PD Dr. Isabelle Künzer
Meine Forschung ist kulturgeschichtlich phänomenologisch ausgerichtet und verbindet Analysen der antiken Welt mit modernen Theorien und der Gegenwartsrelevanz der behandelten Forschungsthemen. Bei meinen Forschungsschwerpunkten spielen neben der dezidiert phänomenologischen Ausrichtung auf thematischer Ebene stets auch menschliche Wahrnehmung, Emotionen sowie Wissens- und Erfahrungshorizonte in antiken Gesellschaften eine Rolle. Aus diesem Grund überschreite ich in meinen Forschungsvorhaben regelmäßig die Brücke zu den Kognitionswissenschaften und wende Ansätze aus dem Bereich der Distributed Cognition auf altertumswissenschaftliche Problemstellungen an.
In diesem Zusammenhang arbeite ich unter anderem zur Diskursivierung der Geschmackswahrnehmung in der römischen Gesellschaft. Im Zentrum steht dabei das komplexe Verhältnis von Wahrnehmung, Erfahrung und Wissen. Diese Perspektive ermöglicht es, sowohl ein eindrückliches Bild über Vorstellungen der Geschmackswahrnehmung in der römischen Antike zu zeichnen, als auch die komplexen Verbindungslinien zwischen Wissen, Erfahrung und Wahrnehmung in der römischen Lebenswelt zu akzentuieren. Mich interessiert dabei besonders, auf welche Weise anhand dezidierter gustatorischer Erwartungen und Erfahrungen in der römischen Welt ein sensorischer Wissens- oder Erfahrungsschatz generiert und in Narrativen funktionalisiert wurde. Im Vordergrund meiner Forschungsfragen im Bereich der sensorischen Wahrnehmung in der antiken Welt steht somit das Problem, auf welche Weise Wahrnehmungsfragen und Erinnerung miteinander interagieren. Derartige Erkenntnisse wiederum sind von erheblicher Bedeutung, um ein besseres Verständnis für die Orientierung des Menschen in seiner Umwelt, seine Weltauffassung und diesbezügliche literarische Narrative zu gewinnen.