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Rundgang durch den Botanischen Garten

Vergrößerte Darstellung Gartenplan




Hamamelis mollis - Zaubernuss

Im Eingangsbereich liegt linkerhand das Freilandquartier der asiatischen Pflanzen (1). Je nach Jahreszeit bestimmen Gehölze wie die Zaubernuß (Hamamelis), blühende Magnolien oder Rhododendren das Bild. Im Frühjahr überzieht der gelbblühende Sibirische Lerchensporn (Corydalis nobilis) den Boden mit blaugrünem Laub, später fallen die bis 2 m hohen Blütenstände der Steppenkerze (Eremurus), das Federgras (Stipa) oder der Geißbart Aruncus aethusifolius auf.



Rechts des Hauptweges befindet sich das Gebäude der Gartenverwaltung (2). An einige Schmuckbeete schließt sich eine Fläche mit winterharten Pflanzen der Südhalbkugel (3) an. Meist handelt es sich um flachwüchsige Polster und Bodendecker aus gemäßigten Breiten Südamerikas oder Neuseelands. Zu den größeren Pflanzen zählen der Schmetterlingsflieder Buddleja globosa, die Südbuche Nothofagus antarctica und die Gunnera-Staude mit ihren riesigen, an Rhabarber erinnernden Blättern.


Echinocactus grusonii - Schwiegermutterstuhl


Die im Winter teilweise überdachte Sukkulenten-Freianlage (4). und das Sukkulentenhaus (5) beherbergen Pflanzen aus den subtropischen und tropischen Trockengebieten der Erde. Dickfleischiges Wasserspeichergewebe ermöglicht ihnen das Überleben unter niederschlagsarmen Bedingungen, manche Arten können jahrelange Trockenzeiten überstehen. Kakteen und Agaven sind Charakterpflanzen der amerikanischen Wüsten, sukkulente Euphorbien und Aloen bestimmen das Bild in Afrika und Madagaskar. Ein Teilbereich der Sukkulenten-Freianlage zeigt Pflanzen von den Kanarischen Inseln. Im Vorraum des Sukkulentenhauses werden in einer Vitrine (6) blühende Orchideen und eine Auswahl an fleischfressenden Pflanzen ausgestellt.





Vergrößerte Darstellung Heliconia angusta

Im Victoria-Haus (7) leben im Sommer hauptsächlich Pflanzen aus dem tropischen Amerika, darunter Kakaobaum (Theobroma cacao) und Ananas (Ananas comosus). Hoch über dem Erdboden wachsen auf knorrigen Ästen die Blatt-Zisternen epiphytischer Bromelien. In langen Bärten hängt das Louisiana-Moos (Tillandsia usneoides) von oben herab: ebenfalls eine Bromelie. Winzige silbrige Saugschuppen auf Blättern und Stängeln versorgen die wurzellose Pflanze mit Wasser. Im hinteren Teil des Hauses blüht von Januar bis März die aus Brasilien stammende Heliconia angusta. Die Victoria-Seerose, Namenspatin des Schauhauses, wird jährlich neu ausgesät und bezieht ab Mitte Mai das Wasserbecken im Schauhaus. Ihre am Rand aufgewölbten Schwimmblätter können im Spätsommer bis zu 2 m Durchmesser erreichen und das Gewicht eines Menschen tragen. Ihre Blüten öffnen sich nachts. In der kalten Jahreszeit überwintern im abgelassenen Seerosenbecken die Kübelpflanzen: Gehölze aus subtropischen und mediterranen Regionen.



Die Tertiär-Anlage (8) versucht, mit charakteristischen Pflanzengestalten einen Eindruck vom Erscheinungsbild eines mitteleuropäischen Braunkohlenwaldes zu geben. Die gezeigten Arten ähneln Pflanzen, die vor etwa 65 Milionen Jahren bei uns vorkamen. Einige sind bis heute Bestandteil der heimischen Flora, wie die in Deutschland inzwischen stark bedrohte Wassernuß (Trapa natans; Erhaltungskultur im Botanischen Garten). Andere, wie Magnolia virginiana, die Sumpfzypresse (Taxodium distichum) und der Tupelobaum (Nyssa sylvatica), starben infolge von Klima-Änderungen in Mitteleuropa aus, konnten aber in Amerika oder Ostasien überleben.

