04.11.2026
Augsburg - BMT 2026: Gesundheitsdaten, KI und Interoperabilität im Fokus
Drei Tage mit wissenschaftlichen Vorträgen, Postersessions und Diskussionen über die Zukunft der Biomedizintechnik: Vom 6. bis 8. Oktober 2026 fand in Augsburg die 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE statt.
Unsere Forschungsbereichsleiterin Interoperabilität, Dr. Eveline Prochaska, beteiligte sich mit zwei wissenschaftlichen Beiträgen und gestaltete das Programm als Session Chair und Moderatorin einer Postersession mit. Die Konferenz brachte Perspektiven aus Wissenschaft, Medizin und Industrie zusammen – von Sensorik und Neurotechnologien über digitale Gesundheit bis zu KI und regulatorischen Fragen.
In der Focus Session „AI-Driven Digital Health Solutions: from sensor to systems“ präsentierte Frau Dr. Prochaska den Beitrag „From Sensor Data to Clinical Decision Support: Translating Digital Biomarkers into Interoperable Health Data Infrastructures“. Am Beispiel sensorbasierter Ganganalyse erläuterte sie, wie digitale Biomarker standardisiert beschrieben und in Gesundheitsdateninfrastrukturen eingebunden werden können. Im Mittelpunkt stand ein konzeptioneller Ansatz, um Messwerte über Systemgrenzen hinweg verständlich und für die klinische Entscheidungsunterstützung nutzbar zu machen.
Der zweite Vortrag, „Towards Gender-Sensitive Health Data Infrastructures: Interoperability Challenges and Design Implications for Biomedical Engineering“, war Teil der Focus Session „Gender-Sensitive and Inclusive Biomedical Engineering“. Er behandelte die Frage, wie geschlechtsbezogene Informationen in Gesundheitsdaten erfasst und beim Austausch zwischen Systemen erhalten werden können. Eine unzureichende Abbildung dieser Informationen kann die Entwicklung und Übertragbarkeit medizinischer KI-Modelle beeinträchtigen. Der Beitrag verband damit Fragen der Interoperabilität mit Anforderungen an eine gendersensible Gestaltung digitaler Gesundheitsversorgung.
Gemeinsam mit Mario Cypko übernahm sie eine Session-Chair-Funktion im Track „Digital Health, Multimodal Data Analysis and Methods of AI“. Darüber hinaus moderierte sie die Poster Pitches zu den Themenbereichen „Control, Assistive Technologies and Robotics“, „Digital Health, Multimodal Data Analysis and Methods of AI“ sowie „Teaching, Training and Further Education“.
Weitere Impulse lieferten die Keynotes der Konferenz: Daniel McDuff (Google) stellte in „Scaling Health Foundation Models and Agentic AI“ die Entwicklung skalierbarer KI-Modelle für Gesundheits- und Sensordaten vor. Die von ihm skizzierte Perspektive persönlicher Gesundheitsagenten zeigte, wie Wearables und KI künftig eine individuellere Unterstützung bei gesundheitsbezogenen Entscheidungen ermöglichen könnten. Prof. Dr. Christian Johner beleuchtete unter dem Titel „Medizinprodukte – raus aus dem regulatorischen Würgegriff“ die Herausforderungen regulatorischer Anforderungen. Dabei betonte er, wie wichtig es ist, diese bereits frühzeitig in Forschung und Entwicklung zu berücksichtigen, und thematisierte den Einsatz von KI in regulatorischen Prozessen.
Die Beiträge aus Dresden griffen damit zentrale Fragen der Tagung auf: Wie werden aus technischen Möglichkeiten klinisch nutzbare Anwendungen – und welche Anforderungen müssen Gesundheitsdaten erfüllen, damit diese Anwendungen verlässlich und für unterschiedliche Patientengruppen geeignet sind?