CampusKompass Neurodivergenz
Inhaltsverzeichnis
Die Einführungswoche mit AD(H)S, Autismus, Dyslexie & Co – darum geht’s
Kennenlernbrunches, Clubtouren und prall gefüllte Seminarräume: Die ersten Tage an der Universität sind in aller Regel gesättigt mit neuen Eindrücken und Menschen. Für viele Erstsemester sind der soziale Faktor und das schnelle Tempo das, was diese Anfangsphase am Campus attraktiv und unvergesslich macht.
Doch was, wenn die Selbstorganisation eine solche Herausforderung ist, dass man gar nicht erst zur Auftaktveranstaltung findet? Wie geht es jemandem, der in den ersten Veranstaltungen merklich länger als die anderen braucht, um zu lesen, was an der Tafel steht? Wie schwierig ist diese Zeit für jemanden, die das Röhrenlicht genau so laut hört wie das Gespräch der Kommilitonen beim Mittag?
Für Menschen, die neurodivergent sind, können gerade im Hintergrund alltäglicher Szenarien Hürden wie diese liegen. Viele Angebote und Veranstaltungen an Universitäten gehen zu selten auf ihre Bedarfe ein, was nicht nur Kräfte zehrt, sondern den Verlust von neurodivergentem Potential zur Folge hat. Denn Kreativität, unkonventionelles Denken, Präzision oder ein hohes Maß an Empathie sind auch das, was für eine neurodivergente Person charakteristisch sein kann.
Das Projekt CampusKompass Neurodivergenz möchte deshalb eine Startwoche anbieten, die genau dort ansetzt. Mit barriereärmeren Angeboten und zielgruppenorientierten Ansätzen sollen Neustudierende Unterstützung zum Studienbeginn erhalten und darin bestärkt werden, dass sie an der TUD einen Platz haben – mit allem, was zu ihnen gehört.
Was wir meinen, wenn wir von Neurodivergenz sprechen
Der Begriff „Neurodivergenz“ ist seit den 1990ern dokumentiert und fand ursprünglich vor allem innerhalb der Forschung und in Onlineforen zum autistischen Spektrum Gebrauch. Mit ihm sollte eine neue Sicht ausgedrückt werden, die Autismus nicht wie bisher ausschließlich als Behinderung oder Defizit auffasste. Im Fokus stand, wertneutral die Unterschiede kognitiver Funktionen zu betrachten.
Dieser Kerngedanke findet bis heute Resonanz: So bezeichnet die schwedische Aktivistin Greta Thunberg ihren Autismus als ihre „Superkraft“. Und auch seine Reichweite ist gestiegen, sodass mit Neurodivergenz eine größere Zahl an Konditionen beschrieben werden können, u.a.:
- Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
- Aufmerksamkeitsdefizitstörung (AD[H]S)
- Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angstörungen, Borderline-Erkrankung, …
- Dyslexie und Dyskalkulie (Lese-Rechtschreib-/ Rechenschwäche)
- Zwangsstörungen und das Tourette-Syndrom
- Epilepsie
- Down-Syndrom (Trisomie 21)
- Fetales Alkoholsyndrom (FASD)
Für das Verständnis von CampusKompass Neurodivergenz gilt Autonomie und Selbstbestimmung – Wer sich als neurodivergent versteht, ob auf dieser Liste oder nicht, ist bei uns richtig. Und auch, wie eine Person ihre Neurodivergenz betrachtet, ob als Behinderung, geringfügige Abweichung von einer Norm, ihre Superkraft oder als all diese Dinge, liegt bei ihr. Wir möchten mit unserer Arbeit nicht nur die Diversität des menschlichen Gehirns würdigen, sondern auch die Diversität der Erlebnisse und Perspektiven.
Das CampusKompass-Team
FAQ
Die Startwoche findet vom 28. September bis zum 02. Oktober 2026 statt.
Geplant sind dabei u.A. folgende Angebote:
- Eine Campustour über die wichtigsten Dreh- und Angelpunkte der TUD
- Gemeinsame Schnupperstunden zu den Themen Stundenpläne und Studienordnungen
- Workshops zu den Themen Lernstrategien und neurodivergentes Empowerment
- Vorstellung der wichtigsten Kontakte an der TUD wie die AG Services Behinderung und Studium und die psychosoziale Beratung des Studierendenwerks.
Auch lockerere Formate wie ein gemeinsamer Brunch sind geplant – in kleinerer Runde und mit viel Zeit für Fragen, Pausen und gemeinsam ankommen.
Ein detailliertes Programm wird Ende Juli auf dieser Seite veröffentlicht.
Mitbringen solltest du vor allem Geduld, Verständnis und Zeit. In der Woche selbst läufst du mit, hilfst beim Stundenplanbau und bei der Klärung erster Orga-Fragen. Wichtig ist dabei nicht, dass du auf jede Frage sofort die passende Antwort hast – wichtig ist, dass du da bist, um gemeinsam die Antwort zu suchen, die man vielleicht noch nicht kennt.
Deine Tätigkeit nach der Woche wird vor allem darin bestehen, ein offenes Ohr bei Problemen und Sorgen zu haben und deine Person an Instanzen wie z.B. das Prüfungsamt oder die AG SBS weiterzuleiten. Gegebenenfalls begleitest du auf den Wunsch der Person zu Terminen oder zum ersten Gang zu einer Hochschulgruppe.
Das klingt nach nicht viel, kann für deine Bezugsperson aber einen bedeutenden Unterschied machen. Diese Tätigkeit bringt somit definitiv Verantwortung mit sich – wir empfehlen deshalb, nicht mehr als 3 Personen auf einmal zu betreuen.
Eigene oder professionelle Erfahrungen mit dem Thema Neurodivergenz sind begrüßenswert, aber nicht zwingend notwendig. Anfang Juli 2026 findet ein Briefing zum Kennenlernen statt.
Die Dauer der Peer-Tätigkeit bleibt letztendlich dir und der Person überlassen, die du begleitest. Du solltest aber mindestens das WS 2026/2027 einplanen, um für deine Person Ansprechpartner:in zu bleiben.
Ende Juli 2026 wird auf dieser Seite ein detaillierter Veranstaltungsplan sowie die maximale Teilnehmendenzahl bekanntgegeben. Ab diesem Zeitpunkt kann man sich per Mail an die unter „Kontakt“ angegebene Adresse für die Woche anmelden. Folgende Informationen sollten in dieser Mail angegeben werden:
- Name
- Studiengang
- Semester
- Individuelle Bedarfe, die wir in unserer Planung besonders beachten sollten – Du entscheidest, was und wie viel du mit uns teilen möchtest.
Unser Angebot richtet sich explizit nicht nur an Erstsemester – auch Wiedereinsteigende, die in ihrem Studium schon weiter fortgeschritten sind, können sich anmelden. Wir bitten allerdings um Verständnis, dass bei sehr hoher Nachfrage Erstsemester bei der Platzvergabe priorisiert werden.
Nein.
Wir sind uns über die aktuellen Notstände in der psychotherapeutischen Versorgung und der langen Wartezeiten für Diagnostiktermine bewusst. Zudem ist das Verfolgen einer Diagnose auch immer verbunden mit einer Offenbarung gegenüber einem medizinischen System, in dem nach wie vor Diskriminierung geschieht und abhängig von vielen Faktoren, wie etwa familiärer Support oder finanzielle Mittel. Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Unterstützung angeboten wird, ohne zu stigmatisieren. Wer sich von unserem Angebot angesprochen fühlt, ist willkommen bei uns.
© Zoe Rühle/ Diversity Management
CampusKompass Neurodivergenz
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