Erzähl(t)e Transformation
Alfred Hesse, Erich Gerlach: Erziehung zum Staatsbewusstsein. Dresden 1954. Wandbild im Gerhart-Potthoff-Bau
Was bedeuteten die Umbrüche der 1990er-Jahre für ostdeutsche Hochschulen? Wie wurden sie individuell erlebt, institutionell gestaltet und wissenschaftlich reflektiert?
Die ostdeutsche Hochschullandschaft hat seit den 1990er-Jahren tiefgreifende Veränderungen erfahren, die mit neuen Chancen, aber auch mit Brüchen in individuellen Biografien sowie gesellschaftlichen und institutionellen Strukturen verbunden waren. Die Veranstaltungsreihe „Erzähl(t)e Transformation“ nimmt diese Erfahrungen in den Blick und widmet sich der Frage, wie sie Hochschulalltag, Personalstrukturen und das Verhältnis von Ost und West bis heute prägen. Im Zentrum steht, wie sich Transformationen in Biografien einschreiben, diese prägen und wie sie aus verschiedenen Disziplinen wie Geschichte, Soziologie sowie Ethnologie und Kulturanthropologie untersucht werden können. Um dem nachzugehen werden sowohl methodische Workshops als auch Erzählcafés durchgeführt. Ziel der Reihe ist es, den Blick für die komplexen Dynamiken institutioneller und individueller Transformationsprozesse zu schärfen und ihre Bedeutung für die Gegenwart der TU Dresden sichtbar zu machen.
Die Veranstaltungsreihe richtet sich an (ehemalige) Beschäftigte, Studierende und Interessierte, die sich mit den vielfältigen Veränderungen im Hochschulsystem auseinandersetzen möchten.
Erzählte Transformation – Workshopreihe zu biografischer Hochschulforschung
In drei thematisch aufeinander aufbauenden Workshops werden Erfahrungen des Umbruchs an ostdeutschen Hochschulen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Sie thematisieren sowohl die Geschichte der Hochschultransformation als auch Methoden biografischer Forschung und unterschiedliche Möglichkeiten der Archivierung. Fachliche Impulse aus Forschung und Praxis regen zur gemeinsamen Reflexion an und eröffnen neue Perspektiven auf die Entwicklung moderner Hochschulen.
Nähere Informationen finden Sie in unserem Flyer.
Workshopanmeldung
Wenn Sie an einem oder mehreren Workshops teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte online über das Anmeldeformular an. Bei Fragen können Sie sich gerne direkt per E-Mail an uns wenden.
Workshop I: Geschichtswissenschaft und Hochschulumbau nach 1989/90. Perspektiven der Universitätsgeschichte für die ostdeutsche Transformation
Der Wissenschaftsumbau nach 1989/90 ist bis heute ein markanter Bestandteil der Erinnerung an die Nachwendezeit. Bislang dominierten dabei vor allem Erlebnis- und Erfahrungsberichte von Entscheidungsträgern sowie theoretische Zugriffe aus den Sozialwissenschaften das Feld. Mit der Öffnung der Archive nach 30 Jahren wandert das Thema seit den 2020er-Jahren allmählich in die Zeitgeschichtsforschung über. Der Workshop widmet sich deshalb der Frage, wie eine Universitätsgeschichte des „Hochschulumbau Ost“ methodisch und inhaltlich angelegt sein kann. Wir wollen bisherige Konjunkturen der Forschung aufzeigen, erste Archivfundstücke diskutieren und Perspektiven entwerfen, wie ein historisch informierter Umgang mit der Thematik zu einer Versachlichung der Debatte beitragen kann. Davon ausgehend sollen gemeinsam mögliche thematische Zugriffe für eine Konzipierung und Strukturierung von Erzählcafés an der TU Dresden entwickelt werden. Der Workshop richtet sich an Studierende, Lehrende, Hochschulmitarbeitende und Personen mit einem Interesse an der Zeitgeschichte von Hochschulen im Allgemeinen und der TU Dresden im Besonderen.
