23.01.2026
Schulen und Studierende beim ALSO-Projekttreffen an der Universitätsschule Dresden
Projektleiterin Anke Langner, Schulleiterin Sabrina Hälschke und einer Seniormentorin aus Zittau im Gespräch über die USD-Lerntagebücher.
Große Resonanz und produktiver Austausch
Am 21. Januar trafen sich die Schulleitungen und weitere Vertreter:innen der 15 teilnehmenden Schulen im Projekt "Alternatives Lehramtspraktikum" (ALSO) an der Universitätsgemeinschaftsschule in Dresden. Der Schulversuch Universitätsschule Dresden ist eine Schule für Dresdner Kinder und Jugendliche, ein Forschungsprojekt zur "Schule der Zukunft" und ein Ort der Lehrkräfteausbildung an der TU Dresden. Hier wurde das semesterbegleitende Schulpraktikum für eine frühe und intensive Theorie-Praxis-Verzahnung im Lehramtsstudium seit 2022 erprobt und wird von der Forschungsstelle Universitätsschule (ForUS) wissenschaftlich begleitet.
Schulleiterin Maxi Heß präsentierte das Schulkonzept und die Entwicklung seit der Gründung 2019. Prof'in Anke Langner, wissenschaftliche Leiterin des Schulversuchs und ALSO-Projektleiterin, ergänzte die Perspektive der wissenschaftlichen Begleitung. In ihrem Beitrag stellte sie die Bedeutung der Erhebung und Auswertung von Daten zu Gelingensbedingungen für nachhaltiges Lernen für eine datengestützte Schulentwicklung in den Mittelpunkt.
Im Rahmen von ALSO absolvieren im Schuljahr 2025/26 bereits 116 Studierende an 15 Schulen im ländlichen Raum Sachsens ihr Schulpraktikum im neuen gedehnten Format über fast das gesamte Schuljahr hinweg. Die teilnehmenden Schulen kamen nun zusammen, um ihre Erfahrungen und Bedürfnisse sowie die Potenziale des Projekts sowohl für die Studierenden als auch die Schulentwicklung an ihren Standorten zu berichten. Die Entwicklung und Einbindung der Studierenden sowohl ihre Arbeit mit den Schüler:innen der 5. Klassen wurden als sehr positiv beschrieben, obgleich die Umsetzung eines neuen Formats stets Herausforderungen mit sich bringt. Die Schulleitungsteams tauschten sich intensiv über ihre Herangehensweisen und erfolgreichen Lösungen aus.
Auch die Vertreterinnen der Lasub Bautzen konnten ihre Erfahrungen und Hintergrundinformationen aus der Organisation vor Ort einbringen.
Projektlernen und Lernbegleitung an der Universitätsschule
Bei einer Schulführung in kleineren Gruppen hatten die Vertreter:innen aus 14 sächsischen Städten und Kleinstädten die Möglichkeit, die innovativen Lernformate der Universitätsschule zu erleben, die von den Studierenden auch an ihren Schulen eingesetzt werden. Beim Gespräch mit Lernbegleiter:innen und Kindern der Grund-, und Mittelstufe und auch den Jugendlichen der Jugend- und Qualifizierungsstufe lernten sie die verschiedenen Materialien, zum Beispiel Lerntagebücher und Lernbausteine für das Projektlernen, aber auch die Lern- und Schulmanagementsoftware kennen.
Prof. Dr. em. Manfred Prenzel von der TU München begleitete den Tag und zeigte sich beeindruckt sowohl von der Umsetzung der datengestützten Schulentwicklung im Dresdner Schulversuch als auch vom beginnenden Transfer der Erfahrung in der Lehrkräfteausbildung an weitere sächsische Schulen. Als externer Berater begleitet er das Projekt ALSO im Schuljahr 2025/26.
