SFB/TRR 237 "Nukleinsäure-Immunität"
TRR „Nukleinsäure-Immunität“ (TU Dresden, Sprecherin: Professorin Dr. Min Ae Lee-Kirsch; ebenfalls antragstellend: Universität Bonn, LMU München)
Nukleinsäure-Immunität beschreibt einen grundlegenden Mechanismus der angeborenen Immunabwehr, der Nukleinsäuren als Signale von Infektionen, zellulärem Stress oder Gewebeschädigung erkennt und darauf reagiert. Sie spiegelt ein zentrales biologisches Prinzip wider: Nukleinsäuren sind einerseits essentielle Moleküle des Lebens, andererseits hochwirksame immunogene Signale. Diese inhärente Dualität macht die Nukleinsäure-Immunität zu einer Kernfunktion des angeborenen Immunsystems, das fremde Nukleinsäuren effizient erkennen und zugleich pathologisch veränderte, körpereigene Nukleinsäuren streng kontrollieren muss, um Wirtsschutz und immunologische Homöostase zu gewährleisten.
In den ersten beiden Förderperioden hat sich der Verbund durch einen integrativen Forschungsansatz als international führendes Zentrum etabliert. Die Expertise eines interdisziplinären Teams ermöglichte die Identifizierung spezifischer Nukleinsäure-Merkmale, die von angeborenen Sensoren und Restriktionsfaktoren erkannt werden, sowie die Aufklärung der Rolle Nukleinsäure-metabolisierender Systeme bei der Selbst/Nicht-Selbst-Unterscheidung. Zudem wurden Nukleinsäure-vermittelte Signalwege auf molekularer, subzellulärer und organismischer Ebene analysiert. Untersuchungen in Mausmodellen und bei Patienten lieferten grundlegende Einblicke in fehlregulierte Nukleinsäure-Immunantworten und die molekulare Pathogenese neuer monogener Erkrankungen. Diese Erkenntnisse haben zur klinischen Translation beigetragen: Die Inhibition von Janus-Kinasen oder des IFN-α-Rezeptors hat sich bei Typ-I-IFN-vermittelten Entzündungen als wirksam erwiesen, und die IFN-Signatur im Blut ist als Biomarker in klinischen Leitlinien für Interferonopathien etabliert. Zudem bildeten unsere Arbeiten die Grundlage mehrerer klinischer Studien.
Aufbauend auf diesem Fundament zielt die dritte Förderperiode darauf ab, das Forschungsprogramm auf systemische Zusammenhänge auszuweiten und die Nukleinsäure-Immunität als grundlegendes biologisches Prinzip an der Schnittstelle von Infektion, steriler Entzündung, Autoimmunität und Krebs weiter zu verankern. Untersucht wird, wie sie in den zellulären Stoffwechsel, das angeborene immunologische Gedächtnis und Zellschicksalsentscheidungen eingebunden ist und wie diese Prozesse reguliert werden. Ziel ist es, aufzuklären, wie Fehlregulationen der Nukleinsäure-Immunität zu chronischer Entzündung, Organpathologie und dem Verlust der Immunhomöostase führen. In enger Verzahnung mit der klinischen Forschung sollen Erkenntnisse aus seltenen monogenen Immunstörungen auf häufigere entzündliche Erkrankungen übertragen und in neue therapeutische Konzepte überführt werden. Langfristig soll die Nukleinsäure-Immunität als Paradigma dienen, um die Integration molekularer Gefahrenerkennung in die menschliche Physiologie zu verstehen und jene Faktoren zu identifizieren, die schützende von krankheitsauslösenden Immunantworten unterscheiden und so präzisionsimmunologische Ansätze ermöglichen.
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