27.11.2017

Reformation als Kommunikationspro­zess (Prag, Nov. 2017)

Der Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit veranstaltet gemeinsam mit dem Historischen Institut der Tschechischen Akdemie der Wissenschaften und dem ISGV Dresden im November 2017 eine Tagung zum Thema "Reformation als Kommunikationsprozess".

Der Begriff „Reformation“ nimmt in der tschechischen und in der deutschen Geschichtsschreibung einen zentralen Platz ein. Bereits im mitteleuropäischen Kontext bezeichnet er allerdings durchaus verschiedene historische Phänomene und besitzt unterschiedliche zeitliche Reichweiten: In der tschechischen Historiographie umfasst er die Epoche der sog. böhmischen (hussitischen/utraquistischen) Reformation, also die Zeitspanne seit dem späten 14. bzw. frühen 15. Jahrhundert bis zur Schlacht am Weißen Berg 1620. Aus der deutschen bzw. europäischen Perspektive wird ihr Anfang gewöhnlich mit dem Auftreten Luthers gegen den Ablass im Jahr 1517 datiert, wogegen die Zeit zuvor programmatisch als Ära der „Reformen“ abgesetzt wird. Ein großer Unterschied zwischen der böhmischen und der sächsischen/deutschen Reformation besteht zugleich darin, dass in Böhmen andere religiöse Strömungen die Geschichtsbühne prägten. Die Lutheraner und vor allem die Calvinisten waren hier eher von marginaler Bedeutung; vielmehr bekannte sich die Mehrheit der Bevölkerung Böhmens und Mährens zum Utraquismus, weshalb wesentlich weniger Menschen der römischen Kirche treu blieben, ebenso wie einem anderen Erben der böhmischen Reformation, der Brüderunität.

Die Konferenz will die methodischen wie inhaltlichen Unterschiede der jeweiligen Historiographien thematisieren und vergleichend erörtern, wobei die angesprochenen Differenzen in Hinblick auf die zeitlichen Verläufe, die regionalen Ausprägungen und die religiöse Physiognomie der jeweiligen „Reformation“ wichtige Aspekte darstellen. Erprobt werden soll dabei insbesondere, inwieweit ein kommunikations­geschichtlicher Zugang für die jeweilige Reformation bzw. für deren komparative Interpretation neue Einsichten erbringen kann. Spätestens im Zuge des ‚cultural turn‘ haben kommunikationsgeschichtliche Interpretationen auch in den Geschichtswissenschaften eine zentrale Bedeutung gewonnen. Im Kontext der neueren Reformationsforschung ist hier insbesondere die Verknüpfung der Reformation mit der Kommunikationsrevolution im Gefolge der Erfindung des Buchdrucks herausgestellt worden und damit die Rolle der neuen Medien. Andererseits blieb aber gerade im Kontext der frühen Reformation auch die face-to-face-Kommunikation unter Anwesenden von zentraler Bedeutung, wenn es um die Durchsetzung und Etablierung der neuen religiösen Bewegungen ging. Hier eröffnet sich für die vergleichende Diskussion ein weites Feld möglicher Themengebiete. Das Tagungsprogramm finden Sie

Die Tagung findet vom 28. - 30. November in Prag statt. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Hier finden Sie das aktualisierte Programm als PDF zum Download.

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Alexander Kästner
Letzte Änderung: 08.01.2018