10. Sächsischer Datensalon - Beiträge
Wir freuen uns, zum diesjährigen 10. Sächsischen Datensalon wieder viele spannende Beiträge präsentieren zu dürfen.
Nähere Informationen zu den Vortragenden und ihren Beiträgen finden Sie hier:
Dr. Lioba Buscher (Statistisches Landesamt)
"Gesellschaftliche Veränderungen wie die Abwanderung junger Erwachsener und niedrige Geburtenraten haben vielschichtige Gründe. Um mit geeigneten politischen Maßnahmen reagieren zu können, bedarf es entsprechender Informationen über Ursachen und Zusammenhänge. Eine verlässliche Datengrundlage und wissenschaftliche Analysen gewinnen hierdurch zunehmend an Bedeutung."
Dr. Lioba Buscher studierte und promovierte im Fach Statistik an der TU-Dortmund. Nach mehrjähriger Tätigkeit an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der TU-Dresden in den Bereichen Statistik und Ökonometrie leitete sie von 2013 bis 2025 die Kommunale Statistikstelle der Landeshauptstadt Dresden. Seit Ende 2025 ist sie als Referatsleiterin im Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen tätig.
Vortragstitel: „Wer bleibt? Junge Erwachsene im Umbruch"
Abstract: Angesichts des demografischen Wandels rücken die jungen Erwachsenen auch für Sachsen verstärkt in den Fokus. Der Beitrag beleuchtet diese Altersgruppe aus einer demografischen Perspektive. Die Gruppe der „jungen Erwachsenen“ wird aktuell zusammengefasst als Menschen im Alter zwischen 16 und 40 Jahren. Diese Altersgruppe macht seit 2010 rund ein Viertel der sächsischen Bevölkerung von derzeit rund 4 Millionen Einwohnern aus. Für die deutsche Bevölkerung ist ein rückläufiger Trend erkennbar. In Zukunft wird sich der Anteil der jungen Erwachsenen an der Gesamtbevölkerung in Sachsen voraussichtlich nur geringfügig ändern. In Bezug auf die Wanderungsbewegungen gilt es verschiedene Einflüsse zu berücksichtigen. Der hohe Zuzug junger Schutzsuchender aus dem Ausland in den Jahren 2015 und 2022 führte in den Folgejahren zu einer Veränderung in Struktur und Volumen der Wanderungsbewegung junger Erwachsener. Die demografische Analyse zeigt, dass es neben der Frage einer Bleibeperspektive auch erforderlich ist, sich der Frage „Wer ist aktuell da?“ anzunehmen.
Ernst Glöckner (ifo Institut)
„Der demografische Wandel wird besonders in Berufen, auf die wir als Gesellschaft täglich angewiesen sind – im Nahverkehr, in der Versorgung oder in der Pflege – in der nächsten Dekade deutlich spürbar sein."
Ernst Glöckner ist seit 2022 Doktorand und Junior Economist an der Dresdner Niederlassung des ifo Instituts. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Regionalökonomie und Verkehrspolitik.
Vortragstitel: „Stadt. Land. Alt? Altersstruktur der Beschäftigten im regionalen Vergleich.“
Abstract: Binnen zehn Jahren wird ein Viertel der Beschäftigten das Renteneintrittsalter erreicht oder überschritten haben. Eine neue Auswertung des ifo Instituts Dresden analysiert, wie sich diese Beschäftigten auf einzelne Berufsgruppen, systemrelevante Tätigkeiten und verschiedene Regionen Deutschlands verteilen. Die Auswertung zur Altersstruktur in verschiedenen Berufsgruppen und Bundesländern basiert auf der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Über alle 37 Berufshauptgruppen hinweg variiert der Anteil der über 55-Jährigen erheblich, von rund 15 bis 40 Prozent. Außerdem zeigt sich, dass sowohl alte als auch junge Beschäftigte besonders häufig in Minijobs arbeiten. Obwohl die Menschen im Osten Deutschlands im Schnitt älter sind als im Westen, gibt es keinen Unterschied in der Altersstruktur der Beschäftigungsverhältnisse: Die Altersverteilung innerhalb einzelner Berufsgruppen sowie in systemrelevanten Tätigkeiten zeigt bundesweit ein weitgehend einheitliches Bild. Lediglich in den Stadtstaaten sind die Arbeitnehmer*innen etwas jünger.
Agnes Schurig (Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt)
"Der Geburtenrückgang in Sachsen ist massiv, die notwendigen Anpassungsmaßnahmen sind schmerzlich und politisch nicht einfach zu bewältigen."
Agnes Schurig ist Referentin im Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und mit der Sozialberichterstattung für den Freistaat Sachsen befasst. Wie bereits bei den zwei veröffentlichten Sächsischen Sozialberichterstattungen ist sie aktuell auch an der Erarbeitung der Dritten Sozialberichterstattung beteiligt.