Tropenhaus

Das Große Tropenhaus (9) ist den Kontinenten Afrika und Asien gewidmet. Kaffeestrauch (Coffea arabica), Zuckerrohr (Saccharum officinarum), Bananenstaude (Musa acuminata), Pfeffer (Piper nigrum), Zimt (Cinnamomum verum) und Baumwolle (Gossypium arboreum), aber auch das aus Afrika stammende Usambaraveilchen (Saintpaulia) oder der asiatische Hibiscus rosa-sinensis erwarten den Besucher. Darüberhinaus bleibt viel Unbekanntes zu entdecken: ausladende Geweihfarne (Platycerium) in den Baumkronen, eine mächtige Schraubenpalme (Pandanus) oder der heilige indische Pepulbaum (Ficus religiosa). Aquarien und ein großes Schaubecken im rechten Flügel des Hauses enthalten tropische Unterwasserpflanzen.



Liliaceae i.w.S.
Agapanthus campanulatus


Etwa Mitte Mai werden die Kübelpflanzen (10) - geordnet nach Herkunftsgebieten - vor dem Großen Tropenhaus aufgestellt. Man findet hier u.a. Vertreter der mediterranen Flora, wie den Ölbaum (Olea europaea), den Granatapfel (Punica granatum), den Lorbeer (Laurus nobilis) oder die Kork-Eiche (Quercus suber).

 

 

Hippocastanaceae
Aesculus parviflora



Zu den bemerkenswerten Bäumen im Freilandquartier der nordamerikanischen Pflanzen (11) zählt die Weidenblättrige Eiche (Quercus phellos): ihr Laub erinnert kaum an ein Eichenblatt, erst der Blick auf die Frucht läßt die Verwandtschaft erkennen. Während der Blütezeit im Mai/Juni stellt der Blumen-Hartriegel (Cornus florida) einen Anziehungspunkt für viele Besucher dar. Himmelsleiter (Polemonium), Götterblume (Dodecatheon), Bartfaden (Penstemon) und andere Stauden wachsen auf den Hügeln zwischen den Gehölzen.

Südeuropa-Quartier


Winterharte Arten aus dem Mittelmeerraum sind Schwerpunkt im Freilandquartier Südeuropa/Orient (12). Hier erscheinen bereits im zeitigen Frühjahr die Blüten der Christrosen (Helleborus) und Wild-Krokusse (Crocus). Sie werden von Narzissen (Narcissus), Tulpen (Tulipa) und Pfingstrosen (Paeonia) abgelöst. Später im Jahr locken die Stauden und Sträucher der Macchie bestäubende Insekten an: Lippenblütler wie Salbei (Salvia), Thymian (Thymus), Brandkraut (Phlomis) und Lavendel (Lavandula), aber auch Arten aus anderen Verwandtschaftskreisen. Gegen Ende der Vegetationsperiode, im September, zeigen sich die Blüten der Herbstzeitlosen (Colchicum).



Alpinum im Mai

Im Alpinum (13) gedeiht eine Auswahl europäischer Hochgebirgspflanzen, darunter Enziane (Gentiana), Steinbrech-Arten (Saxifraga), zahlreiche Kreuzblütler, Nelkengewächse und Primeln. Nicht alle Arten stammen aus den Alpen: jedes Bergmassiv zwischen den Pyrenäen und dem Kaukasus weist seine eigene Flora auf. Polsterpflanzen, die den Winter im Schutz der Schneedecke überdauern, prägen das Bild. Alpenrosen (Rhododendron), Zirbel-Kiefer (Pinus cembra) und Serbische Fichte (Picea omorika) sind als Gehölze eingestreut. In kleinen Mooren wachsen u.a. Wollgras (Eriophorum), Fettkraut (Pinguicula) und Sonnentau (Drosera).



