CfP Das Abwesende wahrnehmen: Sensorische Leerstellen in antiken Kulturen
Call for Papers
Das Abwesende wahrnehmen: Sensorische Leerstellen in antiken Kulturen
Dresden, 18.03.-19.03.2027
Organisiert durch das Projektteam des DFG-Projektes „Der Duft des Textes: Die Darstellung von Gerüchen in der antiken griechischen Literatur“ und der AG Sensorium
Helge Baumann Mario Baumann Douglas Cairns Isabelle Künzer Leon Schmieder Anna D. Uschner
Während die Präsenz sinnlicher Wahrnehmung in der bisherigen vielfältigen Forschung zu den Sinnen als gegeben vorausgesetzt und insbesondere intensive oder besonders wirkmächtige Sinneseindrücke in den Mittelpunkt gestellt wurden, ist die Analyse der Abwesenheit, partiellen Präsenz oder graduellen Erscheinungsweisen sensorischer Erfahrung bislang weitgehend unbeachtet geblieben.
Die Konferenz widmet sich daher gezielt der Polarität von Präsenz und Nicht-Präsenz des Sensorischen in der antiken Welt, verstanden nicht als binäre Opposition, sondern als Skalierungsphänomen. Im Zentrum stehen Fragen nach Voll-, Teil- und Nichtpräsenzen sensorischer Erfahrung sowie nach den spezifischen Formen, Funktionen und Diskursen, die sich innerhalb und anhand dieses Spektrums entfalten. Dabei interessieren insbesondere Phänomene wie:
- Leerstellen und Ränder
- Brüche, Inkongruenzen und Übergangszonen
- Repräsentationen des Abwesenden
- Modi der Wahrnehmung zwischen Aktualität, Erinnerung, Erwartung und Imagination
Ziel ist es, ein transdisziplinäres altertumswissenschaftliches Forum zu schaffen, das unterschiedliche methodische und fachliche Perspektiven miteinander ins Gespräch bringt. Der Fokus liegt auf historischen Phänomenen der gesamten Antike, wobei auch Perspektiven aus der Byzantinistik und Mediävistik ausdrücklich willkommen sind. Beiträge aus benachbarten Disziplinen sind ebenso gern gesehen – etwa aus der Medienwissenschaft, Philosophie und Kulturgeschichte – sofern ein klarer Bezug zur sinnlichen Wahrnehmung und ihren Abstufungen im Kontext der antiken Welt hergestellt wird.
Theoretische Anschlussmöglichkeiten ergeben sich unter anderem aus:
- Konzepten von φαντασία
- rezeptionsästhetischen Perspektiven
- erkenntnistheoretischen und phänomenologischen Zugängen
- kognitionswissenschaftlichen Ansätzen einschließlich 4E (embodied, embedded, extended, enacted) cognition
- philosophy of mind
Folgende Fragestellungen können dabei unter anderem von Interesse sein:
- Wie manifestieren sich graduelle Formen sinnlicher Präsenz in literarischen, medialen oder kulturellen Praktiken?
- Welche Rolle spielen Abwesenheit, Fragmentierung oder partielle Wahrnehmung für Sinnesregime historischer Gesellschaften?
- Wie werden Nicht-Präsenz oder imaginiertes Wahrnehmen epistemisch, ästhetisch oder institutionell produktiv gemacht?
- Welche methodischen Zugänge erlauben es, Zwischenzustände von Präsenz zu erfassen und zu beschreiben?
- Wie lassen sich antike Theorien der Wahrnehmung mit zeitgenössischen theoretischen Ansätzen in Dialog setzen?
Wir laden zur Einreichung von Abstracts ein, die sich mit diesen oder verwandten Fragestellungen auseinandersetzen und eine methodisch reflektierte Perspektive auf das Spannungsfeld von Präsenz und Nicht-Präsenz der Sinne in der antiken Welt entwickeln.
Bitte senden Sie Ihr Abstract als Word- und pdf-Datei (max. 300 Wörter in deutscher oder englischer Sprache) für einen 30-minütigen Vortrag bis zum 31.05.2026 an . Dieser CfP richtet sich an Forscher:innen aller Karrierestufen, Beiträge von Nachwuchswissenschaftler:innen sind ausdrücklich willkommen. Eine Publikation der Tagungsergebnisse ist geplant.
Bei dieser Konferenz handelt es sich um ein Präsenzformat. Wir bieten eine kostenfreie Unterbringung am Konferenzort sowie einen Reisekostenzuschuss an.