"Entspannter in die Klasse gehen" - Studierende berichten von ihren ALSO-Praktika
In einer weiteren Austauschrunde kamen etwa 20 Studierende zusammen mit den Projektmitarbeiter:innen und Projektleiterin Prof'in Anke Langner sowie Prof. Dr. em. Manfred Prenzel (TU München). Sie konnten die vor Projektstart von verschiedenen Stellen befürchtete Überlastung durch das semesterbegleitende Format nicht bestätigen, auch wenn "das Praktikum - ob jetzt als Block oder an einem Tag in der Woche - schon ganz schön viel ist". Viele Teilnehmer:innen sind bereits das zweite, manche sogar das dritte Mal an einer Schule im ländlichen Raum. Vorteile sehen sie darin, bereits ab dem 3. Semester selbst einen Lerntag aktiv gestalten zu können, und beschreiben die Arbeit im Viererteam pro Klasse als entlastend. Auch der lange Zeitraum ließ die Erkenntnis wachsen, dass "Fehler nicht das Ende der Welt" seien, denn "man weiß vorher nicht, was passiert, kann sich aber vorbereiten und gegenseitig unterstützen, aus den Fehlern dann lernen." Eine ALSO-Teilnehmerin fasste für sich zusammen: "Ich gehe viel entspannter in die Klasse, denn die Schülerinnen und Schüler geben uns auch sehr schnell Feedback, was für sie gut funktioniert und was weniger. In der nächsten Woche können wir es dann ausprobieren."
Den Vergleich zum klassischen vierwöchigen Blockpraktikum in der vorlesungsfreien Zeit konnte ein Student ziehen: "Die vier Wochen reichen nicht für ein Gesamtbild der Aufgaben einer Lehrkraft. Da sind wir ALSO-Praktikant:innen schon privilegiert." Zum klassischen Hospitationspraktikum, das ihm auch Einblicke in die Lehrerkonferenz und Elterngespräche bot, sieht er das semesterbegleitende Praktikum als eine sinnvolle Ergänzung. Gerade die Begleitseminare und die Kollegiale Fallberatung an der TU Dresden ermöglichten eine tiefe Reflexion der gelernten Theorie an eigenen praktischen Erfahrungen und er empfinde eine " größere persönliche und didaktische Entwicklung."
Mit Beginn des Schuljahrs 2024/2025 können Lehramtsstudierende an der TU Dresden bereits frühzeitig kontinuierlich Erfahrungen in der Praxis sammeln, diese angeleitet reflektieren und mit Theorien verbinden lernen. Das wird möglich mit einem veränderten Praktikumsformat und einer engen Zusammenarbeit der TU Dresden mit den Praktikumsschulen – auch in höheren Semestern. Dabei geht es nicht darum, fehlende Lehrkräfte zu ersetzen und regulären Unterricht zu halten. Vielmehr sollen die Studierenden zusätzliche Angebote für kleinere Lerngruppen ermöglichen, die die Schüler:innen fördern, beim Lernen unterstützen und für die im normalen Fachunterricht kaum Zeit bleibt. Dazu gehören beispielsweise Leseförderung, Projektarbeit oder die selbstständige Arbeit in sogenannten Lernbüros. Die erste Pilotphase des Alternativen Lehramtspraktikums (ALSO) wurde vom Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) in Görlitz gestemmt.
Beim Pilotprojekt, das auch gegen den Stundenausfall in Ostsachsen wirken will, profitieren die Studierenden von den Erfahrungen mit dem semesterbegleitenden Praktikum an der Universitätsschule Dresden. Dieses Format entwickelt Prof. Anke Langner gemeinsam mit Schulen und den Studierenden kontinuierlich weiter für eine bessere Theorie-Praxis-Verzahnung bereits früh im Studium.
Über die Universitätsschule Dresden
Die Universitätsschule Dresden ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt Dresden und der Technischen Universität. Sie ist eine öffentliche und kostenfreie Gemeinschaftsschule in städtischer Trägerschaft, an der unter wissenschaftlicher Begleitung innovative Formen des Lehrens und Lernens erprobt werden. Darüber hinaus ist sie Ausbildungsschule für zukünftige Lehrkräfte und künftig auch Weiterbildungsschule für Lehrer:innen. Wissenschaftlich begleitet wird der Schulversuch von der Forschungsstelle Universitätsschule ForUS an der TU Dresden.
Informationen zum Forschungsprojekt an der TU Dresden: https://tu-dresden.de/gsw/unischule
Informationen zur Universitätsschule Dresden: http://universitaetsschule.org
Auf verschiedenen Social-Media-Kanälen finden Sie unter @unischuleTUD Einblicke in das Forschungsprojekt und den Schulalltag: Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn. Neuigkeiten aus dem Projekt Universitätsschule Dresden gibt es regelmäßig im GSW-Newsletter.