Jul 20, 2026
Ingenieur für Raumfahrttechnik: Damit Astronauten überleben
Steve Bornhöft and his team ensured that astronauts set off safely on their flight around the moon this spring.
(porträtiert im Jahr 2026)
Dagmar Möbius
In der Heimat von Sigmund Jähn entdeckte Steve Bornhöft seine Faszination für Technik und Fliegen. Heute arbeitet der Raumfahrt-Ingenieur bei Airbus mit daran, dass Menschen zum Mond fliegen und dort überleben können, und unterstützt damit maßgeblich die Artemis-Mondmission der NASA.
Dazu schrieb Stefan Schön, Wissenschaftsredakteur der Sächsischen Zeitung, im Frühjahr 2026: „Die bemannte Nasa‐Mission Artemis 2 ist zum Mond gestartet. Vor fast 54 Jahren waren die letzten Menschen dort. Nun sind erstmals wieder Astronauten dorthin unterwegs. Noch nie waren Menschen so weit weg von der Erde, noch nie so weit draußen im All. Sie werden den Mond von einer anderen Seite sehen als wir. Sie landen nicht. Sie fliegen um ihn herum. Dieser Flug soll aber die Landung vorbereiten und jetzt erstmals alle Systeme des Orion‐Raumschiffs testen. Dass sie überhaupt ins All kommen, daran arbeitet auch Steve Bornhöft mit, der Raumfahrtingenieur aus dem Erzgebirge. An der TU Dresden hatte er Luft‐ und Raumfahrttechnik studiert, bevor es dann von Burkhardtsdorf Richtung Mond ging.“
„Soll ich Pilot werden?“, überlegte der heute 47-Jährige kurz vor dem Abitur. Außer in den Urlaub war Steve Bornhöft nicht geflogen. Geboren in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) und in Burkhardtsdorf im Erzgebirge aufgewachsen, interessierte er sich relativ zeitig fürs Fliegen. „Ich bin mit Sigmund Jähn groß geworden“, sagt er. Der erste Deutsche im All stammt aus dem rund 50 Kilometer entfernten Morgenröthe-Rautenkranz, wo man heutzutage die Deutsche Raumfahrtausstellung besichtigen kann.
Vom Traum zur Universität
As the senior cleanroom manager at Airbus Bremen, Steve Bornhöft is involved in the Artemis project.
Während seiner Bundeswehrzeit entschied sich Steve Bornhöft für ein Maschinenbau-Studium an der Technischen Universität Dresden. „Woher die frühe Begeisterung für Technik und Fliegen genau kam, kann ich nicht sagen. Es war ein Traum“, sagt er. Zu Studienbeginn im Herbst 2001 hatte er zunächst den Flugzeugbau im Fokus: „Die Raumfahrt war für mich noch nicht so greifbar.“ Universitäre Studiengänge in diesem Bereich gab es nur wenige. Dresden lag heimat- und familiennah und: „Die Uni hatte schon damals einen sehr guten Ruf, speziell im Maschinenbau, und es war ein Diplom-Studiengang.“ Auch das sehr flexibel ausgelegte Konzept überzeugte. „Man musste sich erst im Hauptstudium für die jeweilige Vertiefung entscheiden und konnte etwas Uni-Erfahrung sammeln, bevor man sich festlegen musste.“ Nach dem Grundstudium Maschinenbau mit viel Mathematik und Technik entschied sich Steve Bornhöft für Luft- und Raumfahrttechnik, eine von zwölf verschiedenen Maschinenbau-Fachrichtungen mit Fächern wie Flugzeug- bzw. Raumfahrtkonstruktion oder Strömungslehre. Aus zu Beginn rund 800 Maschinenbau-Studierenden wurden nach dem vierten Semester etwa 100. Das Diplom in der Fachrichtung Luft- und Raumfahrttechnik schafften 30. Geflogen ist Steve Bornhöft zwischenzeitlich tatsächlich: Mit einem Segelflugzeug Akaflieg, der Akademische Fliegergruppe der TU Dresden.