Vortragstitel: „Wo sind die jungen Menschen in Sachsen?“
Die Geburtenrate in Sachsen sinkt flächendeckend. Dies gilt überraschender Weise auch für die beiden Großstädte Leipzig und Dresden. Gleichzeitig werden die Jahrgänge, die jetzt in die Elterngeneration hineinwachsen, zahlenmäßig immer kleiner. In der Folge geht auch die Zahl der jungen Menschen zurück. Leipzig und Dresden kompensieren dies durch Studenten und Zuwanderung. Der Rückgang der Geburtenrate ist kein solitärer Befund, sondern weltweit zu beobachten. Die Folgen für Sachsen sind vielfältig: Neben der Infrastruktur, die angepasst werden muss, fehlen die jungen Menschen auch als Innovationsmotor und Arbeitskräfte. Dabei ist der ländliche Raum stärker betroffen, da die beiden Großstädte Dresden und Leipzig sehr attraktiv für Zuzug sind.
Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel (Technische Universität Dresden)
„Die DREAM-Studie zeigt, dass eine gleichmäßigere Aufteilung von Erwerbstätigkeit, Haus- und Sorgearbeit zwischen Müttern und Vätern nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit ist, sondern auch der Gesundheit und des familiären Wohlbefindens. Dies gelingt jedoch nur, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden und Gleichstellung nicht beim Lippenbekenntnis bleibt.“
Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel ist Professorin für Preventive Work & Life Trajectories an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und zusätzlich mit dem Norwegischen Institut für Public Health sowie der MSH Medical School Hamburg affiliert. Sie leitet die Längsschnittstudie DREAM und forscht zu den Wechselwirkungen zwischen Arbeits- und Lebenswelten, Geschlecht und Gesundheit, mit einem Schwerpunkt auf dem Wohlbefinden von Familien rund um die Geburt.
Vortragstitel: „Job, Familie, Gesundheit: Was die DREAM-Studie über junge Dresdner Familien verrät“
Abstract: Ergebnisse des Statistischen Bundesamts zeigen: Eltern in Deutschland leisten deutlich mehr Arbeit als Kinderlose – mit klaren Geschlechterunterschieden bei bezahlter und unbezahlter Arbeit. Dies kann nicht nur das Wohlbefinden der Eltern beeinflussen, sondern beispielsweise auch die Eltern-Kind-Beziehung und die kindliche Entwicklung. Die DResdner Studie zu Elternschaft, Arbeit und Mentaler Gesundheit (DREAM) begleitet 3860 Eltern seit der Schwangerschaft bis aktuell ins Schulalter ihrer Kinder. Mit Daten aus mehreren Messzeitpunkten beleuchtet die Studie, wie junge Eltern Beruf und Familie vereinbaren, wie sich Rollen zwischen Müttern und Vätern verteilen und welche Folgen Alltagsstress für die familiäre psychische Gesundheit und die familiären Beziehungen hat. Der Vortrag stellt zentrale Befunde der DREAM-Studie vor und diskutiert, was diese für die Gestaltung familienfreundlicher Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dresden und Sachsen bedeuten.
Lena Marie Uhlmann, M.Sc. (Technische Universität Dresden)
"Wer bin ich, wenn sich alles verändert – und wo gehöre ich dazu? Diese Fragen bewegen viele junge Menschen insbesondere in Phasen biografischer Umbrüche. In meinem Vortrag beleuchte ich aktuelle Forschungsbefunde zur sozialen Identität und zeige, welche Mechanismen darüber entscheiden, ob Zugehörigkeit gelingt oder scheitert."
Dr. Lena Marie Uhlmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie der TU Dresden. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit den Themen soziale Identität, Einsamkeit und den Auswirkungen lebensverändernder Ereignisse auf Gesundheit und Wohlbefinden.
Vortragstitel: „Zwischen Aufbruch und EInsamkeit: Wie Lebensveränderungen im jungen Erwachsenenalter die soziale Identität beeinflussen“
Abstract: Einsamkeit ist mit einer Vielzahl negativer Gesundheits-, Arbeits- und Gesellschaftsfolgen verbunden. Junge Erwachsene gelten dabei als besondere Risikogruppe: Einschneidende Lebensereignisse wie der Auszug aus dem Elternhaus, der Übergang an die Universität oder wechselnde Beziehungen häufen sich in dieser Lebensphase und können soziale Netzwerke destabilisieren sowie Einsamkeit begünstigen – eine Herausforderung, die auch im Kontext von Abwanderung und regionaler Mobilität junger Menschen an Bedeutung gewinnt.
Als theoretischen Rahmen nutzt dieser Vortrag das Social Identity Model of Identity Change (SIMIC; Haslam et al., 2021), das zwei zentrale Schutzpfade beschreibt: die Aufrechterhaltung bestehender sozialer Identitäten (Identity Continuity) und den Aufbau neuer Gruppenzugehörigkeiten (Identity Gain). Empirische Befunde zu verschiedenen lebensverändernden Ereignissen im jungen Erwachsenenalter werden vorgestellt und im Rahmen des Modells interpretiert. Abschließend werden praxisorientierte Handlungsempfehlungen auf individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene abgeleitet, die aufzeigen, wie junge Erwachsene in Phasen des Wandels gezielt unterstützt werden können.