25.08.2026
Internationale Einblicke in Fukushima: ZLSB bei der Hamadohri Environmental Radiation Measurements International School 2026
Welche Auswirkungen haben ein schweres Erdbeben, ein Tsunami und eine sich direkt anschließende Nuklearkatastrophe auch 15 Jahre später auf Natur, Wirtschaft und Gesellschaft? Mit dieser Frage beschäftigten sich 26 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern im Rahmen der Hamadohri Environmental Radiation Measurements International School 2026 vom 19. bis 24. Juli 2026 in der Präfektur Fukushima, Japan. Auch das ZLSB war mit zwei Studierenden und einer Mitarbeiterin vertreten.
Veranstaltungsort war das Fukushima Center der University of Osaka in Okuma. Das Programm verband wissenschaftliche Theorie mit praktischer Arbeit vor Ort und wurde von der University of Osaka und dem IEEE/NPSS Educational Committee organisiert. Unterstützt wurde sie unter anderem durch die IAEA, IEEE/NPSS EduCom und das Fukushima Innovation Coast Framework.
Kernkraftwerk Fukushima Daiichi
Fukushima aus unterschiedlichen Perspektiven
Theoretische Inputs zu Strahlungen und die Entnahme und Analyse von Boden- und Pflanzenproben sowie von Luft bildeten die Grundlage für den Schwerpunkt der Summer School – der praktischen Probenentnahme im Sperrgebiet (Chuodai-Otozawa), Analyse der Proben sowie Diskussion und Darstellung der Ergebnisse.
Ergänzt durch Besuche im Great East Japan Earthquake and Nuclear Disaster Memorial Museum, des Kernkraftwerkes Fukushima Daiichi, dem Zwischenlager für radioaktiv belastete Erde und Abbruchmaterial sowie durch Gespräche mit betroffenen Personen erhielten die Teilnehmer:innen tiefe Einblicke in persönliche Erfahrungen und die langfristigen Folgen der Katastrophen vom 11. März 2011 für die Menschen, aber auch die regionale (Land-)Wirtschaft.
Entnahme einer Bodenprobe
Den fachlichen Rahmen bildeten theoretische Einführungen zu ionisierender Strahlung und zu Methoden der Probenentnahme und -analyse. Kern der Summer School war die praktische Feldarbeit: die Entnahme von Boden-, Pflanzen- und Luftproben in der sogenannten „difficult-to-return zone“ bei Chuodai-Otozawa, deren Analyse sowie die Auswertung, Präsentation und Diskussion der Ergebnisse. Besuche im Great East Japan Earthquake and Nuclear Disaster Memorial Museum, im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi und im Zwischenlager für kontaminierte Erde und Abbruchmaterial sowie Gespräche mit Betroffenen eröffneten den Teilnehmenden zugleich einen Zugang zu den persönlichen Erfahrungen der Bevölkerung und zu den langfristigen Folgen des 11. März 2011 für die Menschen der Region ebenso wie für die regionale (Land-)Wirtschaft.
Deutlich wurde dabei vor allem, wie eng Erdbeben, Tsunami und Reaktorunfall als Kausalkette verknüpft sind. Dieses Ineinandergreifen natur-, technik- und gesellschaftswissenschaftlicher Dimensionen macht sichtbar, wie eng Naturrisiken, technologische Verwundbarkeit und gesellschaftliche Folgen zusammenhängen – eine Einsicht, die weit über den Einzelfall hinausweist und gerade deshalb auch für Bildungskontexte von hoher Relevanz ist.
Fischerei, die vom Tsunami im März 2011 zerstört wurde © Birkner
Evakuiertes Klassenzimmer © Birkner
Foyer des CREVA Okuma (modernes Industrie- und Begegnungszentrum in Okuma, Präfektur Fukushima, Japan) © Birkner
Internationaler und interdisziplinärer Austausch
Für alle Teilnehmer:innen an der Summer School bot sich die Gelegenheit, in einem internationalen und interdisziplinären Austausch die Geschehnisse aus unterschiedlichen internationalen, kulturellen und fachwissenschaftlichen Perspektiven zu betrachten und zu diskutieren. Grundlage dafür waren die vielfältigen fachlichen Hintergründe: neben Physik und Medizinphysik waren unter anderem Nukleartechnik, Geografie, Biologie, Psychologie, Rechtswissenschaften und Lehrkräftebildung vertreten.
Gerade diese Verbindung von praktischer Forschung, interdisziplinärem Austausch und Begegnungen mit Menschen vor Ort machte die Summer School zu einer besonderen Lernerfahrung und zeigte, wie Wissenschaft, lokale Erfahrung und internationale Zusammenarbeit gemeinsam zur Bewältigung komplexer Umweltkatastrophen beitragen können.