Berufsweg bei Airbus begann im Studium
Das erste Raumschiff aus der Nähe sah der Raumfahrtbegeisterte drei Jahre nach Studienbeginn, als er 2004 an einer Summer School im Moskauer Sternenstädtchen teilnahm. „Mein Berufsweg fing schon im Studium an“, erzählt er. Ein Praktikum bei Airbus Hamburg mit anschließendem Urlaubssemester für Vollzeit-Werkstudenten-Tätigkeit, schließlich Diplom-Arbeit bei EADS Bremen. In dieser beschäftigte er sich mit der störungsfreien Prüfung auf intakte Klebungen der Flugzeughaut. Seit dem Abschluss 2009 ist Steve Bornhöft durchgehend bei Airbus Defence and Space beschäftigt. Was er im Studium gelernt hat, konnte er gut nutzen: „Es ist immer gut, auf die erworbenen Grundlagen zurückgreifen zu können und die Zusammenhänge zu verstehen. Das tiefere spezifische Wissen, was ich anwenden kann, ist aber überschaubar.“
Einige Zeit war er im Drohnenbereich, zehn Jahre arbeitete er im Projekt Columbus. „Alle Tests für das Forschungsmodul für die ISS gingen mit durch meine Hände“, berichtet er. Seit 2017 ist der leitende Reinraummanager bei Airbus Bremen in das Projekt Artemis eingebunden. Das mit der NASA verbundene Vorhaben hat das Ziel, Menschen auf den Mond zu bringen. Warum das wichtig ist? In Kurzform: „Während wir uns auf die Rückkehr zur Mondoberfläche vorbereiten, folgt Europa nicht nur einem Weg, sondern trägt dazu bei, den Weg für künftige Generationen zu ebnen. Indem wir beweisen, dass das Unmögliche in unserer Reichweite ist, entzünden wir einen Funken Inspiration, der die Pioniere von morgen ermutigt, Träume zu umarmen, die das Individuum transzendieren und uns alle dazu bringen, gemeinsam weiter zu gehen, als wir es jemals alleine könnten.“
ESM to power and propel NASAs Orion spacecraft
Überlebensmodule für die Raumfahrt
Artemis I flog im November 2022 unbemannt um den Mond. Bei Artemis II umkreiste im Februar 2026 eine vierköpfige Crew den Mond. Mit an Bord war das zweite Europäische Servicemodul (ESM), hergestellt in Bremen. Dieses Antriebs- und Versorgungsmodul steuert Strom, Temperatur, Wasser- und Sauerstoff sowie die Astronautenversorgung. „Es ist das Überlebensmodul“, sagt Steve Bornhöft, der mit seinem Team für Montage und Tests verantwortlich ist. „Wir sorgen dafür, dass alles in der richtigen Reihenfolge, Zeit und Qualität zusammengesetzt wird. Final ins Raumschiff integriert wird das Modul in den USA.“ Dort, genau in Cape Canaveral, wo täglich ein bis zwei Raketen starten, ist er selbst regelmäßig. Beeindruckend findet er das jedes Mal.
Während in den USA aktuell am dritten und vierten Modul gearbeitet wird, entsteht bei Airbus Defense and Space in Bremen das fünfte und sechste für die Mondmission. Praktisch sitzt Steve Bornhöft viel am Rechner und verbringt als Spezialist 60 Prozent seiner Arbeit im Reinraum. Da leistet er mit seinen Ingenieurskollegen Support für die Mechaniker. Bei über 20.000 zu berücksichtigenden Projektteilen und Einzelteilen eine enorme Verantwortung, von der das Leben der Astronautencrew abhängt. „Der Zeitplan ist straff, 18 Monate sind pro Modul vorgesehen, das ist sportlich“, sagt er. 2027 soll die nächste Mondmission Artemis III stattfinden, bei Artemis IV wollen Astronauten erstmals seit 1972 auf dem Mond landen.
„Bei Airbus sind alle per du“
Dass Steve Bornhöft nicht Pilot geworden ist, bedauert er nicht. Bei Airbus bestünde die Möglichkeit zu fliegen. Es hat für ihn keine Priorität mehr. Die Raumfahrt ist sein beruflicher Fokus. „Ich konnte mir früher nicht vorstellen, dass mich das einmal mehr fasziniert als Fliegen“, sagt er. Jungen Menschen mit Interesse an der Luftfahrt empfiehlt er unbedingt, sich zu bewerben. Für ein entsprechendes Studium als auch bei seinem Arbeitgeber, bei dem „alle per du“ sind. Er weiß, dass im Großkonzern Airbus noch andere TUD-Alumni arbeiten. Direkten Kontakt zu ihnen hat er aktuell nicht.
Kontakt:
Steve Bornhöft
TUD-Filmclip zum Studium des Maschinenwesens:
Studium des Maschinenwesens © Biermann-Jung Kommunikation & Film 2023
TUD-Filmclips zum Studium des Maschinenbaus:
Maschinenbau-Studium © TUD 2022
Maschinenbau-Studium © TUD 2023