23.01.2026
Unsere Pflanze der Woche: Dermatobotrys saundersii
Dermatobotrys saundersii Bolus
Ein Strauch mit ungewöhnlicher Lebensweise blüht derzeit im Geophytenhaus: Dermatobotrys saundersii. In seiner Heimat nennt man ihn „Tree Jockey“. Ein Jockey auf dem Baum – welch seltsames Bild? Tatsächlich wächst das bis zu 1 m große Gehölz häufig als Aufsitzerpflanze (epiphytisch) in Baumkronen. Es gedeiht aber auch auf dem Boden (terrestrisch).
Das Braunwurzgewächs (Familie Scrophulariaceae) stammt aus den wintertrockenen Küstenwäldern im Osten der Republik Südafrika. Sie sind Teil einer Vielfalt von subtropischen Waldtypen, die neben den Wüsten zu den artenreichsten Lebensräumen des Landes zählen.
Die korallenroten, röhrenförmigen Blüten öffnen sich bei uns in den Wintermonaten. In Südafrika nutzt die von Nektarvögeln bestäubte Pflanze jetzt den niederschlagsreichen Südsommer für ihre Reproduktion. In der anschließenden Ruhephase kann sie schadlos alle Blätter verlieren.
Die korallenroten, röhrenförmigen Blüten von Dermatobotrys saundersii zeigen sich bei uns im Winterhalbjahr.
Die Gattung Dermatobotrys ist monotypisch: Es gibt nur diese eine Art. Der Gattungsname leitet sich von den griechischen Wörtern „derma“ (Haut) und „botrys“ (Traube) ab. Er nimmt Bezug auf die Früchte: Die in Trauben angeordneten spitz-ovalen, essbaren Beeren werden im Alter weich, färben sich braun und bekommen eine runzelige Oberfläche. Diese erinnerte die südafrikanische Namensgeberin Louisa Bolus offenbar an wettergegerbte menschliche Haut.
Der zweite Teil des Artnamens ehrt Katharine Saunders. Die gebürtige Engländerin lebte von 1854 bis 1901 in der britischen Kolonie Natal im Osten Südafrikas, wo sie als Pflanzensammlerin und botanische Illustratorin Bedeutung erlangte. Sie schickte Saatgut von Dermatobotrys saundersii an die berühmten Kew Gardens nach London, wo die Pflanze in Kultur genommen und 1890 wissenschaftlich beschrieben wurde.
(KW 4/26)
Etwa 10.000 Pflanzenarten wachsen im Botanischen Garten der TU Dresden. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen regelmäßig ein Beispiel aus dieser Vielfalt näher vor. Die Besonderheiten unserer wissenschaftlichen Pflanzensammlung zeigen sich auf vielerlei Art und Weise: in erstaunlichen Anpassungen, wunderlichen Namen, einer interessanten Verwendung oder auch in einer außergewöhnlichen Blütenpracht.
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