| 9:00 | Einführung: Universitätsgeschichte als ‚Randnotiz‘ der zeithistorischen Forschung? Konjunkturen, methodische Zugriffe und Quellen | Aron Schulze (TU Dresden) |
| 9:45 | Input: Die vier Dimensionen des ostdeutschen Wissenschaftsumbaus | Prof. Dr. Peer Pasternack (Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg) |
| 10:30 |
Arbeitsphase: Dimensionen des Dresdner Hochschulumbaus a) personell b) strukturell c) inhaltlich d) kulturell |
Kleingruppen |
| 11:30 | Abschlussdiskussion: Perspektiven für eine strukturelle Gliederung und inhaltliche Konzipierung von Gesprächen zur Transformationszeit an der TU Dresden |
24. April 2026 (Freitag), 9:00 bis 12:00 Uhr
tba
Workshop II: Biografische Interviews in Forschung und Lehre
Biografische Interviews zählen zu den zentralen Methoden qualitativer Forschung, zugleich stellen sie Forschende und Lehrende vor besondere methodische, ethische und didaktische Herausforderungen. Der Workshop „Biografische Interviews in Forschung und Lehre“ lädt Wissenschaftler:innen, Lehrende und Studierende dazu ein, sich über den praktischen Einsatz narrativer Interviews auszutauschen und voneinander zu lernen. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Interviewführung, Auswertung und nachhaltigen Archivierung sowie die Integration biografischer Interviewforschung in Lehrformate im Sinne des forschenden Lernens. Anhand konkreter Praxisbeispiele und kurzer Impulsbeiträge diskutieren die Teilnehmenden gemeinsam methodische Zugänge und Nutzungsmöglichkeiten von Interviewforschungsdaten. Eine anschließende Arbeitsphase bietet Raum, um Kooperationsideen zu entwickeln und Perspektiven für institutionenübergreifende Forschung und Lehre in Dresden auszuloten.
1. Einführung (30min)
2. Praxisbeispiele (90min)
3. Arbeitsphase in Kleingruppen (45min): a) Interviewforschung in der Lehre, b) Datenmanagement und Nachnutzung, c) Vernetzung und Kooperation
4. Abschluss und Ausblick (ca. 15 min)
08. Mai 2026 (Freitag), 9:00 bis 12:00 Uhr
HAIT, Raum TIL 110 (Helmholtzstraße 6, 1. Stock)
Workshop III: Von der Forschung ins Archiv. Einblicke in Archivierungsmöglichkeiten analoger und digitaler Forschungsdaten
Im Rahmen von Forschungsprojekten entstehen vielfältige, fachspezifische Forschungsdaten. Diese werden gemäß den Standards guter wissenschaftlicher Praxis und den FAIR-Prinzipien nach Abschluss eines Projekts für eine gewisse Zeit in „(Forschungs-)Archiven“ auffindbar und – wenn möglich – zugänglich gemacht. Über diese reine Aufbewahrung von Forschungsdaten (z. B. Audio- und Videodateien oder Transkripte von Interviews) für die durch Hochschulen und Fördermittelgebende festgelegten Fristen hinaus besteht jedoch auch ein nachhaltiges Interesse verschiedener Akteur:innen am dauerhaften Erhalt dieser Daten.
Der Workshop „Von der Forschung ins Archiv“ bietet einen Einblick in die Archivierungspraxis unterschiedlicher Institutionen sowie in die damit verbundenen Rahmenbedingungen (Zuständigkeiten, Nutzung, Kosten). Ein Austausch über die vorgestellten Möglichkeiten ist ebenfalls vorgesehen.
