03.03.2026
Internationale Vernetzung im Bereich KI und digitale Gesundheitsinfrastrukturen
Besuch des AI Impact Summit India und des IGSTC Conclave on Mobile Health and Telemedicine in Neu-Delhi
Im Februar 2026 nahm unsere Leiterin des Forschungsbereichs Interoperabilität, Dr. Eveline Prochaska, für das Zentrum für Medizinische Informatik an zwei hochrangigen internationalen Veranstaltungen in Neu-Delhi teil: dem AI Impact Summit India 2026 sowie dem IGSTC Conclave on Mobile Health and Telemedicine.
Beide Veranstaltungen verdeutlichten eindrucksvoll die Dynamik, mit der Indien derzeit den Ausbau seiner digitalen und KI-gestützten Gesundheitsinfrastruktur vorantreibt:
AI Impact Summit India 2026 – KI als strategisches Zukunftsfeld
India AI Impact Summit 2026
India AI Impact Summit 2026
Der AI Impact Summit 2026 zählte zu den größten KI-Veranstaltungen des Landes. Mehrere Tausend Teilnehmende aus Politik, Industrie, Forschung und Start-ups diskutierten aktuelle Entwicklungen rund um:
- regulatorische Pfade für KI-basierte Medizinprodukte
- nationale KI-Strategien
- skalierbare Implementierung von KI in Versorgungssystemen
- digitale Souveränität und Datenökosysteme
Besonders stark vertreten waren regulatorische Institutionen, internationale Technologieunternehmen sowie aufstrebende Health-Tech-Unternehmen. In verschiedenen Sessions wurde deutlich: Die Translation von KI in die Versorgung ist weniger ein rein technisches Problem – vielmehr handelt es sich um eine Infrastruktur-, Governance- und Implementierungsfrage.
IGSTC (Indo-German Science and Technology Center) Conclave on Mobile Health and Telemedicine
Conclave on Mobile Health and Telemedicine
Conclave on Mobile Health and Telemedicine
Beim IGSTC Conclave on Mobile Health and Telemedicine, organisiert durch das Indo-German Science & Technology Centre (IGSTC), stand die indisch-deutsche Forschungszusammenarbeit im Mittelpunkt.
Hier hatte das Zentrum für Medizinische Informatik die Gelegenheit, seine Arbeiten vorzustellen. Präsentiert wurde:
- die Einbettung des Zentrums in die nationale Gesundheitsdateninfrastruktur Deutschlands (u. a. Medizininformatik-Initiative und NUM),
- regionale Integrationsansätze zur Vernetzung klinischer Daten,
- sowie konkrete Anwendungsfälle aus den drei Forschungsbereichen
- Data Science & KI
- Interoperabilität
- Usability & Technologieakzeptanz
Dabei wurde deutlich gemacht, dass erfolgreiche Translation in die Versorgung nur gelingt, wenn:
- interoperable Datenstrukturen vorhanden sind,
- KI-Methoden auf validierten, strukturierten Daten aufsetzen und
- Anwendungen nutzerzentriert in klinische Workflows integriert werden.
Die vorgestellten Use Cases zeigten exemplarisch, dass kein Forschungsbereich isoliert wirkt – vielmehr bedingen sich Dateninfrastruktur, algorithmische Entwicklung und Usability + Akzeptanzforschung gegenseitig
Nationale Gesundheitsdateninfrastruktur in Indien
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Vorstellung der indischen nationalen digitalen Gesundheitsarchitektur. Indien baut mit der Ayushman Bharat Digital Mission (ABDM) eine umfassende Gesundheitsdateninfrastruktur auf, die:
- eine digitale Gesundheits-ID für Bürgerinnen und Bürger vorsieht,
- interoperable Datenflüsse zwischen Versorgungseinrichtungen ermöglichen soll und
- telemedizinische Versorgungsmodelle insbesondere im ländlichen Raum unterstützt.
Die Diskussionen zeigten jedoch auch deutliche Herausforderungen:
- heterogene Versorgungsstrukturen
- große geografische Distanzen
- unterschiedliche technische Reifegrad
- Fragen der Datensicherheit und Governance
- Implementierungsbarrieren im telemedizinischen Alltag
Zahlreiche Forschungsprojekte widmen sich daher der Frage, wie mobile Health-Ansätze, KI-gestützte Diagnostik und telemedizinische Versorgung in einem Land mit über einer Milliarde Einwohnern nachhaltig implementiert werden können.
Einordnung und Ausblick
Die Reise unterstreicht die Bedeutung internationaler Kooperation im Bereich digitaler Gesundheitsinfrastrukturen. Während Deutschland mit strukturierten Initiativen zur Harmonisierung klinischer Forschungsdaten arbeitet, verfolgt Indien einen stark skalierungsorientierten Ansatz mit nationaler digitaler Identitäts- und Infrastrukturstrategie.
Der Austausch verdeutlichte:
Die großen Herausforderungen – Datenintegration, Governance, regulatorische Pfade und klinische Implementierung von KI – sind global ähnlich. Lösungsansätze profitieren daher maßgeblich von internationaler Vernetzung.
Das Zentrum für Medizinische Informatik wird diesen Dialog weiterführen und Möglichkeiten für zukünftige Forschungskooperationen im Bereich interoperabler Gesundheitsdaten-Ökosysteme und KI-gestützter Versorgung prüfen.