20.07.2025
Neuer Beitrag von Erik Vollmann: Wie Umweltpolitik hilft, dass Image autoritärer Regime aufzupolieren
Gemeinsam mit Katharina Nicolai hat Erik Vollmann von der Professur für Politische Systeme und Systemvergleich (TUD) in Democratization einen neuen Aufsatz zu Umweltnarrativen des marokkanischen Königs veröffentlicht. Der Beitrag in dem renommierten politikwissenschaftlichen Journal (letzter Impact Factor 3,7) zeigt exemplarisch, wie normativ positiv besetze Themenfelder von autoritären Regimen genutzt werden, um ihre Herrschaft und internationale Kooperationen positiv darzustellen.
Der Artikel mit dem Titel „The king’s speeches: environmental sustainability as a discursive legitimation project in autocracies. Evidence from Morocco“ analysiert, wie autoritäre Regime positive Themenfelder wie Umwelt- und Nachhaltigkeitsnarrative strategisch zur politischen Legitimation nutzen. Anhand einer umfassenden Diskursanalyse zeigen die Autor:innen, dass „Nachhaltigkeit“ vor allem als performative Erfolgs- und Imageerzählung eingesetzt wird – nach innen zur Rechtfertigung wirksamer Regierungsführung und nach außen zur Stärkung internationaler Anerkennung.
Dabei werden das Regime, vor allem aber die Monarchie als Garant des Wohlstandes und Fortschritts nach innen und als Kämpfer für Klimagerechtigkeit im Namen des afrikanischen Kontinents nach außen dargestellt.
Obwohl Marokko international als Vorreiter der Energiewende gilt, klaffen Rhetorik und Umsetzung häufig auseinander. Nachhaltigkeit dient dabei weniger demokratischer Öffnung als vielmehr der autoritären Stabilisierung und der Positionierung Marokkos als regionaler Führungsakteur in Afrika.
Die Studie leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis moderner Legitimationsstrategien autoritärer Herrschaft. Sie zeigt auf, wie normativ positive Projekte auch in Nichtdemokratien zur Imagepflege genutzt werden und wie dies ermöglicht, sich als verlässlicher regionaler und internationaler Partner zu gerieren ohne Defizite in Demokratisierung und Menschenrechtsbilanzen zu thematisieren. Während die Rolle von Narrativen und Diskursen für die Herrschaftssicherung von Autokratien oft postuliert wird, stellt diese Studie einige der wenigen dar, welche dies systematisch empirisch überprüft.