwickeln, der während eines Raketenflugs auf etwa 700 Meter und dem anschließenden Flug zurück zur Erde Temperatur und Luftdruck misst und zusätzlich eine frei wählbare Sekundärmission erfüllt.
Vom Filz zum Flug: Wie GRACE den CanSat nachhaltig neu erfindet
GRACE entschied sich dabei für eine Sekundärmission mit klarem Fokus auf Nachhaltigkeit und einem innovativen, überwiegend textilbasierten Design. Grundlage dafür war ein eigener Nachhaltigkeitskatalog, mit dem das Team alle Materialien systematisch nach Kriterien wie Wiederverwendbarkeit, regionaler Verfügbarkeit und Langlebigkeit bewertete. Mikrocontroller, Sensoren und Kameras wurden nicht auf einer Platine montiert, sondern auf Polyesterfilz vernäht. Gestickte Leiterbahnen, gefertigt am Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik (ITM), sorgten für besondere Robustheit gegenüber Vibrationen und Zugbelastungen. Auch die Hülle aus Baumwoll‑Zeltstoff, Polyestergurten zur Verstärkung und einem Reißverschluss für einen leichten Zugang zur Elektronik sowie der Fallschirm aus Ballonseide mit integrierten Sensoren folgten dem Nachhaltigkeitsansatz.
Kühler Kopf, heißer Lötkolben: Letzte Reparaturen vor dem Start
Kurz vor dem Start: Eine defekte Lötstelle konnte schnell gefunden und repariert werden.
Die Startwoche in der „City of Space“ Bremen (9.–13. 3. 2026) wurde zum Höhepunkt des Projekts. Die Eröffnungsveranstaltung fand am Montag am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) statt. Am Dienstag präsentierte GRACE im Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Jury seine Mission und wissenschaftlichen Zielsetzungen und bestand anschließend die technische Abnahme des CanSat ohne Beanstandungen. Am Mittwoch folgte der Raketenstart vom Flugplatz in Rotenburg (Wümme). Kurz vor dem Start ließ sich der CanSat zunächst nicht hochfahren, doch dank des optimalen Designs konnte das Team innerhalb weniger Minuten eine defekte Lötstelle identifizieren und reparieren. Der Flug verlief dann perfekt, der Satellit sammelte zuverlässig Daten und überstand die Belastungen unbeschadet.
Die CanSats werden in die Rakete gepackt.
Am Abend wertete GRACE die Daten aus und bereitete die Abschlusspräsentation vor. Am Donnerstag besichtigte das Team die OHB System AG, wo unter anderem die Galileo‑Satelliten entwickelt und gebaut werden, und überzeugte dort anschließend die Jury bei der Ergebnispräsentation mit Fachwissen und Klarheit. Am Freitag stand eine Besichtigung der ArianeGroup auf dem Programm, bei der die Schülerinnen den Bau der Oberstufe der Ariane 6‑Trägerrakete aus nächster Nähe erleben konnten. Den Abschluss der Woche bildete die Siegerehrung im Forschungs‑ und Technologiezentrum ECOMAT Bremen, bei der GRACE mit dem 3. Platz ausgezeichnet wurde. Den 1. Platz belegte das Team Phoenix aus Mayen (Rheinland‑Pfalz), dessen CanSat mithilfe einer Kamera Bodenbilder aufnahm und daraus KI‑gestützt die Waldbrandgefahr analysierte. Platz 2 ging an die Zetrons aus Geisenheim (Hessen), die erforschten, wie sich die beim Raketenstart freigesetzte Energie mithilfe eines Generators im CanSat für dessen interne Stromversorgung nutzen lässt.
Vom DLR_School_Lab zur ArianeGroup: Ein halbes Jahr, das mehr war als ein Projekt
Der CanSat direkt nach der Landung, intakt und mit vielen gesammelten Daten.
Für Friederike, Wiebke, Marie und Anna war die Teilnahme am Wettbewerb eine besondere Erfahrung. Gemeinsam mit ihren Betreuenden Svenja (Dipl.-Ingenieurin Raumfahrttechnik) und Arthur (FSJler im DLR_School_Lab) konnten sie Raumfahrt nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern selbst aktiv erleben: ihren eigenen Satelliten durch eine echte Startkampagne begleiten, hinter die Kulissen großer Raumfahrtunternehmen schauen und sich mit anderen Teams und Fachleuten austauschen. Diese Eindrücke und Begegnungen werden ihnen noch lange in Erinnerung bleiben.
Unterstützt wurde Team GRACE von der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden mit einem Reisekostenzuschuss, vom ITM der TU Dresden, CrossMediaTour e. V. sowie zahlreichen Spender:innen der Crowdfunding‑Kampagne auf 99funken.de, die das Fundingziel erreichte. Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen.
Team GRACE bei Instagram:
@grace.cansat
Informationen zum Wettbewerb:
Kontakt:
Dr. Janina Hahn
DLR_School_Lab TU Dresden
Tel.: +49 351 4887207
E-Mail: