Profil, Selbst- und Fachverständnis der Professur
Informieren Sie sich hier zum Profil, Selbst- und Fachverständnis der Professur für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Medienbildung.
Profil, Selbst- und Fachverständnis
Medienbildung als Ziel der Medienpädagogik
Medienbildung zählt zu den zentralen Schlüsselbereichen des 21. Jahrhunderts: Sie verbindet Technologie und Kultur, Subjekt und Gesellschaft, Wissenschaft und Praxis – und ist so betrachtet die Schnittstelle zwischen Frontend und Backend einer zunehmend digital geprägten Welt. Im Kern steht sie als Aufgabe wie Zielkategorie der Medienpädagogik dafür, Menschen durch entsprechende Kompetenzen zu befähigen, in dieser medialisierten Welt urteils-, handlungs- und bildungsfähig zu bleiben oder zu werden und die Bedingungen dafür zu fördern. Dafür ist und bleibt Schule der zentrale Ort.
Medienpädagogik als Wissenschaftsdisziplin
Medienpädagogik, als Forschung und Praxis der Medienbildung, lässt sich dabei als noch relativ junge wissenschaftliche Disziplin begreifen, die sich mit allen Fragen zur pädagogischen Relevanz von Medien beschäftigt. Sie ist eine Reflexions- und Handlungswissenschaft, zielt daher auf forschungsbasierte sowie praxisrelevante Theoriebildung in Hinsicht auf erziehungs- und bildungsrelevantes Handeln durch, mit und über Medien (DGfE, 2017). Ihr zentraler Gegenstand ist damit die Rolle von Medien in Prozessen und Verhältnissen der Bildung, der Erziehung, der Sozialisation, des Lernens oder Lehrens bzw. Formen pädagogischer Vergesellschaftung im Allgemeinen wie Besonderen. Dabei handelt es sich um Fragen, Probleme und Phänomene, die zwar jede pädagogische Praxis und erziehungswissenschaftliche Disziplin betreffen, von Medienpädagogik jedoch nicht (nur) unter der je spezifischen Perspektive einer pädagogischen Praxis (Kindergarten, Schule, außerschulische Kinder- und Jugendarbeit, Erwachsenenbildung etc.) bzw. erziehungswissenschaftlichen Sub- oder Nachbardisziplin (Elementarpädagogik, Schulpädagogik, Soziale Arbeit, Fachdidaktik etc.) betrachtet werden, sondern mit Fokus auf Medien und Medialitäten. Dementsprechend geht es der Medienpädagogik um das Übergreifende, Verbindende und Spezielle von Medien und Medialitäten in diesen Kontexten, durch deren spezifische Beforschung sie ihre disziplinäre Identität gewinnt (vgl. Meder, 2017).
Medienpädagogik ist Grundlage für gegenwärtige pädagogische Professionalisierung. In der universitären Bildung zielt sie auf das Fördern und den Erwerb medienpädagogischer Kompetenz. Diese umfasst Medienkompetenz (wie ebenfalls digitalisierungsbezogene oder sogenannte ‚digitale‘ Kompetenzen) „und wird als Wissen, Können und Reflexionsfähigkeit, verbunden mit einer berufsethischen Haltung verstanden, die notwendig ist, damit medienpädagogisch Tätige bei ihren späteren Zielgruppen Lern- und Bildungsprozesse mit, über und durch Medien im Sinne von Medienkompetenz anregen und unterstützen können“ (DGfE, 2017).
Profillinien der Professur für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Medienbildung
Um dem nachzukommen, fokussiert die Professur für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Medienbildung in Lehre und Forschung vorrangig drei Themenschwerpunkte:
- Bildungstheorie und Bildungsforschung unter besonderer Berücksichtigung von Medien und Technik,
- Medienbildung als individuell-kollektive Möglichkeitsbedingung, Praxis und Zielorientierung soziokulturellen Wandels sowie
- Mediensozialisationstheorie und -forschung mit Schwerpunkt auf post-/digitale Praktiken, Ästhetiken und Vergemeinschaftungsformen.
Mit dieser Ausrichtung arbeitet die Professur zukunftsorientiert und interdisziplinär anschlussfähig. In der Lehre leistet sie einen Beitrag, neue und zeitgemäße Formate wissenschaftlichen Arbeitens zu konzipieren, zu erproben und zu etablieren. Unterschiedliche Formen der „Wissenspräsentation und -kommunikation“ werden angestrebt, um insbesondere Praxistransfer und Outreach zu stärken sowie Kreativität und Selbstwirksamkeitserfahrungen zu fördern. So sollen auf Studierenden- und zivilgesellschaftlicher Seite Reflexionen und Diskussionen über Sinn- und Zweckhaftigkeit, Potentialen und Herausforderungen von Medienformen und Technologien angeregt und eine kritische-reflexive Offenheit partizipativ gefördert werden. Didaktisch stehen problem- und projektorientiertes Arbeiten sowie forschendes Lernen im Zentrum. Seminare und vergleichbare Veranstaltungsformate werden von einem Selbstverständnis als Forschungsgemeinschaft getragen, die sich multiperspektivisch mit aktuellen Phänomenen auseinandersetzt. Leitend sind hierfür der „Orientierungsrahmen für die Entwicklung von Curricula für medienpädagogische Studiengänge und Studienanteile“ (DGfE, 2017) sowie Konturierungen einer „Grundbildung Medien“ (Niesyto, Bellinger & Spengler 2024 [Preprint]).
Die allgemeine Forschungsausrichtung der Professur entfaltet sich ebenfalls entlang dieser drei thematischen Schwerpunkte: Ihre methodische Ausrichtung ist vor allem historisch-systematisch sowie qualitativ. Ergänzt wird sie um machtanalytische Perspektiven, insbesondere erziehungswissenschaftliche Subjektivierungs- und Gouvernementalitätsstudien sowie Theorien der Kritik, unter besonderer Berücksichtigung von Medien und Technologien. Quer über alle Schwerpunkte steht die Weiterentwicklung, Neuakzentuierung sowie forschungsmethodologische Operationalisierung einer Kulturell-ästhetischen Medienbildung als kultur- wissenschaftlich fundierter, kritischer (Medien-)Bildungstheorie, -forschung und -praxis.
Die Professur für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Medienbildung zielt darauf,
- Medienbildungs- und mediensozialisationstheoretische Grundlagenarbeit und Forschung zu leisten, um einen analytischen wie reflexiven Rahmen zum Verhältnis von Selbst- und Weltverhältnissen zu erarbeiten;
- Medienkritik als Grundbegriff und Praxis der Medienpädagogik stärker zu machen, um so beispielsweise kritische Perspektiven auf Digitalität, Plattformisierung, Datafizierung zu eröffnen, die Bedingungen, Möglichkeiten und Einschränkungen von Medienbildung offenzulegen und zu verhandeln sowie
- ästhetisch-kulturelle Perspektiven und Praktiken weiterzuentwickeln, um so dieses Spannungsverhältnis neu oder anders fokussieren und ausgestalten zu können.
Konkret leistet die Professur so einen Beitrag, sozio-kulturelle Implikationen digitaler Transformation im Kontext von Lebens- und Arbeitswelten und ihrer Medien zu untersuchen, zu verstehen und zu gestalten, medienpädagogische Professionalisierung zu fördern.