02.12.2025
„Weihnachten ist das Hauptgeschäft“
(porträtiert im Jahr 2025)
Dagmar Möbius
Flugzeuge haben es Stine Ferse angetan. Seit sie mit 13 Jahren zu einem Austauschprogramm allein nach England flog, stand fest, sie möchte beruflich etwas mit Luftfahrt und Wirtschaft zu tun haben. Nach dem Studium der Verkehrswirtschaft an der TUD ist sie in verschiedenen Positionen weltweit für DHL tätig, seit drei Jahren als Führungskraft.
Ein reines BWL-Studium sollte es für die gebürtige Dresdnerin nicht sein. „Ich mag Flughäfen, deren Atmosphäre und interessiere mich für die Prozesse dahinter“, sagt Stine Ferse. Das Diplom-Studium der Verkehrswirtschaft mit Vertiefung Luftfahrt an der TU Dresden mit ihrem guten Ruf war genau das Richtige für sie. Mehr „positives Bauchgefühl“ als die eine Initialzündung zur Berufswahl.
Luftfahrt forever
In ihrem bis 2009 laufenden Studiums mit den Themenschwerpunkten Verkehrsökonometrie/ -statistik, Logistik, Luftverkehr und Raumwirtschaft fand die Verkehrsökonomin alle Fächer interessant, vor allem Luftfahrt und Delphi Programmierung. Professor Knut Haase, jetzt an der Universität Hamburg, beeindruckte Stine Ferse mit seinem großen Wissen. „Und er war sympathisch“, lacht sie. Im Studium erlernte Fähigkeiten bezüglich Struktur und Recherche helfen ihr bis heute. „Wie geht man Dinge an, wie adressiert man große Projekte, bei denen noch vieles unklar ist?“, beispielsweise. Ein halbes Jahr Praktikum absolvierte sie bei Lufthansa Cargo in den USA.
Weil DHL auch einen großen Bezug zur Luftfahrt hat, begann Stine Ferse direkt nach dem Studium dort als GroW Trainee. Zunächst war sie bei supply chain (warehousing) eingesetzt. „Das war nicht mein liebster Themenschwerpunkt“, gibt sie zu, „aber lehrreich“. Die Auslandsphase des Trainee-Programms führte sie für fünf Monate zu DHL Express Singapore. Dort, im Bereich Air Cargo Sales (ACS), fühlte sie sich wiederum sehr gut aufgehoben. Dort werden Restkapazitäten der für DHL Express eingesetzten Cargo-Flugzeuge weiterverkauft.
Singapore, etwa 2017, DHL Express office, Lim Sze Looi, Stine Ferse, Leong Chui Ha.
Von SQL zu Business-IT
Ihre erste feste Stelle trat Stine Ferse direkt anschließend an: bei DHL Express im Bereich Global Network Management. Dort entwickelte sie eine Methodik, mit der sich die Auslastung von Express-Frachtflugzeugen prognostizieren ließen. Mit den wissenschaftlichen Analysen lassen sich Kapazitäten besser planen und bei Bedarf weiterverkaufen. Während sie das Tool entwickelte, entdeckte sie ihr Interesse an Business-IT neu. „Schon im Studium hatte ich als Tutorin für Turbo-Pascal-Kurse gearbeitet“, blickt sie zurück. Von Excel auf IT-Anforderungen für SQL umzusteigen, und teilweise selbst zu schreiben, war dennoch eine Herausforderung. „Im Nachhinein habe ich später manchmal gedacht, wie viel man hätte besser machen können“, sagt sie. „Aber das gehört zur Entwicklung.“
Liebe für internationales Umfeld
Das Arbeiten im internationalen Umfeld macht ihr Freude. Um ihre Stärken vertiefen zu können, wechselte Stine Ferse nach gut vier Jahren zu Electronic shipping solutions bei DHL Express. „Dort war ich hauptsächlich zuständig für eine offline-shipping-Anwendung, über die ca. 20 Prozent des Frachtumsatzes von DHL Express liefen. Im weiteren Verlauf war sie auch beim Ausrollen eines neuen Online-Tools weltweit federführend.“ Was vielleicht einfach klingt, ist im Detail doch recht komplex: „Um ein Versandlabel generieren zu können, muss die Software unter anderem wissen, was ein Paket von A nach B kostet, Zollbestimmungen der jeweiligen Länder kennen. Und das alles möglichst, ohne dass der User viel selbst eingeben muss“, erklärt Stine Ferse.
Lagos, Nigeria, 2019, Besuch von Großkunden.
Vielreisende und Heimkehrerin
Berufsbedingt ist Stine Ferse selbst viel gereist. Sie hat in Brüssel, Leipzig oder Kuala Lumpur gearbeitet. Sie kennt Großfirmenkunden in Europa, Afrika und Nordamerika und die von ihr betreuten Länder aus eigenem Erleben. Die Tätigkeit im internationalen Umfeld mit Englisch als Berufssprache liegt ihr. „Wie heißt ... auf Deutsch?“, ist bei ihr so etwas wie ein geflügeltes Wort. Die Corona-Pandemie setzte einen markanten Punkt in Stine Ferses Biografie. „Ich habe es gerade so geschafft, vor dem Lockdown wieder in Deutschland zu sein“, sagt sie. Dann wurde sie Mutter und bekam ein Angebot in einem anderen Bereich bei DHL. Seit drei Jahren arbeitet sie in Bonn als Director Digital Experience Platform bei DHL CSI (Customer Solutions & Innovation). „Wir entwickeln ‚die Plattform‘, das zugrundeliegende Content Management System von u.a. dhl.com, technisch weiter“, sagt die Verkehrswirtschaftlerin. Neben der fachlichen Herausforderung war der Antritt einer Führungsposition, in der sie nun für fünf direkte und mehr als 20 indirekte Mitarbeitende zuständig war, für Stine Ferse relatives Neuland. „Als Mutter von zwei Kleinkindern ist das herausfordernd und nicht immer einfach, aber interessant!“ Die Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen ist nicht so gut ausgebaut wie in ihrer Heimatstadt Dresden und dazu wesentlich teurer. Stine Ferse ist also auch familiär als Logistikerin gefragt, um alles unter einen Hut zu bekommen. „Dank sehr entgegenkommender Arbeitsbedingungen ist mir das zum Glück möglich“, sagt sie. Wohin es sie langfristig beruflich hinziehen wird, lässt die 43-Jährige offen. „Im Moment ist alles gut, wie es ist“, sagt sie. Und das, obwohl Weihnachten als Hauptgeschäftszeit ihres Unternehmens gerade bevorsteht.
Kontakt:
Stine Ferse
Director Digital Experience Platform Delivery
DHL.com
Linkedin
TUD-Filmclip zum Studium der Verkehrswissenschaften:
Studium der Verkehrswissenschaften © rederei-agentur.de