Erasmus
Das Institut für Klassische Philologie verfügt über mehrere ständige Erasmus-Plätze an verschiedenen Universitäten in Europa. Ein Auslandsaufenthalt über ERASMUS kann für ein oder zwei Semester wahrgenommen werden.
Sollten Sie am Institut für Klassische Philologie studieren und Interesse an einem Studienaufenthalt im Ausland haben, wenden Sie sich bitte an die Erasmus-Beauftragte des Instituts Lea Wildner.
Inhaltsverzeichnis
Erasmus-Erfahrungsbericht von Lateinstudent Karl (2025/26)
Eine klimafreundliche Anreise
Ich habe im Wintersemester 2025/26 ein Erasmussemester in Thessaloniki an der Partneruniversität Aristotelou absolviert. Nach Griechenland anzureisen, geht nicht einfach jetzt auf dann. Mit dem Flugzeug zwar trotzdem recht schnell, doch wählte ich, weil die EU einem nämlich eine klimafreundliche Anreise teils rückfinanziert und ich das Abenteuer wollte, das Fahrrad, mit welchem ich insgesamt 26 Tage von Dresden nach Thessaloniki brauchte.
Auf der Reise bin ich erst der Elbe, dann Laisnitz und Donau gefolgt bis ich ab Smederevo in Serbien querfeldein über Sofia und dann durch Nordmazedonien nach Thessaloniki angereist und habe neben Sofia noch mit Prag, Wien, Budapest und Belgrad weitere Hauptstädte europäischer Länder gesehen.
Auch habe ich auf der Anreise spannende Bekanntschaften und Freundschaften geknüpft, die heute noch halten. Zum Beispiel zwei andere österreichische Radler, mit denen ich drei Tage zusammenfuhr. Daher empfehle ich nur, auf ein Flugzeug zu verzichten, da jede andere Art zu reisen mehr spannende und prägende Erlebnisse mit sich ziehen wird!
Wohnen in Thessaloniki
In Thessaloniki angekommen, kam ich für zwei Tage bei einem Bekannten unter, bevor ich dann ins Wohnheim durfte. Das Wohnheim wurde in den 1960er Jahren errichtet, hatte eine Mensa, die alle sieben Tage die Woche alle drei Mahlzeiten kostenlos anbot. Die Qualität dessen war nicht immer gut und manchmal hat das Essen gar nicht geschmeckt, wobei aber das Frühstück aber positiv hervorzuheben ist: Es gab immer Käse, Schinken, Butter, dazu ein Brötchen, ein Ei, Saft und wahlweise noch Tee oder Kaffee mit Honig oder Milch. Das Frühstück hat immer geliefert!
Weil man immer durch die Wohnheimmensa versorgt wurde, waren die Wohnheimzimmer gar nicht mit Küchen versehen! In den Zimmern bis hoch ins siebte Stockwerk hatte man nur Schreibtisch, Schrank und Bett. Im achten Stockwerk, wo ich unterkam, hatte ich sogar ein eigenes Bad in meinem Apartment und von der Wohnheimdachterasse aus, einen Blick aufs Meer.
© Karl Ehresmann
© Karl Ehresmann
© Karl Ehresmann
© Karl Ehresmann
Wer aber kochen wollte, konnte eine Möglichkeit finden: Ein Wohnheimbewohner, mit dem ich befreundet war, hatte zum Beispiel illegalerweise eine Herdplatte im Gang seines Stockwerks installiert und ließ auch andere seinen Herd nutzen. Man muss nur Leute kennen. Dasselbe gilt für die Wäsche: Es gab keine vom Wohnheim gestellte Waschmaschinen, sondern einen Waschraum, in dem Studenten ihre privaten Waschmaschinen hatten. Es taten sich immer etwa fünf bis acht Studenten zusammen, um eine Waschmaschine zu teilen. Glücklicherweise hatte ich nicht einmal einen Tag gebraucht, um eine stolze Besitzerin einer Waschmaschine kennenzulernen, die zufälligerweise auch noch Lateinstudentin war! Außerdem gab es einen Lernraum im Wohnheim, der immer angenehm leer war und man gut arbeiten konnte.
Es gab noch eine zweite Mensa auf dem Campus, die besseres Essen bot, in die man als Erasmusstudent immer gehen durfte. Alle beiden Mensen boten das Essen kostenlos. Der Campus war recht kompakt und nicht so groß wie der der TU Dresden, so war alles innerhalb von 15 Minuten erreichbar.
Studieren auf Griechisch
Das Lateinniveau in den Kursen war nicht ganz so hoch wie in Deutschland, da Latein in den Schulen nur eine Nebenrolle spielt oder auch gar nicht vorkommt und manche Studierende Latein erst an der Uni lernen, dennoch aber ähnlich. Die Seminare waren ähnlich wie die Lektürekurse in Dresden gehalten. Die dortigen Dozenten sind auf mich eingegangen, um herauszufinden, wo mein Niveau ist und um vor allem zu erklären, worüber es die Stunde ging, da alle Kurse, bis auf wenige Ausnahmen, auf Griechisch gehalten wurden.
