08.02.2019

Die Architektur der Moderne in Sachsen

Pumpspeicherwerk Niederwartha. © LfD Sachsen 2018, Fotograf Wolfgang Junius Pumpspeicherwerk Niederwartha. © LfD Sachsen 2018, Fotograf Wolfgang Junius

Pumpspeicherwerk Niederwartha.

Pumpspeicherwerk Niederwartha.

Pumpspeicherwerk Niederwartha. © LfD Sachsen 2018, Fotograf Wolfgang Junius

Das Landesamt für Denkmalpflege stellt 32 Baudenkmale des frühen 20. Jahrhunderts näher vor


Tanja Scheffler

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus gegründet. Daher greift die Jahresausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege dieses Jubiläum auf und präsentiert im Ständehaus eine facettenreiche Auswahl von 32 sächsischen Baudenkmalen aus den verschiedenen Strömungen der Moderne mit Fotoaufnahmen und ergänzenden Texten. Dabei wird auch das vom TH-Professor Emil Högg entworfene Pumpspeicherkraftwerk in Niederwartha mit vorgestellt.

Die Ausstellung fokussiert das erste Drittel des 20. Jahrhunderts und beginnt mit zwei bekannten Vorläufern der Moderne: Die Villa Esche (1903) in Chemnitz gehört zu den sächsischen Inkunabeln des Jugendstils. Ihr Architekt, der Belgier Henry van der Velde, leitete später die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule in Weimar, die nach dem Ersten Weltkrieg im Bauhaus aufging. Beim Entwurf des Festspielhauses (1912) in Hellerau suchte der Architekt Heinrich Tessenow – trotz der gestalterischen Rückgriffe auf die antike Tempelarchitektur beim Portikus – bereits nach klaren geometrischen Formen und bereitete mit dem weitgehenden Verzicht auf ornamentalen Fassadenschmuck den Weg in die Moderne mit vor.

Aus der Zwischenkriegszeit zeigt die Ausstellung eine große stilistische Bandbreite von der Neuen Sachlichkeit über Art déco bis zum Expressionismus. Dabei werden neben bekannten Beispielen wie dem Kaufhaus Schocken in Chemnitz und dem Haus Schminke in Löbau auch mehrere Leipziger Kirchen (St. Bonifatius, Versöhnungskirche) vorgestellt. Das wahrscheinlich stringenteste Beispiel des Neuen Bauens in Sachsen ist das vom Architekten Adolf Rading konzipierte »Haus Rabe« (1930/31) in Zwenkau, das neben seiner klaren kubischen Form und Raumstruktur auch wegen seiner umfangreichen, vom Bauhaus-Meister Oskar Schlemmer entworfenen Innenraumgestaltung besticht. In der Ausstellung wird das gesamte Spannungsfeld denkmalpflegerischer Bemühungen aufgezeigt. Dies reicht von der gelungenen Instandsetzung und Umnutzung des früheren »Direktorenhaus« der Firma Christoph & Unmack in Niesky zum Konrad-Wachsmann-Haus, einem Ausstellungs-, Kultur- und Informationszentrum zum Thema der »Holzbauten der Moderne«, über einige aktuelle Versuche, die unsensiblen Sanierungsmaßnahmen der frühen 1990er-Jahre zu korrigieren, bis zu ein paar teilweise leerstehenden, gefährdeten Bauten.

Im Industriebau setzte sich die moderne Architekturauffassung besonders stark durch. Dies kann man auch am beruflichen Wirken des Dresdner Architekten Emil Högg (1867–1954) erkennen, der 1911 an die Technische Hochschule Dresden berufen wurde, hier als Professor für Raumkunst und Bauformenlehre bis zu seiner Emeritierung 1933 mehrere Generationen von Architekturstudenten prägte und parallel dazu innovative Industriebauten wie die Ernemann-Werke errichtete. In der Ausstellung wird das von Högg zusammen mit dem ebenfalls an der TH Dresden lehrenden Bauingenieur-Professor Kurt Beyer entworfene Pumpspeicherkraftwerk (1927–1930) in Niederwartha näher vorgestellt. Es gehörte zu den ersten deutschen Pionieranlagen der Strombedarfssteuerung, bei denen Wasser mit zeitweise überschüssigem Strom in ein höher gelegenes Staubecken gepumpt wurde, um es später – bei Bedarf – unter Ausnutzung des Gefälles mithilfe von Generatoren wieder zur erneuten Stromerzeugung zu verwenden. Neben einem kleineren Einlaufbauwerk am oberen Staubecken besteht diese komplexe bauliche Anlage aus mehreren größeren Verwaltungs- und Funktionsgebäuden am unteren Staubecken. Dabei fallen neben dem bereits von Weitem sichtbaren Maschinenhaus auch die präzise durchgestalteten Klinkerverblendungen auf.

»Architektur der Moderne in Sachsen«
Ausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, Ständehaus Dresden, Schloßplatz 1
bis 1. März 2019, Mo–Do: 10–17.30 Uhr, Fr: 10–16 Uhr, freier Eintritt

http://www.lfd.sachsen.de/623.htm

Zur Ausstellung ist eine umfangreiche Broschüre entstanden. https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/32238

Dieser Artikel ist im Dresdner Universitätsjournal 02/2019 vom 29. Januar 2019 erschienen. Die komplette Ausgabe ist hier im pdf-Format kostenlos downloadbar. Das UJ kann als gedruckte Zeitung oder als pdf-Datei bei doreen.liesch@tu-dresden.de bestellt werden. Mehr Informationen unter universitaetsjournal.de.

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Janne Stolte
Letzte Änderung: 08.02.2019