Jul 24, 2026
„The Invisible Majority“: Das Team von "Frei.Raum - Teaching Democracy" war auf der Association for Moral Education Conference (AME) in Madrid vertreten
„The Invisible Majority“: Frei.Raum - Teaching Democracy bei der Association for Moral Education Conference (AME) in Madrid
Wie können Schulen mit gesellschaftlich kontroversen und normativ herausfordernden Situationen umgehen? Und welche neuen Perspektiven entstehen, wenn ein konkreter schulischer Fall mit Bildungsforscher*innen aus unterschiedlichen Ländern diskutiert wird? Diesen Fragen widmete sich das Projektteam von „Frei.Raum – Teaching Democracy“ bei der diesjährigen Konferenz der Association for Moral Education (AME) in Madrid.
Im Rahmen eines Symposiums stellten Tina Hölzel, Sarah Maria Neumann und Stefan Breuer ihre Perspektiven auf aktuelle antidemokratische Entwicklungen und die damit verbundenen Herausforderungen für Schulen in Deutschland vor. Das Symposium wurde gemeinsam mit dem Team von EdEthics an der Stanford Graduate School of Education gestaltet. Beteiligt waren Gabriel McCormick, Meira Levinson, Sara O’Brien und Brian Bernard Gaston. Nach einer längeren Phase des digitalen Austauschs bot die Tagung erstmals die Gelegenheit, sich persönlich zu begegnen und die gemeinsame Arbeit vor Ort fortzuführen.
Ein schulischer Konfliktfall vor internationalem Publikum
Im Zentrum des Beitrags des Frei.Raum-Teams stand die Vorstellung und Diskussion des Falls „The Invisible Majority“. Der Fall war zuvor vom Projektteam im Rahmen unserer Harvard-Schulung zur Arbeit mit „Normative Case Studies“ entwickelt worden.
Der in Madrid vorgestellte Fall beschäftigt sich mit dem Umgang mit geschlechtersensibler Sprache in der Schule. Im Mittelpunkt steht eine schulische Situation, in der unterschiedliche Vorstellungen von Sprache, Anerkennung, Gleichberechtigung, pädagogischer Verantwortung und demokratischer Entscheidungsfindung miteinander in Konflikt geraten. Der Fall macht sichtbar, dass die Auseinandersetzung um geschlechtersensible Sprache nicht allein eine sprachliche oder organisatorische Frage ist. Sie berührt zugleich grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens: Wer wird durch Sprache sichtbar? Wie können Schulen mit kontroversen politischen Debatten umgehen? Wessen Perspektiven finden in schulischen Entscheidungsprozessen Gehör? Und wie lässt sich verhindern, dass einzelne Positionen oder Gruppen in einer polarisierten Auseinandersetzung unsichtbar werden? Und wie können Lehrkräfte mit staatlichen Verordnungen umgehen, die diese Unsichtbarkeit zu befördern drohen?
Die Präsentation vor einem internationalen Publikum ermöglichte es, den Fall aus verschiedenen gesellschaftlichen und bildungspolitischen Perspektiven zu betrachten. In der Diskussion zeigte sich, dass Fragen geschlechtersensibler Sprache zwar jeweils in spezifische nationale Kontexte eingebettet sind, vergleichbare Konflikte um Anerkennung, gesellschaftlichen Wandel und den Bildungsauftrag von Schule jedoch in vielen Ländern eine große Rolle spielen. Der internationale Austausch eröffnete damit neue Sichtweisen auf den Fall und unterstrich seine Bedeutung angesichts des gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Klimas.
Internationaler Austausch über demokratische und politische Bildung
Auch über das Symposium hinaus bot die AME-Konferenz zahlreiche Gelegenheiten zum fachlichen Austausch. Beim EdEthics Meetup konnten die begonnenen Gespräche vertieft, neue Kontakte geknüpft und erste konkrete Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit besprochen werden. Besonders anregend waren dabei die Gespräche über Demokratie, gesellschaftliche Teilhabe sowie politische und moralische Bildung in Venezuela, Australien, den Niederlanden, Spanien und weiteren Ländern. Die Gespräche machten deutlich, wie gewinnbringend es ist, unterschiedliche internationale Perspektiven auf demokratische und politische Bildung zusammenzuführen. Zugleich entstanden konkrete Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit EdEthics und der Association for Moral Education. Für das kommende Jahr ist bereits ein Besuch in Stanford geplant, bei dem gemeinsame Forschungsinteressen weiterentwickelt und die internationale Kooperation gestärkt werden sollen.
Neben den fachlichen Panels und Diskussionen bot auch das Rahmenprogramm besondere Eindrücke – darunter ein festlicher Empfang im Prado-Museum mit einer Flamenco-Darbietung. Das Frei.Raum-Team kehrt so mit zahlreichen neuen Impulsen, internationalen Perspektiven und wertvollen Kontakten aus Madrid zurück.
Wir bedanken uns herzlich beim gesamten EdEthics-Team für die Einladung zum Symposium, die Unterstützung bei der Vorbereitung und die gemeinsame Gestaltung der Veranstaltung.
Autor: Stefan Breuer