26. Juni 2026 (Freitag), 9:30 bis 12:30 Uhr
Open Science Lab 1 (Eingang über Zellescher Weg 25)
Erzähle Transformation – Erzählcafés zu den Jahren ab 1990 an der TU Dresden
Im Vergleich zu den Workshops knüpfen die Erzählcafés explizit an die persönlichen Erfahrungen der gesellschaftlichen und institutionellen Veränderung an und eröffnen einen Raum für Austausch und Verständigung. Es sind vier Termine im Herbst 2026 geplant. Hierzu sind explizit Personen eingeladen, die die 1990er-Jahre an der TU Dresden miterlebt haben – egal ob als Studentin oder als Beschäftigter der Uni.
Aktuell befinden wir uns in der Planungsphase; sobald Termine feststehen, finden Sie alle Informationen hier. Es sind zwei Sprechzeiten eingerichtet, in denen Fragen geklärt werden können.
Anmeldung
Wenn Sie an einem oder mehreren Terminen teilnehmen möchten, kontaktieren Sie bitte Constanze Wirsing per E-Mail oder unter der Telefonnummer +49-351-463-36270. Berichten Sie gerne direkt, welchen Bezug Sie zur TU Dresden in den Transformationsjahren hatten und ggf. heute noch haben.
Persönliche Erfahrungen sind ein zentraler Zugang zur Geschichte der Hochschultransformation. Die Erzählcafés schaffen Raum für die Stimmen derjenigen, die den Wandel an der TU Dresden unmittelbar erlebt oder später kennengelernt haben. Moderierte Gesprächsrunden bieten die Gelegenheit, persönliche Erlebnisse zu teilen, anderen zuzuhören und gemeinsam verschiedene Perspektiven auf Transformation und Kontinuität sichtbar zu machen.
Mitwirken können aktuelle sowie ehemalige Studierende und Beschäftigte der TU Dresden aus Wissenschaft, Verwaltung und Technik, die ihre eigenen Erinnerungen zum Wandel der Universität teilen möchten. Darüber hinaus sind Interessierte aller Statusgruppen eingeladen, ihre Perspektiven, Fragen und Ideen einzubringen und sich auszutauschen.
Der Ansatz orientiert sich an der Methode der „Oral History“: Im Mittelpunkt stehen biographische Erfahrungen und subjektive Deutungen historischer Prozesse. Ziel ist es, diese Erzählungen zu bewahren und damit einen Beitrag zum kollektiven Gedächtnis der TU Dresden zu leisten.
Die Sprechzeiten dienen dazu, interessierten Personen eine Vorstellung der Veranstaltung zu vermitteln. Sie können Fragen und Unklarheiten mit dem Organisationsteam besprechen und so Erwartungen abgleichen. Die Sprechzeiten werden online stattfinden, die Zugangsdaten erhalten Sie auf Nachfrage an . Zur Verfügung stehen folgende Termine:
13. Juli 2026 (Montag), 18 bis 19 Uhr
13. August 2026 (Donnerstag), 18 bis 19 Uhr
Zur Kustodie der TU Dresden gehört neben den insbesondere natur- und ingenieurwissenschaftlichen Lehr- und Forschungssammlungen auch ein außergewöhnlicher Kunstbesitz unter anderem mit zahlreichen Werken aus der DDR-Zeit.
Nachdem das historische universitäre Areal in der Dresdener Innenstadt im Februar 1945 nahezu völlig zerstört wurde, setzte ein immenser Bauboom ein. Unter einem 1954 gegründeten Künstlerischen Beirat wurde erstmalig die Ausstattung der neu gebauten Institutsgebäude mit Kunstwerken fachlich begleitet und strategisch vorangetrieben. Die Sammlung ist insofern öffentlich, als alle baubezogenen Werke in und an den Gebäuden sowie die Skulpturen und Plastiken auf dem Hochschulcampus frei zugänglich sind. Darüber hinaus gehören Gemälde, Arbeiten auf Papier und Kleinplastiken dazu, die dem gesamten Hochschulkollegium für Ausleihen zur Verfügung stehen.