Einen Griechischkurs besuchte ich parallel zu allen anderen Veranstaltungen, sodass ich die Sprache, weil ich ohnehin jeden Tag mit ihr konfrontiert wurde, schnell aufnahm. Auch, was die Prüfungsleistungen anging, griffen einem die Dozenten gerne unter die Arme und wollten einem zum Bestehen verhelfen. Dabei waren die Prüfungsleistungen für uns Erasmusstudenten ohnehin alle auf Englisch abzulegen oder einzureichen.
Viel Freizeit
Trotz, dass eine Unterrichtseinheit 2,5 statt 1,5h wie an der TU dauerte, hatte man vergleichsweise viel Freizeit, die oft in Ausflüge gesteckt wurde. Es gab nämlich noch das „Erasmus Student Network“ – kurz ESN – welches unter anderem Ausflüge organisierte, so zum Beispiel ein verlängertes Wochenende nach Korfu, Athen oder für die, die über Weihnachten dortblieben, einen Weihnachtsausflug zu den Meteoraklöstern und nach Trikala, welches für einen der lebhaftesten Weihnachtsmärkte in Griechenland bekannt ist. Der in Thessaloniki war nämlich tatsächlich kleiner.
Der erste Ausflug nach Korfu war gleich Anfang Oktober, als es noch wohlig warm war in Griechenland, und war dazu gedacht, sich innerhalb der Erasmusstudentenschaft zu sozialisieren. Am Tag der Anreise fuhren wir in die Stadt, um einem traditionellen Tanz zuzusehen. Am nächsten Tag ging es wieder in die Stadt, die man sich bei Tageslicht genauer anschaute. Danach ging es auf die dortige Festung und am zweiten Tag hatte das ESN von morgens bis in den Abend ein Partyboot gemietet. Alkohol floss in rauen Mengen.
Auch innerhalb der Woche veranstaltete das ESN kleinere Events, die einen Abend oder Nachmittag füllten, wie ein Triviaquiz, ein „international dinner“, ein Schachturnier, oder einen „food trip“, bei dem man die moderne griechische Küche innerhalb der Stadt erkunden durfte. Ansonsten veranstaltete das ESN jeden Mittwoch eine Party in einem Klub.
Klassische Philologie in Griechenland
Für Philologen ist die Lage mitten in Griechenland besonders wegen all der antiken Grabungsstätten und Bauten, die bis heute im Stadtbild zu sehen sind. Beispielsweise nur fünf Minuten fußläufig vom Campus liegt die Rotunde, die in der Spätantike errichtet wurde und von ihr entfernt wiederum ist gleich der Galeriusbogen oder die Überreste seines alten Palasts.
Andere Erasmusstudenten, die auch komplett fachfremd sind, interessieren sich natürlich auch für die legendären Orte der griechischen Geschichte. So organisierten wir Erasmusstudenten auch einige Ausflüge, beispielsweise erstiegen wir gemeinsam in einer Gruppe von 20 den Olymp. Auch fuhr ich vor allem mit Tschechen nach Pella, dem Geburtsort von Alexander dem Großen, besichtigten das dortige Museum als auch Grabungsstätte der antiken Stadt. Im selben Zug fuhren wir auch nach Vergina, oder wie es früher hieß, Aigai, wo Philipp II. ermordet und beerdigt wurde. Sein Grabhügel ist heute ein Museum, in dem seine Krypta steht. Außerdem gibt es heute noch das Theater, in dem er erschossen wurde, als auch der Palast, in dem sein Sohn Alexander anschließend zum König gekrönt wurde.
Weitere geschichtsträchtige Orte, die ich mit verschiedensten anderen Studenten besuchte, waren Philippi, wo noch sehr viel von der antiken Stadt zu sehen war, und - im Rahmen einer Reise über die Peloponnes - Korinth, wo es neben der antiken Stadt das sehr empfehlenswerte Akrokorinth aus dem Mittelalter gibt. Des Weiteren waren wir auch in Mykene, einer der ältesten Siedlungen überhaupt, in Nafplio, der ehemaligen Hauptstadt Griechenlands, in Epidauros bei seinem legendären Theater und der danebenliegenden Stadt, die sogar ein Stadion hatte, und zuletzt auch im legendären Sparta, wo zu unserer Enttäuschung nur einzelne Brocken aus der Antike zu sehen waren.
Außerdem reiste ich auch mal nach Istanbul, nach Tirana in Albanien und nach Skopje in Mazedonien.
Fazit
Dank Erasmus verfüge ich nun über gute Kontakte in ganz Europa, überwiegend dennoch in Deutschland, da von 700 Erasmusstudenten schätzungsweise 300 deutsch waren. Doch habe ich innerhalb eines halben Jahres, nachdem Erasmus vorüber gegangen war, schon circa 10 Erasmusfreunde wieder getroffen. Ich kann also jedem nur ans Herz legen, Erasmus zu machen, weil es eine einmalige Erfahrung ist, ins Alltagsleben und die Kultur eines anderen Landes einzutauchen und es zu erkunden. Mit Griechen als auch anderen Erasmusstudenten hatte ich eine fabelhafte Zeit! Diese Erfahrung und ist erkenntnisreich, besonders in menschlicher und persönlicher Perspektive.