Willy Gehler (1876–1953) – Spitzenforschung, politische Selbstmobilisierung und historische Rezeption eines bedeutenden Bauingenieurs und Hochschullehrers im Jahrhundert der Extreme

 Projektdaten

Titel | Title
Willy Gehler (1876–1953) – Spitzenforschung, politische Selbstmobilisierung und historische Rezeption eines bedeutenden Bauingenieurs und Hochschullehrers im „Jahrhundert der Extreme“ | Willy Gehler (1876–1953) – edge research, political self-mobilization and historical assessment of an important civil engineer and professor in “the century of extremes”
Förderer | Funding
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Zeitraum | Period
11.2014 – 10.2017
Leiter | Project Manager
Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Manfred Curbach
Bearbeiter | Contributor
Dipl.-Ing. Oliver Steinbock
Projektpartner | Project Partners
Lehrstuhl für Technik- und Technikwissenschafts­geschichte, TU Dresden

Bericht aus dem Jahrbuch 2015

Willy Gehler – Ein Beispiel für politische Irrwege an der TU Dresden?

Gehlerbrücke Niedersedlitz © Oliver Steinbock Gehlerbrücke Niedersedlitz © Oliver Steinbock
Gehlerbrücke Niedersedlitz

© Oliver Steinbock

Die Stadt Dresden sorgte in jüngster Vergangenheit beim Thema Flüchtlingspolitik und im Umgang mit Ausländern für wenig erfreuliche Schlagzeilen. Dass vor allem die TU Dresden sich von rechten Irrwegen wie „Pegida“ abgrenzt, zeigt sich nicht nur in der unproblematischen Aufnahme von Flüchtlingen in den Sportzentren der TU Dresden, sondern auch durch vielzählige Aufrufe zu Gegenveranstaltungen und nicht zuletzt durch die Internationalität ihrer Studenten und Mitarbeiter. Hinsichtlich der Aufarbeitung der Geschichte der Hochschulen während der NS-Zeit als auch in den ersten Nachkriegsjahren trägt das interdisziplinäre Projekt Willy Gehler (1876–1953) – Spitzenforschung, politische Selbstmobilisierung und historische Rezeption eines bedeutenden Bauingenieurs und Hochschullehrers im „Jahrhundert der Extreme“, einen Teil bei.

Der ehemalige Professor und Bauingenieur Willy Gehler durchlebte vier Epochen deutscher Geschichte. Geboren im Kaiserreich, beginnt er nach dem Studium der Mathematik und des Bauingenieurwesens sein Berufsleben zunächst im Staatsdienst bei der Königlich Sächsischen Staatsbahn (1900–1904). Nach seinem Wechsel aus dem Staatsdienst in die Wirtschaft zur Firma Dyckerhoff und Widmann steigt Gehler schnell im Unternehmen auf und arbeitet an Projekten wie der Querbahnsteighalle Leipzig oder der Jahrhunderthalle in Breslau. 1913/1914 wird er als ordentlicher Professor an die TU Dresden im Fachbereich Bauingenieurwesen berufen. Bereits im 1. Weltkrieg zum Leiter der Bautenprüfstelle im Kriegsamt aufgestiegen, leitet er ab 1918 die Versuchs- und Materialprüfungsanstalt in Dresden.

Willy Gehler © UA der TU Dresden Willy Gehler © UA der TU Dresden
Willy Gehler

© UA der TU Dresden

Gehler entwickelt in der jungen Weimarer Republik einen großen Tatendrang hinsichtlich des damals ebenfalls noch jungen Baustoffs „Eisenbeton“. Ab 1933 führt er vermutlich auch kriegsrelevante Forschungen durch, nachdem er bereits 1933 der NSDAP beigetreten war. Der Umfang dieser Tätigkeit und die möglichen Verstrickungen, aber auch die rein wissenschaftliche Bewertung der gewonnenen Erkenntnisse sind Gegenstand aktueller Forschungen. Aus der Professorenstelle nach dem 2. Weltkrieg im Rahmen der Entnazifizierung entlassen, arrangiert sich Gehler auch mit den neuen politischen Kräften in der sowjetischen Besatzungszone. Diese stetige Anpassung an die politischen Randbedingungen und die fachliche Expertise dieses Ingenieurs machen ihn für die Forschung besonders interessant.

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Oliver Steinbock, Silke Scheerer
Letzte Änderung: 01.04.2016