04.11.2026
Kernkraftrückbau trifft Virtual Reality: CODIP-Forschung im Podcast
Jonathan Dyrna (CODIP, TU Dresden) erprobt gemeinsam mit einer Studierenden das entwickelte Virtual-Reality-Training für den kerntechnischen Bereich
Wie kann Virtual Reality (VR) dazu beitragen, Fachkräfte auf sicherheitskritische Tätigkeiten beim Rückbau von Kernkraftwerken vorzubereiten? Und wie müssen virtuelle Trainingsumgebungen gestaltet sein, damit sie nicht nur durch ihre Benutzerfreundlichkeit überzeugen, sondern auch einen didaktischen Mehrwert bieten? Über diese Fragen sprach Jonathan Dyrna vom CODIP der TU Dresden gemeinsam mit seinem Projektleiter Dr. John Kettler von actimondo eG im internationalen Podcast The Versatilist des Immersive Learning Research Network (iLRN).
Als Gäste des Podcasts sprachen sie mit Host Dr. Patrick O’Shea über die partizipative Entwicklung und den didaktischen Einsatz eines VR-Trainings, das im Rahmen des Forschungsprojekts „Kompetenz. Innovation. Sicherheit. Strahlenschutz (K.I.S.S.)“ in Zusammenarbeit mit der Firma NUSEC XR entwickelt wurde. Anlass des Interviews war eine wissenschaftliche Publikation im Fachjournal Kerntechnik, in der die Entwicklung und Evaluation immersiver VR-Trainingsumgebungen für den Strahlenschutz und die nukleare Sicherung beschrieben werden.
Partizipative Entwicklung als Erfolgsfaktor für praxisnahes VR-Training
In dem sehr kurzweiligen Gespräch wurde insbesondere die hohe Bedeutung der frühzeitigen Einbindung von späteren Nutzenden für die bedarfsgerechte Gestaltung von VR-Lernszenarien deutlich. Im vorgestellten Forschungsprojekt wurden sowohl erfahrene Fachkräfte als auch Noviz:innen in den Entwicklungsprozess einbezogen. Ihre unterschiedlichen Perspektiven lieferten wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung der virtuellen Trainingsumgebungen und deren didaktische Einbettung. Dieser partizipative Ansatz soll sicherstellen, dass die entwickelten Anwendungen nicht nur fachlich korrekt und technisch funktionsfähig sind, sondern auch den tatsächlichen Anforderungen der Lernenden und der beruflichen Praxis entsprechen.
Einblicke in die entwickelte VR-Trainingsumgebung: Messung der Ortsdosisleistung mit einer Dosisleistungssonde in einer Laborumgebung
Kontaminationskontrolle mithilfe eines Hand-Fuß-Monitors in einem Zwischenlager
Von der technologischen Innovation zum didaktischen Mehrwert
Darüber hinaus diskutierten die Gesprächspartner, wie sich VR-Trainings möglichst einfach und ressourcenschonend in bestehende Bildungsangebote integrieren lassen. Die im Projekt realisierte, nutzerfreundliche Umsetzung auf Basis handelsüblicher Hardware trägt dazu bei, technische und organisatorische Einstiegshürden zu reduzieren und immersive Trainingsangebote für unterschiedliche Bildungskontexte zugänglich zu machen.
Besondere Aufmerksamkeit galt auch der didaktischen Vielseitigkeit der entwickelten Trainingsumgebung. Sie ermöglicht sowohl eine Einzelbearbeitung als auch gemeinschaftliches Lernen in Gruppen. Dabei erkundet eine Person die virtuelle Trainingsumgebung aktiv und führt die vorgesehenen Handlungsschritte aus, während Mitlernende das Geschehen auf einem Bildschirm verfolgen, sich über mögliche Vorgehensweisen austauschen und die ausführende Person bei der Bewältigung der Trainingsaufgaben unterstützen.
Die in den durchgeführten Studien im kerntechnischen Bereich gewonnenen Erkenntnisse sind dabei auch für andere Bereiche der beruflichen und formalen Bildung anknüpfungsfähig. Sie verdeutlichen, wie die Verbindung von didaktischer Forschung, partizipativer Entwicklung und nutzerfreundlicher Technologiegestaltung zur Entwicklung praxisnaher digitaler Lernangebote beitragen kann.
Zum Reinhören und Anschauen:
The Versatilist – Podcast-Folge auf podomatic | Amazon Music | Apple Podcasts | Spotify
Video der entwickelten VR-Trainingssimulation
Weiterführende Publikationen:
Kettler, J., Dyrna, J., Koslowski, D., Laumen, L., Malirsch, T. & Köhler, T. (2026). Participatory development and mixed-methods evaluation of immersive VR training for radiation protection and nuclear safeguards – KISS. Kerntechnik, 91(3), 292–308. https://doi.org/10.1515/kern-2025-0103
Kettler, J., Hoeborn, G., Güner, B., Kantharajah, A., v. Stamm, J., Stark, M., ... & Malirsch, T. (2025). Digitale und KI-gestützte Lösungen für einen sicheren und effizienten Rückbau kerntechnischer Anlagen: Das Forschungs-und Entwicklungsvorhaben „KISS “. atw – International Journal for Nuclear Power, 70(1), 41–48.