Die TH Dresden im „Zeitalter der Extreme“. Eine Zwischenbilanz
Die Mid-Term-Konferenz des Forschungsprojekts „Die Technische Hochschule Dresden im Nationalsozialismus“ markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum 200-jährigen Gründungsjubiläum der TU Dresden im Jahr 2028.
Sie findet vom 28. bis 30. Oktober 2026 im Festsaal Dülferstraße der TU Dresden (Dülferstraße 2) statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung über diese Seite wird gebeten.
Im Horizont von Eric Hobsbawms Verständnis des 20. Jahrhunderts als „Zeitalter der Extreme“ richtet die Tagung den Blick auf die Geschichte der TH/TU Dresden in einer Epoche tiefgreifender politischer, gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Umbrüche. Im Mittelpunkt stehen neue Erkenntnisse zur Rolle der Hochschule im Nationalsozialismus
sowie zu den Wechselwirkungen von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft und den
Kontinuitäten und Brüchen zwischen Weimarer Republik, NS-Diktatur und früher DDR.
Die Konferenz bietet den am Projekt beteiligten Forschenden ein Forum, ihre Ergebnisse im Austausch mit ausgewiesenen Expert:innen aus der Hochschul-, Wissenschafts-, Technik-, Medizin- und Zeitgeschichte zu diskutieren. Eine Keynote und wissenschaftliche Kommentare ordnen die Vorträge in aktuelle Forschungsdebatten ein und ziehen eine erste wissenschaftliche Zwischenbilanz des Projekts.
Programm
18:00 Uhr
Grußwort der Prorektorin Universitätskultur und Internationalisierung Roswitha Böhm Begrüßung durch die Tagungsorganisation Gisela Hürlimann und Hagen Schönrich
18:30 Uhr
Keynote Lecture von Volker Roelcke (Gießen): Totalitarismus, Rassismus und Krieg: Handlungsspielräume von Hochschulen im Nationalsozialismus
19:45 Uhr
Empfang
8:30–10:15 Uhr
Panel 1: Ingenieurwissenschaften im Dienst des Regimes
Chair: Mark Walker (Schenectady, NY)
Kommentar: Heike Weber (Berlin)
Stephanie Zloch (Stuttgart/Dresden): Ringen um Renommee. Die TH Dresden und die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus
Maximilian Gasch (Dresden): DDR-Kraftfahrzeugforschung mit internationalem Renommee. Die Nachkriegsgeschichte der Dresdner Kraftfahrzeugforschung
10:15–10:45 Uhr
Kaffeepause
10:45–13:00 Uhr
Panel 2: Zur politischen Ökonomie von Wissenschaft: (Selbst-)Mobilisierung, Kooperation und Dissens
Chair: Mary Fulbrook (London)
Kommentar: Christian Kehrt (Braunschweig)
Ole Sparenberg (Karlsruhe): Die Chemische Abteilung der TH Dresden im Nationalsozialismus: Personal, Arbeitsfelder, Selbstmobilisierung und Dissens, 1930–1945
Johannes Schütz (Potsdam/Dresden): Hochschule – Unternehmen – Stadtgesellschaft: Kooperationen der TH Dresden mit Industriebetrieben und deren sozialhistorische Implikationen
Swen Steinberg (Kingston, Ontario): „Nazis in the Woodpile“. Die Forstliche Hochschule Tharandt im transatlantischen Spannungsfeld von Wissenstransfers und Ideologie
13:00–14:00 Uhr
Mittagessen (Alte Mensa)
14:00–15:00 Uhr
Panel 3: Menschen analysieren und „optimieren“ – Psychotechnik und „Hygiene“
Chair: Richard Wetzell (Washington, DC)
Kommentar: Volker Roelcke (Gießen)
Christine Ludl (Dresden): Psychotechniken der Eignung: Forschen, Begutachten und Auswählen für Militär, Industrie und Verwaltung an der TH Dresden 1922–1945
Marion Hulverscheidt (Kassel): Das Hygiene-Institut der TH Dresden im Nationalsozialismus – Personen, Forschungsund Lehrgebiete
16:00–16:30 Uhr
Kaffeepause
16:30–18:00 Uhr
Panel 4: Akademische Kulturen und Politik
Chair: Dagmar Ellerbrock (Dresden)
Kommentar: Moritz Epple (Frankfurt)
Hagen Schönrich (Dresden): Berufung ohne Verfahren. Otto Oesterhelt am Geodätischen Institut der TH Dresden und die Transformation akademischer Ordnungen im Nationalsozialismus
Michael Wetzel (Dresden): Akademische Würde und nationalsozialistischer Ehrbegriff: Entzüge von Doktorgraden und Ehrenpromotionen an der TH Dresden 1933–1945
Aron Schulze (Dresden): Die Praktiken der Personalkommissionen an der TU Dresden, ca. 1991–1993
9:00–12:15 Uhr
Panel 5: Transformationen? Kulturwissenschaften, Pädagogik, Bibliotheken
Chair: Markus Stumpf (Wien)
Kommentar: Karin Zachmann (München)
Linda Fleck (Dresden): Pädagogische Professionalisierung oder ideologische Abrichtung? Zwischen Anspruch und Realität der Volkslehrerausbildung an der TH Dresden
Manuel Clancett (Dresden): Die Organisation des Symbolischen: Rektoratsrundschreiben und Herrschaftsformierung an der TH Dresden 1933–1935
Christoph Sauer (Dresden): „Eine stärkere Konzentrierung der Anschaffung auf das Fachgebiet Technik der TH wird nicht unbemerkt bleiben“. Die Neuerwerbungskataloge der Bibliothek der TH Dresden (1935–1945)
12:30–13:30 Uhr
Abschlussdiskussion
Chair und Kommentar: Désirée Schauz (Karlsruhe)