28.06.2018; Vorlesung

Ringvorlesung "Parodie und Pasquinade"

16:30 - 18:00 Uhr
Wöchentlich donnerstags
ABS - Hörsaal 8
August-Bebel-Str. 20, 01069 Dresden

Porträt Müller © Robert Jentzsch

Leitung Teilprojekt F

Name

Prof. Dr. Jürgen Müller

Organisationsname

Sonderforschungsbereich 1285: "Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung"

Sonderforschungsbereich 1285: "Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung"

Parodien gehören der klassischen Spottkultur an und überschreiten schon in der Antike die Grenzen der Harmlosigkeit. Die Bildkunst der Renaissance entdeckt die Parodie als modernes Format der Kritik. Sie eignet sich für ironische und unverhohlene Bildakte mit poetischen, sozialen und emotionalen Tragweiten des Herabsetzens. Werke, Stile und künstlerische Normen werden bildhaft lächerlich gemacht, Künstler persönlich beleidigt. Hinter allen diesen Phänomenen stellt sich die Frage nach einer anthropologischen Dimension der Parodie. Heute findet sich die Parodie zumeist als Teil der Populärkultur, vor allem im Medium der Filmkomödie ist sie omnipräsent. In der Frühen Neuzeit gehört sie hingegen einem Spezialdiskurs an, der ausschließlich Künstler und Kenner adressiert.

          Die Ringvorlesung will unterschiedliche Beispiele und Konzepte des parodistischen Bildes der Frühen Neuzeit diskutieren. Dabei werden Albrecht Dürer und Giovanni Bellini als Pioniere der Parodie vorgestellt. Anhand zahlreicher weiterer Spötter wie Jan van Amstel oder Dirck Vellert bis hin zu Caravaggio und Rembrandt soll das Spektrum bildlichen Schmähens eingefangen werden. Im überhitzten Zentrum dieser neu entdeckten Arena der Bilder ist Michelangelo auszumachen, der selbst zum bevorzugten Gegenstand der Parodie avanciert. Bildliches Parodieren gilt es darüber hinaus in seiner Abhängigkeit von literarischen Konventionen zu erfassen. Dabei wird seinem Verhältnis zur Schmähdichtung besondere Aufmerksamkeit zukommen.

          Die Vorlesung findet im Kontext des SFB „Invektivität“ statt und stellt das Forschungsvorhaben „Parodie und Pasquinade“ des Teilprojekts F vor. Mit der Veranstaltung soll eine chronologische Reihe der Bildparodie bis in die Popkultur eröffnet werden. Die Vielfalt der Entstehungs-Zusammenhänge und Wirkungsräume ist auch für breiteres Publikum von Interesse. Ob darüber hinaus für Studierende die Möglichkeit besteht, die Veranstaltung mit einer Klausur abzuschließen, wird noch bekannt gegeben.

Die Ringvorlesung startet am 12. April und findet wöchentlich am Donnerstag von 16:30 bis 18 Uhr in der August-Bebel-Str. (ABS) Hörsaal 8 statt. 

Einen Überblick zu den Vortragsthemen und Rednern finden Sie hier.