Untersuchung zur Tumorevolution des Ovarialkarzinoms im Kontext seiner räumlichen und zeitlichen Heterogenität: von theoretischen Grundlagen zur klinischen Translation
Eierstockkrebs ist nach wie vor die häufigste Todesursache bei gynäkologischen Krebserkrankungen. Trotz der jüngsten Fortschritte bei zielgerichteten Therapien erleiden über 70% der Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs einen Rückfall. Ein umfassendes Verständnis der evolutionären Dynamik des Eierstockkrebses, insbesondere im Hinblick auf die räumliche und zeitliche Heterogenität des Tumors, ist unerlässlich für die Entwicklung innovativer patientenspezifischer Therapieansätze, um dauerhafte Remissionen zu ermöglichen.
Um Fortschritte in diese Richtung zu erzielen, wird im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts eine umfassende evolutionäre Analyse einer klinisch gut charakterisierten Kohorte von Eierstockkrebspatientinnen durchgeführt. Dabei sollen Rezidiv-auslösende Tumorklone und deren potenzielle therapeutische Angriffspunkte ermittelt werden, um Grundlagen für die zukünftige Entwicklung neuer Therapieansätze zu legen.
Dazu werden wird mittels Exomanalysen die räumliche Ausbreitung der Eierstockkrebsentwicklung auf genomischer Ebene mittels anatomisch kartierten primären und metastatischen Tumorbiopsien jeder Patientin analysiert. Diese genomischen Daten werden anschließend genutzt, um die klonale Architektur des Tumors jeder Patientin unter Berücksichtigung seiner räumlichen Heterogenität zu rekonstruieren und Mutationsmuster zu identifizieren, die spezifisch für einzelne Klone sind. Diese Mutationsmuster werden dann genutzt, um die zeitliche Dimension der Eierstockkrebsentwicklung von der Erstdiagnose bis zum Rezidiv mittels longitudinaler Blutproben zu untersuchen. Dieses Vorgehen ermöglicht eine retrospektive Analyse der zeitlichen Entwicklung spezifischer Klone und ihres Beitrags zum Rezidivprozess. Ebenso werden zugehörige potenzielle therapeutische Angriffspunkte von Rezidiv-auslösenden Klonen im evolutionären Kontext ermittelt. Dieses innovative Vorgehen kann wichtige Grundlagen für die zukünftige Entwicklung evolutionär maßgeschneiderter Behandlungsstrategien für Eierstockkrebspatientinnen legen.
Beteiligte IMB Wissenschaftler
- PD Dr. Michael Seifert (Co-Koordinator)
- vrs. M.Sc. Chenhao Wu
Projektpartner
- Prof. Dr. Jan Dominik Kuhlmann (Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Labor für Translationale Gynäkologische Onkologie, UKDD, Koordinator)
Finanzierung
- Stiftung Deutsche Krebshilfe, 04/2026 – 03/2029
Weitere Informationen
- Deutsche Krebshilfe fördert translationales Forschungsprojekt zur Evolution des Ovarialkarzinoms: https://nachrichten.idw-online.de/2026/07/03/europaweit-gemeinsam-gegen-hirnmetastasen