08.10.2026
Frischer Anstrich für das Carbonbetonhaus: Warum am CUBE derzeit Gerüste stehen
Auffrischungsarbeiten an der Fassade des Carbonbetonhauses CUBE
Wer in diesen Tagen am Dresdner Fritz-Foerster-Platz vorbeikommt, sieht unser Forschungsgebäude CUBE eingerüstet. Was auf den ersten Blick wie eine vorzeitige Schadensbehebung wirken mag, ist in Wahrheit geplanter Alltag in einem Reallabor: Nach vier Jahren intensiver Beobachtung erhält die fugenlose Carbonbeton-Fassade eine mineralische Auffrischung.
Seit seiner Inbetriebnahme vor gut 4 Jahren, im September 2022, steht der CUBE als weltweit erstes Gebäude vollständig aus Carbonbeton für ein grundlegendes Umdenken im Bauwesen: weg von rostanfälligem Bewehrungsstahl, hin zu ressourcenschonenden, langlebigen Carbonfasern und freien, geschwungenen Formen. Dass nun Bauarbeiten an der Fassade stattfinden, wirft bei Passantinnen und Passanten verständlicherweise einige Fragen auf.
Physik im Reallabor: Die Sache mit der fugenlosen Wand
Grund für die aktuellen Arbeiten sind feine Risse an der Außenfassade, die für das bloße Auge sichtbar wurden und bereits Anlass für durchaus reißerische Schlagzeilen waren. Für das Forschungsteam des Instituts für Massivbau ist dieser Zustand jedoch keineswegs ein Zeichen von Materialversagen – sondern das präzise Eintreffen bautechnischer Gesetzmäßigkeiten.
Üblicherweise erhalten Bauwerke alle vier bis fünf Meter eine Dehnungsfuge, um witterungsbedingte Längenänderungen und Spannungen aufzufangen. Beim CUBE wurde bewusst das kühn anmutende Experiment unternommen, eine rund 20 Meter lange Wand komplett fugenlos auszubilden. Dass sich durch Temperatur- und Witterungseinflüsse feine Risse (0,2 bis 0,5 Millimeter) bildeten, war physikalisch erwartet und wissenschaftlich ausdrücklich gewollt, sagt Manfred Curbach – Carbonbetonpionier, Träger des Nobel Nachhaltigkeitspreises und ja, auch Bauherr des Carbonbetonhauses CUBE auf dem Campus der TU Dresden.
Bauherr Prof. Manfred Curbach
„Der CUBE ist kein gewöhnliches Wohn- oder Bürogebäude, sondern ein Reallabor im Maßstab 1:1. Wir haben hier bewusst Grenzen ausgelotet, die im Standardbau tabu sind – etwa eine 20 Meter lange Wand ohne Dehnungsfugen. Dass die Physik mitspielt und sich Dehnungsrisse bilden, war exakt so vorhergesehen. Wichtig für die Öffentlichkeit ist: Diese Risse berühren weder die Tragfähigkeit noch die Dauerhaftigkeit des Gebäudes im Geringsten.“
Umfassendes Monitoring bestätigt uneingeschränkte Sicherheit
Über Sensoren im Bauteilinneren sowie fortlaufende Vermessungen wurden die Risse und das Verformungsverhalten der Wand über vier Jahre hinweg sorgfältig dokumentiert. Das Ergebnis: Die Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit des CUBE waren zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Da die Messreihen die rechnerischen Modelle vollständig bestätigt haben, konnten die internen Sensoren vor einiger Zeit bereits planmäßig wieder zurückgebaut werden.
Die nun sichtbare Rissbildung stellt somit ein rein optisches Problem dar, das durch oberflächliche Bewitterung im Laufe der Jahre etwas deutlicher hervorgetreten ist.
Kosmetik statt Sanierung: Eine mineralische Schutzschicht
Bei den aktuellen Maßnahmen handelt es sich folglich nicht um eine statische Sanierung, sondern eher um eine geplante Schönheitsreparatur. Die Außenhaut des CUBE erhält eine spezielle mineralische Beschichtung, die die feinen Risse optisch schließt und die gewünschte Ästhetik wiederherstellt.
Die aufgetragene Schicht ist dabei sogar reversibel („abziehbar“) konzipiert. Sollten für künftige Forschungsprojekte erneut direkte Oberflächenmessungen an der Ursprungswand nötig sein, bleibt der Zugang zum Beton jederzeit gewährleistet.
„Mit der mineralischen Beschichtung geben wir dem CUBE sein Erscheinungsbild zurück, ohne den Zugang für die Forschung zu verbauen. Unser CUBE besitzt als experimenteller Versuchsbau eine 15-jährige Bestandsperspektive – doch die bisherigen Erkenntnisse zeigen eindrucksvoll, wie robust und zukunftsfähig das Material ist. Ein Gebäude, das sich bautechnisch so hervorragend bewährt, reißt man nach 15 Jahren nicht einfach ab.“
Die Arbeiten an der Fassade werden voraussichtlich in Kürze abgeschlossen sein. Danach präsentiert sich der Hingucker am Fritz-Foerster-Platz wieder in seiner gewohnten, eleganten Optik für Besucherinnen, Besucher und den Campus der TU Dresden.