Neben Gewächsen aus fremden Regionen sind im Garten auch Wildpflanzen aus Sachsen und Thüringen (14) anzutreffen. Auf kleinstem Raum findet man Waldvegetation, Arten der Gewässer- und Röhrichtzone, Pflanzen aus offenen, steinigen oder sandigen Lebensräumen, Wiesenblumen. Wer beim Sonntagsspaziergang im Grünen auf ausgefallene Arten stößt, kann hier auf Namenssuche gehen; doch Vorsicht: einheimische Pflanzen können auch an anderer Stelle im Garten stehen (z.B. in der Anlage für Sumpf- und Wasserpflanzen,15), und dennoch werden nicht alle unsere Wildblumen durch den Bestand erfaßt.

Liliaceae
Tulipa urumiensis
Liliaceae
Tulipa clusiana
Arten mit charakteristischen Gemeinsamkeiten lassen sich zu Pflanzenfamilien zusammenfassen. Die Systematische Abteilung (16) stellt solche botanischen Verwandtschaftsgruppen vor. Korbblütler und Orchideen sind mit weltweit jeweils etwa 25.000 Vertretern die artenreichsten Familien. Der wissenschaftliche Familienname ist an der Endung "-aceae" erkennbar. Er leitet sich stets von einem Gattungsnamen aus der jeweiligen Familie ab (z.B. "Ranunculaceae" nach der Gattung Ranunculus, dem Hahnenfuß. Der deutsche Name kann Hinweise auf Erkennungsmerkmale geben (z.B. "Doldenblütler", "Dickblattgewächse").

 







Vergrößerte Darstellung Distelfalter

Eine Besonderheit des Dresdner Botanischen Gartens ist eine umfangreiche Sammlung einjährig gezogener Pflanzen (17). Sie umfaßt etwa 800 Arten. Im Frühjahr gesät, entwickeln sie sich rasch und blühen im Frühsommer bis Herbst. Unmittelbar nach der Blüte reifen die Samen und liefern damit die Grundlage für die Anzucht des folgenden Jahres. Die Bepflanzung folgt auch hier systematischen Kriterien: verwandte Gruppen stehen in enger Nachbarschaft zueinander. Manche der hier gezeigten Arten haben als dekorative Sommerblumen Einzug in unsere Gärten gefunden. Pflanzen sind in vielfältiger Weise an spezielle Bedingungen ihres Lebensraumes angepaßt. Zahlreiche dieser Anpassungen werden in der Morphologischen Abteilung (18) vor ökologischem Hintergrund erläutert und an Beispielen dargestellt. Verkleinerte oder vollständig reduzierte Blätter setzen die Verdunstung stark herab, was für ein Überleben in Trockengebieten wichtig werden kann. Dichte Behaarung schützt im Hochgebirge vor zu starker Lichteinstrahlung. Verschiedene Blütenformen und -farben locken unterschiedlichste Bestäuber an. Stacheln und Dornen bilden Fraßschutz gegenüber Säugern.

 

Morphologische Anpassungen sind meist mit bloßem Auge erkennbar. Chemische Merkmale, z.B. pflanzliche Inhaltsstoffe, lassen sich eher mit Hilfe des Geruchs- oder Geschmackssinnes erschließen. Eine Auswahl solcher Pflanzen ist in der Arznei- und Gewürzpflanzenabteilung (19) zu finden: Zwiebel (Allium cepa), Knoblauch (Allium sativum), Senf (Brassica nigra), Meerrettich (Armoracia rusticana), Thymian (Thymus vulgaris), Salbei (Salvia officinalis), Basilikum (Ocimum basilicum) , Liebstöckel (Levisticum officinale) und Fenchel (Foeniculum vulgare), aber auch Giftpflanzen wie Fingerhut (Digitalis purpurea), Tollkirsche (Atropa belladonna), Germer (Veratrum album) oder Schierling (Conium maculatum).

Zur Erläuterung der Pflanzenetikett-Beschriftung im Botanischen Garten hier ein Beispiel :

Etikett


 

 


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Last modified: 20.02.2012 11:38
Author: Barbara Ditsch

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ab 01. April
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