08.05.2018

Verleihung der Humboldt-Professuren 2018: Spitzenforscher Prof. Dr. Michael Sieweke verstärkt CRTD der TU Dresden als Forschungsgruppen­leiter

Prof. Dr. Michael Sieweke © CRTD Prof. Dr. Michael Sieweke © CRTD
Prof. Dr. Michael Sieweke

© CRTD

Das Zentrum für Regenerative Therapien an der TU Dresden (CRTD) gewinnt mit Michael Sieweke einen international renommierten Immunologen für die Erforschung neuer Therapieansätze in der regenerativen Medizin. Nach Stationen in den USA und Frankreich forscht Sieweke jetzt in Dresden.

Am 8. Mai findet die feierliche Verleihung von zehn Alexander von Humboldt Professuren in Berlin statt. Mit jeweils fünf Millionen Euro ist es der höchstdotierte Forschungspreis Deutschlands. Die Idee des Preises ist es, internationale Spitzenforscher an deutsche Universitäten zu holen. Mit Prof. Michael Sieweke ist dies nun der TU Dresden erfolgreich gelungen. Die Preise werden in einer Festveranstaltung durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek und den Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape verliehen. Dabei erhält Prof. Dr. Michael Sieweke eine Humboldt-Professur, die er der Erforschung der abnehmenden Geweberegeneration im Alter widmen möchte. Das Forschungsgebiet seiner Arbeitsgruppe am CRTD liegt an der Schnittstelle von Immunologie und Stammzellforschung. Dabei spielen die sog. Makrophagen eine herausragende Rolle. Dies sind langlebige Zellen des Immunsystems, die wichtige Aufgaben bei der Gewebeerneuerung übernehmen. Er erforscht, wie diese Zellen entstehen, sich selbst erneuern und in den verschiedenen Organen die Gewebefunktion erhalten. Er hofft, damit der Frage auf die Spur zu kommen, wie gesundes Altern möglich ist. Da Makrophagen in jedem Organ des Körpers vorkommen, ist dies von breiter Bedeutung für viele Alterskrankheiten, wie zum Beispiel Demenz oder Herz-Kreislauf und Lungen-Erkrankungen.

Kultivierte Makrophagen von oben gesehen © Laurent Vanhille Kultivierte Makrophagen von oben gesehen © Laurent Vanhille

​ Bild Kultivierte Makrophagen von oben gesehen

Kultivierte Makrophagen von oben gesehen

​ Bild Kultivierte Makrophagen von oben gesehen © Laurent Vanhille

Zusammen mit seinen Mitarbeitern entdeckte Sieweke, wie Blutstammzellen angeregt werden können, neue Makrophagen und verwandte weiße Blutkörperchen zu bilden. Dabei wird ein natürlich vorkommender Mechanismus genutzt: bei Infektionen werden bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet, auf die Blutstammzellen mit verstärkter Bildung von Immunzellen zur Bekämpfung von Krankheitserregern reagieren. Die therapeutische Nutzung dieses Mechanismus könnte in Zukunft Patienten helfen, nach verschiedenen Eingriffen wie einer Knochenmarkstransplantation sehr viel schneller wieder ein funktionierendes Immunsystem aufzubauen.

Darüber hinaus entdeckten er und sein Team, wie sich Makrophagen selbstständig kontrollieren und nahezu unbegrenzt teilen können, um sich zu erneuern. Bisher war man davon ausgegangen, dass Makrophagen, wie die meisten anderen Körperzellen auch, ihre Teilungsfähigkeit weitgehend eingebüßt haben. Seine Arbeiten zeigten jetzt aber, dass Makrophagen ein Netzwerk von Genen aktivieren können, das auch embryonale Stammzellen nutzen, um sich unbegrenzt zu vermehren. Wichtig ist dabei, dass dies kontrolliert erfolgt und nicht zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Die Möglichkeit, unbegrenzte Mengen von Makrophagen in Kultur herzustellen und gezielt für Transplantationen verändern zu können, öffnet die Tür für neue Therapien. Für die Zukunft hofft Sieweke, dass das Verständnis und die Manipulation von Makrophagen dazu beitragen werden, der mit zunehmendem Alter auftretenden Gewebedegeneration durch die Reaktivierung jugendlicher Regenerationsmechanismen entgegenzuwirken. "Ich glaube, dass das Immunsystem und insbesondere die Makrophagen ein Schlüssel zum Verständnis der Regeneration sein werden. Das CRTD ist ideal, um dieses Potenzial auszuschöpfen. Es bringt Menschen zusammen, die an verschiedenen Modellsystemen der Regeneration arbeiten und hat eine einzigartige Nähe zur Klinik“, so Sieweke.

Weitere Zitate Prof. Michael Sieweke
„Es ist eine große Ehre und ein besonderer Ansporn, Alexander von Humboldt als Namenspatron im Titel tragen zu dürfen. Er war einer der ganz großen Forscher, einer der die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft einem breiten Publikum zugänglich gemacht hat und jemand, der uns als Weltbürger und mit seinen französischen Freunden vorgelebt hat, dass die Wissenschaft von der internationalen Kooperation lebt.“

„Das Immunsystem wird häufig nur als Verteidigungsmechanismus gegen Krankheitserreger gesehen. Ich denke aber, dass es eine ebenso wichtige Rolle in der Gewebeerneuerung hat, die ich verstehen und nutzbar machen möchte.“

„Ich denke, dass die Verbindung von Immunologie und Regenerationsbiologie für beide Disziplinen äußert fruchtbar sein wird und dass ich dafür besonders auch meine weiter bestehende Verbindung zu Frankreich für eine verstärkte internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich nutzen kann.“

Allgemeine Informationen zur Humboldt-Professur
https://www.humboldt-professur.de/de/ueber-die-humboldt-professur

Video zur Alexander von Humboldt Professur von Michael Sieweke
https://www.youtube.com/watch?v=2TmNfA2BHQc

Webseite von Prof. Dr. Michael Sieweke
http://www.crt-dresden.de/research/research-groups/core-groups/crtd-core-groups/michael-sieweke/

Informationen für Journalisten:
Franziska Clauß, M.A.
Pressesprecherin
Tel.: +49 (0) 351 458-82065
franziska.clauss@tu-dresden.de

Das 2006 gegründete Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der Technischen Universität konnte sich in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative erneut als Exzellenzcluster und DFG-Forschungszentrum durchsetzen. Ziel des CRTD ist es, das Selbstheilungspotential des Körpers zu erforschen und völlig neuartige, regenerative Therapien für bisher unheilbare Krankheiten zu entwickeln. Die Forschungsschwerpunkte des Zentrums konzentrieren sich auf Hämatologie und Immunologie, Diabetes, neurodegenerative Erkrankungen sowie Knochenregeneration. Zurzeit arbeiten acht Professoren und zwölf Forschungsgruppenleiter am CRTD, die in einem interdisziplinären Netzwerk von über 90 Mitgliedern sieben verschiedener Institutionen Dresdens eingebunden sind. Zusätzlich unterstützen 21 Partner aus der Wirtschaft das Netzwerk. Synergien im Netzwerk erlauben eine schnelle Übertragung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in klinische Anwendungen. Das CRTD ist Teil des Center for Molecular and Cellular Bioengineering (CMCB). www.crt-dresden.de  / www.tu-dresden.de/cmcb

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Letzte Änderung: 08.05.2018