17.09.2026
TUD-Juniorprofessorin Dorit Brixius erhält Deutschen L’Oréal UNESCO-Förderpreis „For Women in Science“
Preisträgerin Jun. Prof.in Dorit Brixius mit TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer (links) und Modedesigner Guido Maria Kretschmer (rechts).
Dorit Brixius, Juniorprofessorin für die Geschichte der Botanik und des Gartenbaus an der Technischen Universität Dresden (TUD), wurde mit dem Deutschen L’Oréal UNESCO-Förderpreis „For Women in Science“ ausgezeichnet. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Leistungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen. Die Preisverleihung fand am 16. September 2026 in Düsseldorf statt.
Die Arbeit von Dorit Brixius verbindet Wissenschafts- und Medizingeschichte mit botanischer Forschung und richtet dabei einen besonderen Blick auf Frauen als aktive Akteurinnen der Wissensproduktion. Ihre Forschung reicht von Adelsfrauen des 17. Jahrhunderts, die ihr Wissen über Kosmetik und Körperpflege in ihren Netzwerken austauschten, weiterentwickelten und praktisch erprobten, über die Geschichte des Botanischen Garten Dresdens im 19. Jahrhundert bis zur jüdischen Botanikerin Gertrud Tobler-Wolff (1877–1948), die als Wissenschaftlerin und Ehefrau des ehemaligen TH-Professors für Botanik, Friedrich Tobler, selbst Teil der Dresdner Wissenschaftsgeschichte war.
Aktuell beschäftigt sich die Juniorprofessorin mit einem rund 300 Seiten umfassenden französisch-lateinischen Manuskript mit Kosmetik- und Duftrezepturen aus der Zeit Ludwigs XIV. Neben zahlreichen Rezepten für Körperpflege und Kosmetik enthält die historische Quelle auch Duftkompositionen, darunter ein besonders bemerkenswertes Rezept für das Parfum der französischen Königin. Brixius untersucht, wie sich dieses vergessene Wissen rekonstruieren und praktisch erproben lässt. Dafür verbindet sie historische Quellenarbeit mit modernen Ansätzen, etwa durch die Nutzung der europäischen Forschungsdatenbank „Smell Explorer“ und den Austausch mit Forschenden aus der Klassischen Philologie und den Naturwissenschaften.
Der Förderpreis ist für Brixius eine besondere Ehre: „Dass ich den FWIS-Award erhalte, der sich primär an Frauen in MINT-Fächern richtet, zeugt von der Aktualität und Innovation meiner interdisziplinären, jedoch historisch fundierten Forschungsprojekte. Er ehrt und begleitet mich auf meinem Weg, exzellente Forschung gemäß der TUD-Leitlinien zu leisten: Kollaborativ/The collaborative University - da ich Forschung und Lehre über die vier Fakultäten der Philosophie, Biologie, Chemie und Medizin betreibe; Zielgerichtet/inventive, da ich thematische Kurzzeit- und Langzeitprojekte mit genauen Zielen verfolge; Transformativ/transformative, da ich mit meiner transdisziplinären Forschung zeigen kann, dass Disziplinen wieder eine gemeinsame Sprache sprechen müssen und können, um sich zu formieren und forschungsstark zu machen; und praxisorientiert/engaged, da mich ohnehin immer interessiert hat, was Menschen in der Vergangenheit getan, anstatt gedacht haben.“
Für die Zukunft möchte Brixius ihre transdisziplinäre Forschung weiter ausbauen und die Grenzen zwischen Geistes- und Naturwissenschaften bewusst überwinden. Dabei sollen historische Wissensbestände nicht nur wissenschaftlich untersucht, sondern auch kreativ für Forschung, Lehre und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, zum Beispiel durch die chemische Rekonstruktion historischer Rezepturen sowie durch Ausstellungen und Veranstaltungen im Dresdner Raum. Auch ihre Studierenden bezieht sie aktiv ein: So entstanden in einer von ihr geleiteten Lehrveranstaltung bereits Podcasts zur Medizingeschichte der Frühen Neuzeit, die künftig veröffentlicht werden sollen.
Über den Förderpreis „For Women in Science“
Der Förderpreis „For Women in Science“ wird von L’Oréal, der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Deutschen Humboldt-Netzwerk vergeben. Unter dem Leitspruch „Die Welt braucht Wissenschaft – und die Wissenschaft braucht Frauen“ setzen sich die L’Oréal Fondation und die UNESCO bereits seit 1998 für die Förderung von Frauen in der Forschung ein. Das „For Women in Science“-Programm, das seit 2007 auch in Deutschland fest etabliert ist, hat weltweit bereits mehr als 4.700 Wissenschaftlerinnen gefördert, darunter auch sieben spätere Nobelpreisträgerinnen. In Deutschland wird das Programm in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Deutschen Humboldt-Netzwerk e.V. ausgerichtet, mittlerweile wurden hierzulande mehr als 50 Förderpreise vergeben. Mit der Auszeichnung gehört Dorit Brixius zu vier Nachwuchswissen-schaftlerinnen, die in diesem Jahr für ihre Forschungsleistungen geehrt werden.
Die Preisträgerinnen 2026: Dr. Buse Aktaş (Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Stuttgart), Dr. Anna Zieleniewska (Technische Universität München), Dr. Mansi Singh (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt), Dr. Dorit Brixius (TUD)
Kontakt:
Jun.-Prof.in Dr. Dorit Brixius
Juniorprofessur für Geschichte der Botanik und des Gartenbaus
TU Dresden
E-Mail:
Tel. +49 351 463-32569