Babelsberg und die Welt – Der DEFA-Film im internationalen Kontext
| Lehrkraft | Dr. Frank Schmidt |
| Termin | Do., 3. DS |
| Ort | ABS/114/U |
| Beginn | 16.04.2026 |
| Einschreibung | OPAL |
| Module |
AM MAKU-GK-VT1 (MA LA) |
Inhalt der Lehrveranstaltung
Am 17. Mai 1946 findet in den ehemaligen Althoff-Studios Babelsberg die Gründungsfeier der Deutschen Film-Aktiengesellschaft statt. Die ersten DEFA-Produktionen widmen sich unmittelbar den Ereignissen der jüngsten deutschen Geschichte: Am 15. Oktober, einen Tag vor der Vollstreckung der Todesurteile im Nürnberger Prozess, feiert Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ Premiere, der von der Konfrontation eines heimgekehrten Soldaten mit einem Kriegsverbrecher erzählt. Ein Jahr darauf wird Kurt Maetzigs „Ehe im Schatten“, der die Auswirkungen der NS-Politik auf ein Ehepaar behandelt, zum erfolgreichsten deutschen Film der Nachkriegsjahre. Bis zu ihrer Abwicklung im Jahr 1992 produziert die DEFA über 700 Spielfilme; hinzu kommen rund 950 Animationsfilme und etwa 2.000 Dokumentationen. Zwischen kulturpolitischem Anspruch, ideologischer Kontrolle und künstlerischer Eigenständigkeit entsteht so ein Korpus von bemerkenswerter stilistischer und thematischer Vielfalt.
Anhand ausgewählter Filme und thematischer Schwerpunkte bietet das Seminar einen Überblick über zentrale Phasen und Genres der DEFA-Produktion, von den antifaschistischen Nachkriegsfilmen über den sozialistischen Gegenwartsfilm, Literaturverfilmungen und historische Stoffe bis hin zu Filmen, in denen sich zunehmend Ambivalenzen und indirekte Formen der Kritik artikulieren. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage, wie gesellschaftliche Umbrüche, Alltagswirklichkeiten und individuelle Handlungsspielräume filmisch verhandelt werden.
Ein zentraler Bestandteil des Seminars ist die vergleichende Perspektive: Die Kontextualisierung mit internationalen Filmen zeigt, auf welche Vorbilder sich DEFA-Regisseur*innen bezogen. Beispiele aus dem sowjetischen Kino, dem italienischen Neorealismus oder der französischen Nouvelle Vague ermöglichen es, Gemeinsamkeiten, Abgrenzungen und spezifische Bedingungen der Filmproduktion in der DDR zu bestimmen. Der DEFA-Film erscheint so nicht als isoliertes Phänomen, sondern als Teil eines transnationalen filmischen Austauschs unter asymmetrischen politischen und ökonomischen Voraussetzungen.
Das Seminar verfolgt einen filmhistorischen wie auch -analytischen Ansatz und verbindet close reading einzelner Filme mit übergeordneten Fragen nach Zensur, Autorschaft, Genre, Bildpolitik und Erinnerungskultur. Der DEFA-Film soll dabei als komplexes kulturelles Archiv verstanden werden, in dem sich ästhetische Ambitionen, politische Erwartungen und individuelle Handschriften überlagern.
Die Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme, zur Übernahme eines Referats sowie zur Lektüre begleitender Texte wird vorausgesetzt. Die Vergabe der Referatsthemen erfolgt in der ersten Sitzung. Die Anmeldung ist über OPAL möglich.
Kontakt
© Sven Ellger
Research Associate
NameDr. Frank Schmidt
Course guidance in the Master's programme in Art History
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Institut für Kunst- und Musikwissenschaft
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