26.10.2026
TU Dresden erhält 1,8 Millionen Euro zur Sicherung bedeutender Internet-Messdaten
Daten bewahren für die Erforschung des Internets: Der Bund fördert das an der Professur für Distributed and Networked Systems der Technischen Universität Dresden (TUD) angesiedelte Forschungsprojekt „RISE: Rescuing Internet Signals and Evidence of UCSD-NT and SecSpider“. Ziel des Projekts ist es, zwei weltweit einzigartige und für das Verständnis der Entwicklung des Internets entscheidende Datensätze dauerhaft in Europa zu sichern und für die internationale Forschung zugänglich zu machen. Die Datenbestände sind gefährdet, weil ihre langfristige Speicherung und Pflege derzeit nicht dauerhaft gesichert sind.
Das Projekt RISE der TUD soll technische, organisatorische und rechtliche Voraussetzungen schaffen, um zwei wertvolle Datensätze zum Verständnis des Internets nachhaltig zu bewahren und deren Verfügbarkeit zu erhöhen: „Das Internet ist eine kritische Infrastruktur. Seine Stabilität und Sicherheit beeinflussen fast alle gesellschaftlichen und technischen Systeme“, sagt Prof. Matthias Wählisch, Inhaber der Professur für Distributed and Networked Systems an der Fakultät Informatik der TUD. „Mit RISE wollen wir einmalige Messdaten bewahren, die für das Verständnis des Internets von heute und für die Entwicklung resilienter Infrastrukturen von morgen unverzichtbar sind.“
Die betreffenden Datenbestände dokumentieren die Entwicklung und den Zustand des Internets über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. Sie bilden damit eine wichtige Grundlage, um die globale Dynamik, Sicherheitsbedrohungen und die Weiterentwicklung der wichtigsten Kommunikationsinfrastruktur unserer Zeit zu verstehen. Die Datensätze sind aufgrund ihres Umfangs und ihrer zeitlichen Vollständigkeit von herausragender Bedeutung und werden auch künftig eine wichtige Rolle spielen – etwa bei der Bewertung von Internetbedrohungen, der Entwicklung technischer Standards und der Gestaltung politischer Maßnahmen zur digitalen Sicherheit. Zur Bewahrung und der wissenschaftlichen Aufarbeitung fördern das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMFTR) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Vorhaben mit 1,8 Millionen Euro.
„Die Förderung ermöglicht den Aufbau zusätzlicher Speicherkapazitäten von mehr als 40 Petabyte am Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen der TU Dresden, die für die langfristige Sicherung der Internet-Messdaten benötigt werden“, betont Wählisch. „Mit RISE realisieren wir die dauerhafte Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten für nachvollziehbare und reproduzierbare Internet-Forschung. Dieser Ansatz und die Förderung unterstreichen einmal mehr die Bedeutung unserer Forschung an der TUD.“ Für die Speicherkapazität von 40 Petabyte würde man 40.000 Laptops mit einer Ein-Terrabyte-Festplatte benötigen.
Einmalige Datensätze zum Verständnis der Entwicklung und Funktionsweise des Internets
Das UCSD-NT ist das größte Netzwerkteleskop für die Internet-Forschung. Anders als astronomische Teleskope wird hier ein Teil des Internetverkehrs beobachtet. Das Center for Applied Internet Data Analysis (CAIDA) am San Diego Supercomputer Center (SDSC) auf dem Campus der University of California betreibt das Teleskop und sammelt diese Daten kontinuierlich seit 2003. Der Datensatz ermöglicht es Forschenden, relevante Veränderungen im Internet zu beobachten: Dazu zählen unter anderem Internetausfälle, die Verbreitung von Schadsoftware, neue Sicherheitsbedrohungen und die Einführung neuer Internetprotokolle. Die Sammlung umfasst den Internet-Verkehr zu mehr als 16 Millionen Internetadressen. Damit gehört der Datensatz hinsichtlich seiner Abdeckung und zeitlichen Kontinuität zu den bedeutendsten Quellen für die Internetforschung weltweit.
SecSpider sammelt alle wichtigen Daten, die notwendig sind, um das Domain Name System (DNS) abzusichern. Das DNS mit der Erweiterung DNSSEC übersetzt Domainnamen (z.B. www.tu-dresden.de) auf Internet-Adressen (z.B. 141.76.14.10), so dass Internetdienste einfach und sicher genutzt werden können. SecSpider ermöglicht es, die Sicherheit und Zuverlässigkeit von DNS und DNSSEC über lange Zeiträume hinweg zu untersuchen. Der Datensatz enthält Sicherheitsmaterial, wie kryptographische Schlüssel und Signaturen, von rund 15,4 Millionen Domains. Er unterstützt Forschende beispielsweise dabei zu verstehen, wie Sicherheitsmechanismen in der Praxis umgesetzt werden und wie diese weiter verbessert werden können. Dazu zählen u.a. das Austauschen kryptografischer Schlüssel und die Einführung neuer Sicherheitsstandards.
Dauerhafte Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten für nachvollziehbare und reproduzierbare Internet-Forschung
Die Datensätze sollen über eine europäische Infrastruktur für Forschungszwecke zugänglich gemacht werden, die mit nationalen Datendiensten der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und europäischen Angeboten im Rahmen der European Open Science Cloud (EOSC) vernetzt ist.
Kontakt:
Prof. Matthias Wählisch
Professur für Distributed and Networked Systems
Fakultät Informatik der TUD
+49 351 463-38261