19.03.2026
Angewandte Forschung zwischen Akazienbäumen
Dagmar Möbius
Dr. Kendisha Soekardjo Hintz arbeitet seit 2018 am Institut für Tropische und Internationale Forstwirtschaft in Tharandt und hat hier promoviert. Seit 2023 forscht sie im Projekt emPOWER. Warum sie sich dabei manchmal wie eine Langzeitstudentin fühlt und was sie über das spirituelle Verhältnis zu Bäumen gelernt hat.
Akazienwald in Vietnam
Studiert hat Kendisha Soekardjo Hintz Umweltmanagement und Nachhaltigkeit. Ihr akademischer Hintergrund liegt in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Das erklärt, warum sie als Nicht-Forstwirtin die richtige Koordinatorin für das Projekt emPOWER ist. Bei dem bis Juni 2027 laufenden Forschungsprojekt geht es nicht vorrangig um Forst, sondern um die „Stärkung von Waldbauernorganisationen zur Förderung der Landschaftsrestaurierung durch Führung der Holz-Wertschöpfungskette in den Tropen“. In anderen Worten: Um soziale Aspekte der Menschen, die den Wald bewirtschaften.
Angewandte Forschung mit Feldarbeit
Dr. Kendisha Soekardjo Hintz in einem vietnamesischen Nationalpark
Aufgegliedert in fünf wissenschaftliche Arbeitspakete sollen landwirtschaftlichen Betriebe untersucht und Fallstudien durchgeführt werden. „Wir wollen zum Beispiel Forstgenossenschaften und -verbände stärken und fragen, ob und welche direkten und indirekten Vorteile das für die Waldbauern“, erklärt Kendisha Soekardjo Hintz. „Das ist „angewandte Forschung mit Feldarbeit“. Schon in ihrer Promotion hatte sie sich mit der Thematik befasst, war damals unter anderem in Tansania und Äthiopien unterwegs. Das aktuelle Projekt arbeitet mit Akteuren in Vietnam und Tansania zusammen. Die Realität in den Ländern sieht derzeit überwiegend so aus, dass Kleinbauern in Farmen Agrarprodukte pflanzen. „Bäume wie Akazien oder Eukalyptus zu pflanzen ist rentabel geworden und gilt wie eine Art Versicherung“, sagt Dr. Hintz. „Die Bauern hoffen, in sechs bis zehn Jahren ernten zu können und mit dem Erlös Rücklagen für Schulgeld, Aussteuer oder für Krankheit zu bilden.“
Ökologische Fragen und Artenvielfalt
Im Forschungsprojekt arbeiten Doktoranden aus Vietnam und Tansania mit. Sie untersuchen die Wertschöpfungskette von Holz und Schüttholz. In Tansania stehen Kiefern im Mittelpunkt, in Vietnam vor allem Akazien, aus denen Schnittholz und Schüttholz produziert werden. Auch Machtverhältnisse zwischen den Akteuren, Finanzierungsmechanismen und ihre finanzielle Leistungsfähigkeit werden untersucht. Daraus sollen Strategien für Verbesserungen abgeleitet werden. Zudem geht es auch darum, Kompromisse zwischen der biologischen Vielfalt und Widerstandsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe, dem Lebensunterhalt der Landwirte, der finanziellen Leistungsfähigkeit der Organisationen sowie der Holz-Wertschöpfungskette und dem Wertschöpfungsnetzwerk zu finden und künftige Entscheidungen in Politik und Praxis zu erleichtern. Ein aktuelles Publikationsbeispiel mit Zwischenergebnissen aus der Arbeit in Tansania findet sich hier.
Im Sägewerk, Vietnam, mit Prof. Jürgen Pretzsch (2. v. l.)
Administrative Herausforderungen und spirituelle Bräuche
Trotz Personalwechseln in den Ländern liegen die Forschenden im Zeitplan, sagt Kendisha Soekardjo Hintz. Auch plötzlich geänderte Vorschriften wirken sich auf den Zeit- und Budgetplan aus. Administrative Aufgaben und gelegentliche interkulturelle Missverständnisse seien eine Herausforderung. Sie habe Geduld gelernt, schmunzelt die Wissenschaftlerin. „Über das spirituelle Verhältnis von Bäumen steht nichts in Verträgen“, nennt sie ein Beispiel. Im Vorjahr war sie mit Professor Jürgen Pretzsch in Vietnam, lernte lokale Akteure kennen, besuchte Akazienplantage, Sägewerke und auch ein Alumnitreffen. In Kürze wird sie für Interviews wieder dorthin reisen. „Manchmal komme ich mir vor wie eine Langzeitstudentin“, sagt sie, weil sie bei der Datenerhebung eher von Einheimischen lernt. Demnächst sollen institutionelle Rahmenbedingungen analysiert werden. Und es wird verglichen, ob oder wie formelle und informelle Vorschriften mit der Realität kollidieren.
Kontakt:
Dr. Kendisha Soekardjo Hintz
Projektkoordination EmPOWER und Öffentlichkeitsarbeit des Instituts